Möbelgepüttscher

Wenn ich mal wieder sehen möchte, wie meinem Mann sämtliches Blut aus dem Gesicht entweicht wie das Wasser aus einer Badewanne bei gezogenem Stöpsel, stelle ich mich einfach mitten in die Küche (wahlweise auch Wohn- oder Schlafzimmer) und lasse ganz sinnig und suutje den Blick schweifen. Ringsum.

„Was hast du nun schon wieder vor?“

Der Stöpsel ist gezogen.

„Och, nix Großartiges, aber ich dachte, wenn wir den Tisch…“

An dieser Stelle ist die „Badewanne“ bereits leer.

Nichts kommt einem Kampf der Titanen näher als unsere verschiedenen Ansichten über die perfekte Einrichtung einer Wohnung. Wenn wir nicht in unzähligen anderen Punkten so gut harmonierten, hätten wir kaum die letzten fünfzehn Jahre miteinander ausgehalten. Es passt einfach nicht wirklich, wenn einer am liebsten wie eine Mischung aus Wirtschaftswundermuseum und Stilaltbau meets norddeutsche Klarheit leben will, während der andere am liebsten so minimalistisch leben möchte, dass das 15-m²-Wohnzimmer die Illusion vermittelt, ein 150-m²-Loft zu sein.

Alle meine Versuche, durch ständige geschickte Neuarrangements der vorhandenen Möbel einen Kompromiss herzustellen, sind sowas von fehlgeschlagen, dass jeder andere längst aufgegeben hätte. Aber ich bin nun mal sturer Stier, außerdem macht mir die Möbelrückerei unheimlichen Spaß. Ergo gibt’s auch weiterhin in unregelmäßigen Abständen neue Anläufe. Mein Mann hat sich darüber in stille Resignation geflüchtet. Nur selten wagt er noch offene Opposition.

Vorhin waren wir gemeinsam einkaufen. Auf dem Weg zum Bezahlen hat er mich so vom Weg abgedrängt, dass wir letztlich an der Kasse standen, die am weitesten entfernt von den Zeitschriften und Tabakwaren war. Woher hat er nur gewusst, dass ich mir heute nach längerer Pause wieder mal ein Einrichtungsmagazin kaufen wollte?

Rache ist süß. Manchmal muss man etwas drauf warten, aber diesmal ging’s schnell – er hat vergessen, sich Zigaretten zu kaufen und musste nochmal los.