Farewell, Mr. Pumpernickel

Chris Howland hat mich Anfang der 1980er an die deutschen Oldies herangeführt. Zuvor kannte ich nur die Handvoll Schlager auf einer LP, die mir meine Oma mal geschenkt hatte. Fünfundzwanzig Lieder waren es – teilweise gekürzt, damit die Menge auf einer Platte untergebracht werden konnte, und garantiert seniorenfreundlich. Harmlose Sachen wie Tanze mit mir in den Morgen von Gerhard Wendland etwa.

Total uncool für einen Elf- oder Zwölfjährigen.

Doch mit Souvenirs, Souvenirs hat Chris Howland mir gezeigt, dass die Musik aus der Jugend meiner Eltern auch cool sein konnte. Durch ihn habe ich Beatmusik kennengelernt – mit Sachen wie Sandie Shaws Und sowas nennst du nun Liebe zwar nur auf Deutsch, aber immerhin. Später, als Erwachsener, habe ich in Wiederholungen auch die Sänger der etwas anspruchsvolleren Texte zu schätzen gelernt – Bibi Johns mit Wie sich Mühlen dreh’n im Wind etwa, einer deutschen Fassung von The Windmills of your Mind.

Dazu kam seine lockere Art. Wenn er die Sendung mit „… sagt Ihnen der gute alte Heinrich Pumpernickel Tschüß, auf Wiedersehen – und: Bye-bye!“ beschloss, wusste man selbst als so junger Mensch wie ich irgendwie: Der ist wirklich so locker. So ganz ungekünstelt.

Das hob ihn von den viel zu distanzierten oder auch zum Ego-Höhenflug neigenden Kollegen seiner Generation ab. Für jemanden, der allmählich vom ZDF-Ferienprogramm zu den etwas „erwachseneren“ Fernsehsendungen überging, aber noch nicht wusste, dass es mal das (aus damaliger Sicht) noch viel coolere Privatfernsehen geben würde, war er echt ein Lichtblick.

Chris Howland ist am 30. November 2013 im Alter von 85 Jahren verstorben. Er wird sehr fehlen.