Mal was ganz anderes

Am Wochenende habe ich beschlossen, einen echten Horroroman zu schreiben. Es war ein hartes Stück Arbeit, und es ist tatsächlich so gruselig geworden, dass ich am Ende selber ganz schweißgebadet war und letzte Nacht kaum schlafen konnte.

Dieses Meisterwerk der Horrorliteratur möchte ich euch nicht vorenthalten. Aber seid gewarnt – es ist noch früh am Morgen, und ihr braucht starke Nerven, um danach noch den ganzen Tag durchzuhalten. Aber hier ist es nun – das Gruseligste, was ich je wortgepüttschert habe:

MONTAG.

 

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Rechte, Pflichten, Provokationen und Glückwünsche

Rainbowflag_neuDer Roman Bingo von Rita Mae Brown aus der Trilogie um die Hunsenmeir-Schwestern Julia und Louise ist zwar schon beinahe dreißig Jahre alt, aber einige seiner gesellschaftspolitischen Bezüge bieten heute noch genauso spannenden Diskussionsstoff wie 1987. So schreibt sie sinngemäß:

Ein Coming out ist keine Frage der Freiheit, sondern der sozialen Verantwortung, quasi eine Pflicht. Unsere Gesellschaft beschäftigt sich nur mit der Romantik des Paarens, vergisst darüber aber, dass es letzten Endes und vor allem vorrangig ein Mechanismus der Natur zur Erhaltung der Spezies Mensch ist. Homosexuelle, die in heterosexuelle Ehen gedrängt werden, werden unfreiwillig zu Knüppeln zwischen den Beinen der Gesellschaft, weil sie so weder zur Spezieserhaltung beitragen noch andere Aufgaben erfüllen können, welche die heterosexuellen Paare entlasten, so dass diese sich der Aufgabe der Spezieserhaltung widmen können. Was sich hinter den Schlafzimmertüren abspielt, geht keinen was an. Aber was die Zusammenhänge anbetrifft, ist vollkommene Offenheit unabdingbar. Wir müssen wissen, wer für welche Aufgabe zur Verfügung steht. Es liegt also im Interesse aller, Homosexuellen das Coming Out so leicht wie möglich machen. Nur mit vollständiger Information kann unsere Gesellschaft funktionieren und unsere Spezies erhalten werden.

Spannende These, zu der ich auch nach 27 Jahren noch keine abschließende Antwort für mich gefunden habe. Provokant ist sie auf jeden Fall, ganz besonders, wenn man sie in Zusammenhang mit dem sieht, was gerade in Großbritannien geschehen ist – dort dürfen seit diesem Wochenende Homosexuelle heiraten. Also… richtig heiraten. So mit allem Drum und Dran. Eine echte Ehe. Ohne „Ja, aber…“ – kein ein halbherziges Mehr Pflichten als Rechte und daher weiterhin diskriminierend wie im Mittelalter-Gesetzesgefüge, wie es uns die deutsche Rechtsprechung in ihrer scheinbar unüberwindbaren Gestrigkeit zugesteht.

Ist da auf der Insel tatsächlich das Wunder (zu dem sich auch Hans-Georg Gedanken gemacht hat) geschehen, gesetzliche Rechte und Pflichten (ob man hier der moralischen These von Frau Brown zustimmen kann und will, sei jedem selbst überlassen) wirklich ausgeglichen unter einen Hut zu bringen? Ich glaube, ja. Man muss jetzt wirklich ganz genau überlegen, ob man Großbritannien wirklich noch als das eigenbrödlerische und manchmal hinterwäldlerisch denkende Land belächeln darf, wie man es sonst gerne tut.

„Wenn die Liebe von Menhschen durch das Gesetz entzweit wird, dann ist es das Gesetz, das geändert werden muss“, sagte David Cameron. Grüße nach Berlin – ich glaube, ihr seid mit diesem Wochenende noch weiter zurückgefallen, was Menschenrechte betrifft, als es ohnehin schon der Fall ist…

Und ehe ich es vergesse – meine allerherzlichsten Glückwünsche an alle frischgebackenen Ehepaare in merry old England!

Engelsaugen

Mit einer Schellacksingle von Marilyn Monroe hat der musikalische Wochenausklang begonnen, danach bin ich aber doch auf digitale Medien umgestiegen – Smartphone an die Stereoanlage angeschlossen und Play in der Musik-App gedrückt. Zugegeben, das hatte nicht mal 1/10 der Atmosphäre, die ich bei Schallplatten so schätze, aber andererseits wollte ich nicht alle Nase lang mein Lesen unterbrechen, vom Sofa aufstehen und die Platte umdrehen bzw. wechseln.

So dudelte sich der Zufallsgenerator durch die Sammlung, gedämpfte Lautstärke hielt die Musikuntermalung unaufdringlich. Nur bei einem Lied hörte ich etwas näher zu. Eine schon ältere Aufnahme von John Grant, zusammen mit seiner alten Gruppe The Czars eingespielt. Eine Coverversion des Songs Angeleyes (bei YouTube zu finden), ursprünglich von ABBA. Eigentlich trifft der Begriff Coverversion es nicht richtig. Es ist vielmehr eine komplette Neuauslegung des Songs und seines Inhalts.

ABBA kommt mit schnellrhythmischen, helltönigen Disco-Elementen daher als Metapher für die Verdrängung des Schmerzes, den die Enttäuschung über den untreuen Ex gebracht hat. Darüber hinaus symbolisieren sie vielleicht auch ein wenig Rache ist süß, denn der Text richtet sich ja nicht an ihn, sondern an die Neue an seiner Seite, die davor gewarnt wird, worauf sie sich einlässt. Die Geschichte wird dann nach erfolgreicher Aktion der besten Freundin erzählt.

Ganz anders The Czars. Die Instrumentierung ist minimalistisch und rein akustisch arrangiert, das Tempo langsam, und John Grant singt mit einer tiefen Melancholie, welche die eigentliche Traurigkeit der Story und des Textes deutlich, aber nicht theatralisch betont.

ABBA geht sozusagen in die Disco und tanzt sich den Schmerz aus dem Leib, John Grant hingegen sitzt am Tresen seiner Stammbar, ist nicht mehr ganz nüchtern, und erzählt seine Geschichte dem Barmann. Wahrscheinlich ist es sogar eine Gay Bar, denn der für Agnetha und Anni-Frid geschriebene Text bleibt unverändert, so dass John Grant von einem Mann erzählt, der seinen Mann verloren hat. Eine Facette, welche die Czars-Version noch eindringlicher macht.

Schon spannend, dass ein und derselbe Song so verschiedene Stimmungen transportieren kann.

Auftakt

MonroeDen dünnen Papierumschlag von allen Seiten betrachten. Die Werbung lesen.

Darin eine schwarze, runde Scheibe aus Schellack. Vorsichtig rausziehen und in die Hand nehmen. Ins Licht halten, das sich bricht in etwas, das wie tausend mikroskopisch kleine Schluchten wirkt, in Wahrheit aber nur eine einzige spiralförmige Rille ist.

Die schwarze Scheibe auf den Plattenteller legen.

Den Spieler in Gang setzen. Die Platte beginnt, bei 78 Umdrehungen pro Minute zu rotieren.

Den Tonarm vorsichtig auflegen.

Statisches Knistern.

Dann endlich die Klänge, auf die man sich gefreut hat.

Schöner kann man dem Wochenende kaum seinen Auftakt geben: Musik nicht einfach konsumieren, sondern zelebrieren.

Unterschätzt

The Golden Girls, Episode 108: Dancing in the Dark. Rose hat sich in einen Mann verguckt, der sich zu ihrem Entsetzen als Collegeprofessor entpuppt. Auf einer Party bei ihm kommt folgende Frage auf: „Wenn Sie zwei beliebige Menschen, egal ob lebendig oder tot, bei sich zum Abendessen einladen könnten – wen würden Sie fragen?“

Die ganzen brillanten Köpfe werfen mit beeindruckenden Namen wie Winston Churchill um sich. Als Rose gefragt wird, antwortet sie: „Nur zwei? Oh, ich würde mich schuldig fühlen, wenn meine besten Freundinnen Dorothy und Blanche nicht dabei sein könnten.  Aber wäre es okay, wenn Jesus zum Nachtisch vorbeischaut?“

Sich nicht von prominenten Namen blenden lassen, die richtigen Prioritäten setzen, den wirklich wichtigen Leuten gegenüber loyal sein… Wer behauptet eigentlich immer, Rose sei das Dummchen? Eigentlich ist sie die Klügste von allen.

Indiebookday

Morgen ist Sonnabend, und für die meisten wird es ein ganz normaler Sonnabend sein mit allem, was sie sonst so am Sonnabend anstellen. Wahrscheinlich gehört auch ein ausgedehnter Einkaufsbummel dazu, sei es virtuell am datenverarbeitenden Endgerät des Vertrauens, sei es „live“ in der Fußgänerzone der Wahl.

Ein Vorschlag an die Leser des Wortgepüttscher – und gleichzeitig eine Bitte: Gebt diesem Einkauf an diesem Sonnabend (Samstag), den 22. März 2014 doch eine besondere Note, in dem ihr der Veranstaltung des Indiebookday etwas Beachtung schenkt. Mit diesem Tag soll die Aufmerksamkeit für den Literaturbetrieb im Bereich Independent gestärkt werden, also für jene unabhängigen Autoren und Verlage, hinter denen nicht die geballte Marktmacht von Großkonzernen steht, in denen Controller und sonstige Finanzjongleure den Ton angeben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANatürlich wollen auch wir Indie-Autoren und unsere Verlage unsere Werke verkaufen, dennoch steht bei uns die Leidenschaft für das geschriebene Wort im absoluten Vordergrund, nicht die BWL. Wir brennen für das, was wir tun, und es beflügelt uns, wenn sich andere von diesem besonderen Feuer mitreißen lassen. Leider werden wir oft von einem rein pekuniär agierenden System überrannt, und welche unschönen Folgen das auch für euch als Lesefreunde oder auch die Freunde anderer Kunst haben kann, hat der Stilpirat in wunderbare Worte gefasst.

Darum die Bitte: Nehmt am Indiebookday teil – in vielen Buchhandlungen gibt es längst eigene Ecken; die Online-Händler haben „Indie“ (oder auch „Independent“) in ihre Suchfilter eingebaut. Lasst euch beraten, stöbert nach Lust und Laune. Überschüttet das Indiebook-Segment mit eurer Aufmerksamkeit und seid neugierig auf das, was die Literatur abseits der Modeströmungen zu bieten hat. Und dann lasst es alle wissen, z. B. so, wie es die Buchstabenfängerin vorschlägt. In den Social Networks findet ihr unter dem Hashtag #indiebookday ganz viel zum Thema.

Indie-Literatur bietet für jeden etwas – ob nun bspw. humoristische Belletristik, wie ich sie mit meinen eigenen Büchern schreibe, Krimis, Fantasy oder etwa auch ein Drama aus den schottischen Highlands, wie es Stefan Radoi mit „Susannah“ erzählt. Es gibt keine Limits.

Gebt Indie eine Chance, lasst euch in andere Lesewelten entführen. Es lohnt sich.