Robin Williams – und was danach kam

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Tod von Robin Williams hat ein Tabuthema wieder etwas mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt: Depressionen.

Wie schon erwähnt, gibt es in meinem Umfeld mehrere Menschen, die daran erkrankt sind. Ebenso gibt es hier im Wortgepüttscher Leser, denen das Thema nicht fremd ist, wie auch die Kommentare zu meinem Eintrag von vorgestern zeigen. Diesen Lesern und Mitbloggern spreche ich ganz herzlichen Dank aus, dass sie sich für alle anderen lesbar geäußert haben.

Der Großteil der Reaktionen zeigte sich jedoch in nicht-öffentlichen Privatnachrichten. Natürlich werde ich jetzt nicht das Vertrauen dieser Menschen enttäuschen und den Inhalt ihrer Nachrichten an mich schildern. Aber ganz allgemein: Ist es nicht traurig, dass nicht mal die Möglichkeit hier bei WordPress, sich mit einem Pseudonym an Kommentarthreads zu beteiligen, ausreichend anonym genug ist, um Menschen zum Thema sprechen zu lassen?

Ich könnte jetzt ein Plädoyer für die Erkrankten halten. Die Symptome erklären, auf den Wikipedia-Artikel verweisen, dazu raten, sich mal mit einem Betroffenen zu unterhalten, und noch tausend andere Dinge tun in dem Versuch, die Realität und Schwere dieser Krankheit zu verdeutlichen. Doch sofort frage ich mich, ob das überhaupt Sinn machen würde. Denn offenbar reicht nicht mal ein so prominentes Beispiel wie Robin Williams aus, um vielen Nicht-Betroffenen klarzumachen, wie schwerwiegend diese Krankheit ist, die einem die Kommandohoheit über die eigene Willenskraft nimmt. Denn selbst zu Robin Williams konnte ich Kommentare lesen wie „Der hatte doch alles – warum hat der sich so angestellt?“

Manchmal kann man gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte, um mit Max Liebermann zu sprechen. Was muss noch passieren, damit unsere Umwelt aufhört, diese ernste Krankheit mit so fiesen Stigmata zu belegen wie „Der stellt sich nur an“ oder „Die simuliert doch nur“ oder „Kann ich nicht heißt Will ich nicht“ oder „Reiß dich zusammen“?

Das macht so verdammt hilflos und wütend. Als Kranker oder Angehöriger eines Kranken (denn die werden genauso in – ich benutze das Wort bewusst wiederholt – Geiselhaft genommen) ist man genügend damit beschäftigt, einen Don Quixote-Kampf gegen einen unsichtbaren Feind auszufechten. Die Sabotage der Ignoranten von außen trägt nicht gerade zum Gesundungsprozess bei.

Wenn man eine Krankheit nicht sehen kann wie den Haarausfall bei Chemotherapie oder den Gips bei einem gebrochenen Bein, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht existiert.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Menschen das erst lernen, wenn sie selbst davon betroffen sind.

Aber das wünscht man keinem.

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