Lecker Fresschen

Alsatian„As Jung vun’t Dörp“ (Als Junge aus dem Dorf), der quasi im Vorort vom Vorort einer Großstadt aufgewachsen ist, wundere ich mich ein bisschen über „düssen niemoodschen Krom“ (diesen neumodischen Kram), der inwzischen bei der Ernährung von Hunden veranstaltet wird. Ich traute meinen Ohren kaum, als ich heute auf dem Mittwochsmarkt mitbekam, wie sich zwei typische Latte Macchiato-Muttis darüber austauschten, was sie ihren Vierbeinern so vorsetzen.

Dass man inzwischen den Weg vom Dosenfutter wieder zurück zu selbst zusammengestelltem Futter aus Fleisch und Gemüse findet, ist an sich nicht schlecht – „da weiß man wenigstens, was drin ist“. Aber was wird da nicht alles für’n Umstand mit getrieben?! Da werden Pülverchen, Öle, Kräutermischungen und sonstige Dinge aus dem Reformhaus (!) eingerührt, als gelte es, Miraculix beim Brauen von Zaubertrank schärfste Konkurrenz zu machen.

Bei uns wurden (bzw. werden in den alten Familien auch heute noch) die Hunde stets mit dem gefüttert, was bei den Menschen abfiel. Das war natürlich Fleisch, und zwar roh und schier, so wie’s am Schlachttag vom Tier geschnitten worden war. Schließlich hatten die frei lebenden Vorfahren unserer karnivoren Hausfreunde auch keine Campingkocher und Beutelchen mit Himalayasalz im Jagdgepäck.

Dazu gab’s das, was der Speiseplan sonst noch vorsah – z. B. Blumenkohl mit Kartoffeln (ob roh, gekocht oder Mix aus beidem wurde individuell gehandhabt; die Hunde hatten da ihre eigenen Präferenzen und ein gehöriges Wuff mitzubellen). Gewiss – es wurde darauf geachtet, dass sie in der Tat nicht übermäßig mit Salz und Pfeffer in Berührung kamen, aber ansonsten war da kaum ein Unterschied. Bei uns gab es Hunde, die für Sauerkraut jeden Hühnerhals liegengelassen hätten! Dabei sind sie samt und sonders älter geworden als diejenigen, die mit „spezieller Hundenahrung“ aus dem Supermarkt oder Tierbedarf abgefüttert wurden. PAL stand (wenn man technisch überhaupt so bewandert war) für die Farbfernsehnorm, aber garantiert nicht für das, was Waldo und Harras in den Napf bekamen. Den Veterinär haben die Hunde nur zu Verabreichung der jährlichen Impfungen zu sehen bekommen; ansonsten war ihnen diese Person unbekannt.

Zugegeben: Natürlich ist das alles nicht wissenschaftlich belegt, sondern eher ländliche Folklore. Trotzdem war ich nicht wirklich überrascht, als die „wegen der gesunden Luft“ aus der Stadt hergezogene Karriere-Familie ganz erstaunt war, weil ihr reinrassiger, streng nach der neusten Futtermode ernährter und ständig kränkelnder Schäferhund nur 9 Jahre alt geworden ist, während der ebenfalls reinrassige Schäferhund mit Familienspeiseplananschluss auf dem Hof meines Onkels es auf stolze, kerngesunde vierzehn Jahre gebracht hat. Wahrscheinlich wäre er (der Hund natürlich, nicht der Onkel) noch älter geworden, hätte er sich mit seinem Ruhestand abgefunden. Aber wie die alten Knacker so sind, musste er dem neuen Junghund auf dem Hof unbedingt zeigen, wo der Hammer hängt, und hat dabei einen heftigen Tritt von einer Kuh vor den Latz bekommen, die sich von ihm partout nicht in den Stall treiben lassen wollte. Falsche Ernährung hat ihm also nicht das Genick gebrochen, sondern purer Altersstarrsinn.

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8 Antworten auf “Lecker Fresschen”

  1. Reine Geschäftemacherei, wie bei uns Menschen auch. Da wird uns doch laufend vorgegaukelt, wir bräuchten „Nahrungsergänzungsmittel“. Wer sich vernünftig ernährt, braucht den Quatsch nicht. Wer sich aber ständig an irgendeiner Diät versucht und aus dem Schlankeitswahn heraus auf dies und das und jenes verzichtet, muss sich wohl irgendwelche Pillen und Pulver hinter die Binde kippen.
    Ich halte mit der Kartoffeldiät: Ich darf alles essen – nur keine Kartoffeln.

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  2. Also… das mit dem ‚Umständen, die da betrieben werden‘ kann ich nur bedingt bestätigen…
    Wir B.A.R.F.en ja jetzt seit ein paar Monaten und ja – es ist hin und wieder ein bisserl aufwendig, wenn man es mit der Fütterung von Sackfutter vergleicht.
    Du siehst den Punkt ja schon richtig: „Da weiß man, was drin ist“. Genau deshalb haben wir es gemacht und – zweiter, wichtiger Punkt: Ike (einer von unseren beiden ‚Mäusen‘ ist Atopiker, was in Richtung Allergiker geht und viel mit der Fütterung zusammenhängt.
    Seit wir umgestellt haben, zeigen sich viel weniger allergische Reaktionen. Und das allein macht den Mehraufwand schon wett.
    Außerdem – kleines delikates Detail am Rande:
    Wir waren sehr erstaunt, wie gut die beiden ihre neue Nahrung verarbeiten können… die Häufchen sind bei gleicher Fütterungsmenge nur ein Drittel so groß. *Ähäm*… sorry, aber dieses Detail ist nicht unerheblich: Man stelle sich nur die vielen ‚Füllstoffe‘ vor, die in der industriellen Nahrung beigemischt sind.

    Grundsätzlich gebe ich Dir aber recht: Es wird manchmal aus modischen Gründen viel zu viel Tam-Tam gemacht um die Ernährung von unseren Viecherln.
    Aber in gewissen Punkten hat sie auch ihre Berechtigung – man sollte sie aber nicht als modisches „Tam-Tam“ sehen (wie wir noch vor einem Jahr…), sondern als sinnvolle Zusammenstellung ohne Abhängigkeit von der Futtermittelindustrie.

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    1. Nochmal zum Verständnis: Das Füttern mit eigenen Zusammenstellungen, „damit man weiß, was drin ist“, und sich gegenüber der Futtermittelindustrie zu verweigern finde ich hoch sinnvoll. Nur diese Zusatzversorgung mit Ölen und Pülverchen aus dem Reformhaus oder Bioladen halte ich für over the top. Ein ganz normaler Einkauf auf dem Wochenmarkt bei den Bauern, die man samt der Qualität ihrer Produkte kennt, tut’s auch.

      Ansonsten, und dies bitte, bitte mit einem Augenzwinkern lesen: Ich glaube, dass sowohl die Hunde von meinem Onkel als auch mein eigener selig weiterhin froh darüber wären, Hunde vom Lande gewesen zu sein und keine Stadthunde, einfach deswegen, weil ihnen niemand auf den Fersen war, der sich Gedanken über die Beschaffenheit ihrer „Schiethopens“ gemacht hat. 😉

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