Stets behütet

Eine Hundertstelsekunde Unachtsamkeit und eine scharfe Windböe reichten, um meinem Mann den letzten Heiligabend ziemlich zu vermiesen. Denn trotz aller Zuneigung zu seinem Lieblingshut war er doch nicht so wahnsinnig, ihm nach dem Malheur zur Rettung ins Gleisbett des Bahnhofs hinterher zu hechten. Der Hut wurde dann auch alsbald von einem Zug überrollt. Dass es sich dabei nur um einen schnöden Regionalexpress gehandelt hat und nicht etwa eine Sonderfahrt eines alten TEE, war dabei unerheblich. Der Verlust, und das auch noch auf dem Weg zu den freudig erwarteten Weihnachtsfeierlichkeiten bei der Familie, schmerzte.

Nachdem das Thema jetzt aus gegebenem Anlass eine ganze Weile tabu war, ist es gestern wieder ausgegraben worden. Mein Mann trägt gerne Hut, und er hätte gerne Ersatz für den vom Winde verwehten. Darum stand der Mittwoch im Zeichen der Suche nach einem Hut. Gar nicht so einfach, denn das gute alte Fachgeschäft für Herrenhüte scheint ausgestorben zu sein – sämtliche Anlaufstellen zwischen Dortmund und Duisburg, bei denen mein Mann früher Stammkunde war, haben inzwischen dichtgemacht. Aber es gibt ja noch Brendler, und das schon seit 1879. Mein Mann liebäugelt eh schon seit Ewigkeiten mit einem echten Tropenhelm als Nice-To-Have für seine Hutsammlung, und wenn wir beim nächsten Hamburg-Trip schon mal am Großen Burstah sind, können wir dann auch gleich nach einem normalen Hut für den Alltagsbedarf Ausschau halten…

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