Back to mono

ITT, gesprochen Ih-Te-Te.

Erinnern sich die Leser meiner Generation Bazooka-Kaugummi noch an diesen Hersteller von Radios, Fernsehern und so weiter?

Etwa 1981 habe ich ein Kofferradio dieser Marke, Modell Golf Europa, von meiner Großmutter väterlicherseits geschenkt bekommen. Es war das einzige Radio im Haus, mit dem man in dem dörflichen Vorort des Vororts unserer Stadt das damalige Radio Luxemburg mit Kultsendungen wie Mahlzeit mit Jochen Pützenbacher, Viva mit Helga Guitton und Liederlotto mit Biggi Lechtermann empfangen konnte. Natürlich war es ein Monogerät mit nur einem Lautsprecher, was den ohnehin schon dürftigen Klang von Sendern, die nur über Mittelwelle empfangen zu waren, nicht gerade verbesserte. Denn da waren ja auch noch die atmosphärischen Störungen im Empfang.

Außerdem hörte man seine Musik über Schallplatten, die irgendwann wie verrückt knisterten oder gar Sprünge hatten, und Kassetten, welche  ebenfalls nach einiger Zeit merklich an Wohlklang verloren.

Dann kamen ab Mitte der 1980er die CDs und wir wurden allmählich soooooo verwöhnt. Kein Soundverlust mehr, alles kristallklar ohne irgendwann dumpf zu werden oder zu knistern, knacken und rauschen. Auch das Radio wurde besser, viele Sender schwenkten von Mittelwelle auf UKW um, bis irgendwann alles digital war. Und natürlich stereo, weil alle Geräte zwei Lautsprecher hatten. Mono war nahezu ausgestorben.

Schnelles Vorspulen ins Jahr 2014: In der Öffentlichkeit begegnen einem Menschen, die Musik über die schmalen Lautsprecherschlitze ihres Mobiltelefons abspielen. Oder über spezielle Player mit nur einer einzigen Box. Das einzige, was dabei noch an die technische Entwicklung in der Musik erinnert, ist die Soundklarheit der Musikdatei an sich, was aber durch die Geräte an sich schon wieder sabotiert wird. Kristallklarer Sound? Blechern (und bei schlechter Geräteverabeitung auch dröhnend-vibrierend) trifft es eher. Stereo? Fehlanzeige, gibt ja nur einen „Lautsprecher“.

Also ehrlich, da hätten wir auch bei Mittelwelle und ITT, Modell Golf Europa bleiben können…!

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4 Antworten auf “Back to mono”

  1. Hihi. Mein Radio ist aus der Nachkriegszeit. Mono, logisch. Und es dröhnt bisweilen, aber ich mag diesen dumpfen Klang. Leider ist gerade eine Sicherung (ich hoffe, dass es nur daran liegt) durchgebrannt. Es rauscht nur noch. Bisher bin ich noch nicht auf die Idee gekommen, übers Handy Musik zu hören, und es wird auch nicht passieren. Man muss ja nicht alles mitmachen.

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    1. Bei gewisser Musik halte ich Mono ohnehin für die bessere Abmischungsvariante. Der Sound klingt einfach besser und satter.

      Für viele Songs der späten 50er und frühen 60er halte ich Stereo für echtes Gift. Zum Beispiel bei Phil Spectors Wall of Sound-Produktionen mit Songs wie Be My Baby für The Ronettes. Oder auch bei seinem deutsch-österreichischen Gegenpart Werner Scharfenberger. Dessen Komposition Barcarole in der Nacht für Connie Francis kommt nur im Mono-Mix so so richtig schön wuchtig mit ihrem großen Orchester und dem kraftvollen Chor rüber. Anderes Beispiel ist Petula Clarks My Love im englischen Original sowie den von ihr selbst gesungenen Coverversionen Verzeih die dummen Tränen sowie L’amore e il vento und Mon amour. Sie mag diesen Platz-1-Hit in allen vier Sprachen zwar nach 48 Jahren immer noch hassen wie die Pest, aber das ändert nichts daran, wie genial die Orchestrierung im Mono-Mix klingt.

      Ich habe alle Beispiele auch in ihren Stereo-Mischungen für LPs gehört und fand sie da einfach nur flach, langweilig und nichtssagend.

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  2. Musik aus dem Handylautsprecher…geht ja *gaaar* nicht! Wir lieben es zwar, via Blauzahn unsere Boxen mit stimmungsvoller Musik zu füttern, aber wenn wir die mal vergessen haben sollten, ist eben angenehme Stille angesagt. 😉
    Aus dem Handy wird das nie funktionieren, denn wie soll auch so ein kleiner Resonanzkörper satten Klang, tiefen Bass und glarkkare Hochtöne produzieren können? Da spielt nun mal die Physik nicht mit. 😉

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