Altjahrsabend 2014

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Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leserinnen und Leser des Wortgepüttscher,

das Jahr 2014 ist in wenigen Stunden endgültig Geschichte. Um mich für ein spannendes 2014 zu bedanken, möchte ich gar nicht so unbedingt in die vielen salbungsvollen Reden einstimmen, sondern Ihnen und euch einfach nur meine neue Kurzgeschichte Finderlohn – natürlich mit Bezug zum tagesaktuellen Anlass – ans Herz legen, die -> hier zu lesen ist.

Guten Rutsch und alles Gute für 2015!

Doggie Bag

20141229-1So, die Feiertage liegen hinter uns, nun wird’s Zeit für das Gejammer über das erhöhte Eigengewicht. Oder vielleicht auch nicht?

Über die Jahre hinweg habe ich nämlich gemerkt, dass der eigentliche Übeltäter nicht im opulenten Weihnachtsmahl an sich liegt, sondern im Resteessen. Denn wie schön ist es doch, am Morgen nach einem Festgelage noch ziemlich verwuschelt und in den Schlafplünnen in die Küche zu tapsen, sich z. B. ein Stück kalte Pizza vom Blech zu nehmen und sich dann im Wohnzimmer aufs Sofa zu lümmeln, um an diesem Tag einfach mal nix zu tun.

Mit zunehmendem Alter wird man jedoch weiser (klingt besser als „pingeliger wegen dem, was die Waage anzeigt“). Ich meine, den Brauch, Reste großzügig unter den Gästen zu verteilen, haben schon unsere Eltern und Großeltern praktiziert. Wozu ist schließlich die Tupperdose erfunden worden? Aber einen gewissen Rest vom Rest hat man immer noch für sich behalten. Nicht, weil man’s wirklich bräuchte. Die Vorratskammer hat sich schließlich nicht über Nacht auf wundersame Weise von selbst geleert. Nein, einfach weil es so gut schmeckt, weil es so kommodig auf dem Sofa ist und weil so bequem ist, am nächsten Tag nicht kochen zu müssen. Was man im übrigen doch tut, denn die Pizza, die man American Style zum Frühstück verzehrt hat, ist ja mittags nicht mehr da.

Und dann wundert man sich, warum man zugenommen hat.

Genau deswegen sind mein Mann und ich dazu übergegangen, gar keine Reste mehr zurückzubehalten, sondern alles als großzügige Gabe an die aufbrechenden Gäste zu spenden: „Nimm ruhig noch etwas mehr von dem Kartoffelsalat mit, Tante Agathe. Im Kühlschrank hält der sich doch, dann brauchst du auch übermorgen nicht kochen. Und vielleicht sechs statt nur vier Würstchen?“ Ehe Tante Agathe protestieren kann, landet auch noch ein Teller mit drei Stücken Kuchen von der Kaffeetafel und ein großzügig bestücktes Tütchen mit Weihnachtskeksen in der bereits gut gefüllten Tasche.

Jetzt muss man nur noch die Spülmaschine mit dem leeren Geschirr füllen – und fertig.

Gut, man muss sich später von den anderen anhören, wie sehr diese über die Feiertage zugenommen haben, aber das nimmt man gerne in Kauf, wenn die eigene Waage keine Anstalten macht, ein höheres Gewicht anzuzeigen.

Es lebe das Doggie Bag!

Ein fröhliches kleines Weihnachten

20141223-1In weniger als vierundzwanzig Stunden ist es soweit. Dann hat die Dauerrotation von weihnachtlich nuancierten CDs (die älteren Leser werden sich an diese Schallplatte für das Lasergrammophon, den Vorläufer der mp3, gewiss noch erinnern) in den heimischen Abspielgeräten ihren Höhepunkt erreicht.

Nun ist deutschsprachiges Liedgut zur Saison nicht wirklich meins. Die meisten Lieder hören sich für mich entweder an, als sollte die Beerdigung und nicht die Geburt des Religionsstifters (danke, Jochen Malmsheimer, für dieses Bonmot) gefeiert werden, oder sie passen besser zum Karneval. Ich glaube, ich erwähnte schon einmal, fest davon überzeugt zu sein, dass Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätääää bei der übermäßigen Einnahme von Alkohol oder sonstigen Drogen entstanden sein muss.

Man kann dem angelsächsischen Sprachraum nachsagen, was man will – aber Weihnachtslieder, vor allem die weltlich gefärbten, können die richtig gut. The Christmas Song oder I’ll Be Home for Christmas etwa. Wunderschöne Songs mit genau der richtigen Mischung aus Besinnlichkeit und Kitsch.

Ein Lied liebe ich ganz besonders: Have Yourself a Merry Little Christmas – Bereite dir selbst eine fröhliche kleine Weihnacht. Wahrscheinlich, weil es in meinen Ohren am nächsten an den Menschen dran ist. Es erzählt davon, dass man sich selbst ein hübsches kleines Weihnachtsfest bereiten soll, für diese Zeit sind alles Sorgen mal ganz weit weg.

Bei den Zeilen, in denen es grob übersetzt heißt Eines Tages sind wir alle wieder zusammen / Wenn’s das Schicksal erlaubt / Und bis dahin müssen wir uns irgendwie durchpusseln drehen bei mir meist die beiden Fontänen rechts und links des Gesichtserkers auf Wasser marsch. Dieses irgendwie durchpusseln… So prosaisch das klingt, aber darin liegt für mich die Essenz des weltlichen Weihnachtens.

Ihr Lieben da draußen: Erlaubt die kleinen Pannen nicht nur, sondern genießt sie. Denkt an die Zeit zurück, als es noch keine Navis in den Autos gab, und wenn man sich auf einer ziellosen Sonntagsfahrt ins Blaue mal so richtig verfahren hat, lag der größte Spaß doch darin, irgendwie den verflixten Weg zurück nach Hause zu finden. Man kam Stunden später an als geplant, war aber fröhlich und entspannt.

Und dann erlaubt, dass euer Weihnachten genau so ist. Pusselt euch lieber durch und habt Spaß dabei statt nach Perfektion zu streben. Und wenn Mutti dieses Jahr lieber Würstchen und Kartoffelsalat auf den Tisch bringen will statt des üblichen Fünf-Gänge-Menüs… Lasst sie! Damit macht ihr ihr wahrscheinlich eine größere Freude als mit jedem Teil, das ihr in einem Konsumtempel kaufen könnt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden und Lesern des Wortgepüttscher a merry little Christmas!

Tick-tack

Eigentlich wollte ich heute von der widerlichen Frechheit schreiben, die in der nonchalanten Gleichgültigkeit liegt, welche die Fußballwelt ihren straffällig gewordenen Prominenten angedeihen lässt. Aber der Stundenschlag der altmodischen Uhr in unserer Küche hat mich daran erinnert, dass es Zeitverschwendung ist, sich dem Thema Fußball überhaupt zu widmen. Es hat mir auch gezeigt, wie sehr man sich an ein Geräusch gewöhnen kann.

Es passiert nämlich nicht oft, dass ich den Gongschlag bewusst wahrnehme. Ganz anders als damals, als mein Mann das Ding, ein Erbstück von seinem Großvater, mit nach Hause gebracht hat. Da hatte ich das Gefühl, uns wäre das Läutwerk von Big Ben in die Küche montiert worden. Nicht so groß, aber so laut. Dabei hat das Ding nur einen ganz normalen Gong, keinen Westminsterschlag!

Ich übertrieb, wie so oft… Schon nach einer Woche gehörte die Uhr genauso zu unseren Haushaltsgeräuschen wie das Zischen der Kaffeemaschine. Es war ja auch nicht so, als hätte ich nicht schon meine Erfahrungen mit Uhren in diesem Haushalt gehabt. Als ich meinen heutigen Mann kennenlernte und das erste Mal auf „Hausbesuch“ war, fiel mir die unheimliche Fülle an Uhren auf. Er sammelte damals nämlich Uhren, alleine im Wohnzimmer hingen mindestens sechs Stück. UND ALLE LIEFEN!

Nix da mit einem gemütlichen tick-tack-tick-tack… Das ging tick-töck-teck-täck-tück-tock-tuck-tick-töck wie bei einem manischen Kolibri mit Herzrhythmusstörungen. Unmöglich, bei einem solchen Radau sich mal ein kleines Sonntagnachmittagsschläfchen zu gönnen.

Doch auch dieses Geräusch hörte ich irgendwann nicht mehr. Es fehlte mir sogar, als im Rahmen einer Renovierung fast alle Uhren wegkamen. Denn man gewöhnt sich – wie gesagt – an alles.

Nur an eins konnte ich mich nie gewöhnen. An seinen Radiowecker. So ein ganz normales Teil mit rotem Display nebst Radio. Und einer elektronischen Weckfunktion. Einer lauten elektronischen Weckfunktion. Einer SEHR lauten elektronischen Weckfunktion. Einer SEHR, SEHR, SEHR LAUTEN ELEKTRONISCHEN WECKFUNKTION, DIE IRGENDEIN UNMUSIKALISCHER SPINNER MIT DER AUF SO EINER BEKLOPPTEN SCH*** BONTEMPI-ORGEL EINGESPIELTEN VARIATION EINES KLASSISCHEN MUSIKSTÜCKS GEFÜTTERT HATTE!!!

Das Stück mag zwar Für Elise gewesen sein, aber es war gegen eine humane Weise morgens geweckt zu werden. Und darum ist er mir eines Tages beim Putzen… ähem… hüstel… „versehentlich“ runtergefallen.

Oma, ihr Garten und die letzte Buddel Rotwein

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Der heutige Blogeintrag ist anders als das, was ich sonst schreibe. Manche Dinge, habe ich gemerkt, kann man im Hochdeutschen gar nicht so ausdrücken, wie man es gerne möchte. Dazu ist es zu steif, zu unlebendig und zu wenig ausdrucksstark. Weiterlesen

Throwback Thursday – Persönliches 2014

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Es menschelt!

Heute gibt’s meine ganz persönlichen Highlights 2014 live aus dem Leben, nachdem die vergangenen drei der insgesamt vier Throwback Thursdays im Advent sich um die Weiterlesen

Applausapplausapplaus

20141216-2Der lokale Weihnachtsmarkt mit dem größten Weihnachtsbaum hässlichsten Adventgesteck der Welt ist inzwischen eine kleine Berühmtheit. Aus fast aller Welt kommen Menschen, die sich das Ding anschauen wollen. Briten, Luxemburgern, Portugiesen, sogar diversen asiatischen Besuchern kann man hier begegnen.

Heute musste ich für ein paar Besorgungen in die Geschäfte, die zum Glück an der Peripherie des überfüllten und selbst gefestigte Menschen in die Klaustrophie treibenden Massenauftriebs liegen. Dabei kam ich an einem der Großparkplätze vorbei, wo gerade ein weiterer Reisebus ankam. Er trug ein deutsches Kennzeichen und kam aus Ahaus. Er war wohl kurz auf die andere Seite der ehemaligen Grenze gefahren, um interessierte Besucher aus dem nahegelegenen Enschede oder Winterswijk abzuholen.

Auf jeden Fall waren es Niederländer, denn als der erste der Reisegruppe aussteigen wollte, blieb er auf den Treppenstufen bei der Tür abrupt stehen und rief: „Stop! We moeten klappen!“ (Halt! Wir müssen klatschen), wobei er sich mit anerkennendem Blick zum Fahrer umdrehte.

Sein Hintermann klopfte ihm beruhigend auf die Schulter: „Nee, de Duitsen doen dat alleen in een Vliegteug.“ (Nee, das machen die Deutschen nur im Flugzeug)

Ich liebe die Niederländer!!!

Aberglaube gesucht

Es gibt da ja regionale Unterschiede zu diesem Thema, u. a. ist mir bekannt:

  •  Singt man vor dem eigentlichen Weihnachtsfest Weihnachtslieder, stirbt jemand aus der Familie
  • Zerbricht man einen Spiegel, gibt das sieben Jahre Unglück
  • Ein Schauspieler darf sich für „Toi, toi, toi“ nicht bedanken, sonst geht die Vorstellung schief.

Gibt es auch zufällig ein Unglück, das ich nur damit verhindern kann, wenn ich nicht mehr vor Weihnachten die Fenster putze?

Revierkämpfe

Da sie sich scheinbar besonders in Österreich großer Beliebtheit erfreuen, wie der Grünkohl-Montag gezeigt hat, zum Wochenausklang nochmal eine kleine Anekdote aus meinem wildbewegten Ehe- und Küchenleben:

Seit gut zwei Jahren gehen mein Mann und ich getrennte Wege. Also, kulinarisch, meine ich. Seit 2012 bin ich Vegetarier. Anfang des vorletzten Sommers waren mein Mann und ich spazieren. Wir hatten Lust auf ein Eis. Was macht man im Ruhrpott, wenn keine Eisdiele in der Nähe ist? Man geht zum nächsten „Büdchen“ und kauft sich ein Industrieeis. Nachdem ich binnen zehn Minuten drei verschiedene Sorten Eis jeweils nach dem ersten Bissen weggeworfen hatte, weil ich das Gefühl hatte, nur in schieres Fett und schieren Zucker zu beißen und nicht in etwas, das angeblich auch nach Erdbeer oder Mandel schmecken sollte, habe ich künftig generell die Finger von solchem Zeug gelassen.

Nach und nach schien sich mein Geschmack radikal zu verändern. Dinge mit Raffinadezucker, wie etwa Limonaden oder Süßigkeiten, schmeckten mir immer weniger, ich stieg auf selbstgebrühte, ungesüßte Tees, Mineralwasser und Obst um.

Auch die Lust auf den Geschmack von Fleisch kam mir immer mehr abhanden. Sätze wie „Bring heute vom Schlachter nur ein Kotelett für dich mit, ich will keins. Bring mir lieber alles für ’nen frischen Salat mit“ häuften sich, wenn mein Mann und ich das Mittagessen planten. Bis der Tag gekommen war, an dem ich ganz aufhörte, Fleisch(produkte) zu essen. Kein Schnitzel mehr, kein Gulasch mehr, keine Salami aufs Brot mehr, kein Stück Fleischwurst „aus der Hand“ mehr. Einfach, weil es mir nicht mehr schmeckte.

Es war also keine Gewissensentscheidung. Als Jung vun’t Dörp bin ich mit Nutzviehhaltung aufgewachsen. Der Sau Berta heute noch den Rücken zu kratzen und morgen aus ihrem Blut den berüchtigten Swattsuuer (Schwarzsauer) zu kochen ist für mich normal und okay. Es gibt nun mal Lebewesen, die andere Lebewesen zur Ernährung nutzen. Löwen fressen Gnus, Ameisen melken Blattläuse, Kuckucksvögel lassen andere Vögel ihren Nachwuchs durchfüttern, Menschen futtern Schweine und Kühe. Mother Nature’s Plan, Fact of Life.

Natürlich stimmt bei uns was nicht, wie es dazu kommt, dass Tiere und Tierprodukte bei uns auf dem Teller landen, da ist Mother Nature’s Plan gehörig aus dem Takt gekommen, aber das soll heute nicht das Thema sein. Sonst wird der Artikel einfach zu lang. Kurzum: Ich habe kein Problem mit Nutztierhaltung, solange sie vernünftig geschieht. Mein Vegetarierdasein beruht ausschließlich auf geschmacklichen Erwägungen.

Missionarischen Eifer sucht man daher bei mir vergebens. Jeder soll seine eigene Entscheidung treffen, was und wie er essen möchte. Es ist okay, andere höflich zu informieren, wenn man gefragt wird. Aber dieses ungefragt über Andere bestimmen oder sie beeinflussen zu wollen geht mir selber gehörig auf den Geist. Manchmal kommt es mir vor, als seien viele Hardcore-Vegetarier/-Veganer die Kreuzzügler des 21. Jahrhunderts, die alles niedermetzeln, was ihren Glauben nicht teilt. Grüniban, sozusagen. Mit diesen Zeitgenossen möchte ich, bitteschön, nicht verwechselt werden. Jedem sei sein Essen und wie er es sich beschafft von Herzen gegönnt, weil ich einfach an das selbstbestimmte Leben glaube und daran, dass ein friedliches Miteinander von Fleischfreunden, Vegetariern und Veganern möglich ist.

Darum bin ich mir auch nicht zu schade, anderen Fleisch zuzubereiten. Mein Mann bekommt immer noch von mir die Leber mit Zwiebeln und Himmel & Erde nach Omas Rezept, wenn er sich das wünscht. Basta. Auf der anderen Seite koche ich auch zusätzliche Gerichte für Vegetarier und Veganer, wenn wir Gäste haben. Das macht zwar ’n büschen mehr Arbeit – aber jemandem, der gerne kocht, macht es doch gar nichts aus, ob er mit drei, vier Töpfen mehr hantieren muss. Wo ist also das Problem?

Ich esse eben nur selber kein Fleisch mehr. Also runter vom Speiseplan damit, und zwar nur von meinem ganz persönlichen.

Das führte zwangsläufig dazu, dass bei uns jetzt bisweilen zwei Essen gekocht werden. Zu Anfang klappte das ganz gut, weil ich mitten im Sommer umschwenkte und erstmal nur Rohkostsalate aß, weil das bei 28° im Schatten ohnehin erfrischender ist als warme Mahlzeiten. Auch der erste Winter war okay. Ich kannte noch nicht so viele rein vegetarische Rezepte, wodurch mein Speiseplan recht einfallslos war, sich vieles wiederholte und weil der große Kochpott mit einer dreistöckigen Dünst-Etagere nicht viel Platz braucht. Auch zwei Eintöpfe, die bis auf die Zugabe der fleischlichen Zutaten vollkommen gleich waren, gingen problemlos vonstatten.

Doch allmählich füllte meine Rezeptkladde sich, ich fing an vermehrt zu schnippeln, rührte hier ein Sößchen an, briet dort was an und brauchte zunehmend mehr als eben nur den Topf mit der Dünst-Etagere. Solange mein Mann sich bei meinem Grünzeug mitbediente und es als Beilage brauchte, war das kein Problem. Nur wenn er auf so ganz was anderes Lust hatte, wurd’s heikel. Dialoge wie diese häuften sich:

„Was waren das noch für Zeiten, als du mit einer Herdplatte ausgekommen bist. Jetzt breitest du dich so aus, dass jeder Pott seine eigene Postleitzahl braucht.“ – „Guck dich doch selbst an – du bist der einzige, der sich für ein einziges lausiges Schnitzel eine zehn Meter lange Panierstraße baut!“

Aber irgendwie lavierten wir uns durch Situation immer hindurch und schafften es dabei sogar, das wir uns gleichzeitig zum Essen niederlassen konnten.

Bis zum Tag, der als „Kampf der Titanen“ Einzug in die Ehechronik gehalten hat. Es war ein Sonntag, und da kochen wir gerne etwas ausgiebiger, weil gemeinsames Küchengepüttscher bei einem guten Hörspiel einfach kommodig ist.

Auf meinem Menü stand: Salat mit warmen Paprikastücken als Vorspeise, Kartoffel-Möhren-Crèmesuppe mit weißen Bohnen als Hauptgericht und selbstgemachtes Apfelkompott als Dessert. Ich brauchte: Drei Töpfe, den Thermomix, drei Rührschüsseln und die Bratpfanne, weil ich inzwischen gelernt hatte mit Honig oder Agavensirup anzubraten statt Fett, ohne dass ich hinterher Bonbons hatte. Dazu der entsprechende Platz, vor allem sämtliche vier Herdplatten.

Auf meines Mannes Menü stand: Fleischbrühe mit Nudeln und Eierstich, natürlich mit selbst zubereiteter Brühe. Steak mit Bratkartoffeln und Speckböhnchen. Vanille Vla. Letzterer kam zum Glück aus dem Tetra Pack, doch allein für Vorspeise und Hauptgericht brauchte er: Drei Pötte, den Thermomix und zwei Bratpfannen. Dazu der entsprechende Platz, vor allem sämtliche… (siehe oben).

Was soll ich sagen – wir tänzelten um einander herum und sahen dabei längst nicht so majestätisch aus wie dereinst Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn. Wir rangelten eher wie ungezogene Schuljungs um den besten Platz in der Milchschlange vor der großen Pause.

Als wir uns zum dritten Mal gegenseitig so richtig auf die Füße getreten waren, sahen wir einander an, und in unserem stummen Blick lag eine feierliche Übereinstimmung: Wir brauchen einen zweiten Herd.

Oder besser gleich eine zweite Küche.

Throwback Thursday – TV-Events 2014

20141211-1Nach Büchern und Songs an diesem Throwback Thursday nun meine TV-Highlights des Jahres 2014. Da ich kaum Fernsehen schaue und ich Mrs. Brown’s Boys bereits im vergangenen Januar vorgestellt habe, gibt’s nur eine einzige erwähnenswerte Programmperle:

Cilla (ITV): Die im September beim britischen Sender ITV ausgestrahlte dreiteilige Miniserie erzählt über die frühen Karrierejahre der Liverpooler Sängerin Cilla Black. Verfilmt wurden dazu die entsprechenden Kapitel aus Cilla Blacks Autobiographie What’s It All About.

Nun sagen ja Autobiographien in der Regel nichts Schlechtes über ihre Autoren aus sondern nur über deren Gedächtnis, aber auch wenn Cilla Black inzwischen als einer der englischen „National Treasures“ und die Gracie Fields ihrer Generation gilt, hat sie Geschichtsklitterung ihrer eigenen Geschichte nicht wirklich nötig. Vielleicht sind die Andeutungen der Arm aber glücklich-Kindheit auf Scottie, Liverpools berüchtigtem Viertel um die Scotland Road, ein wenig zu idyllisch geraten und die Anfänge bei den Amateurnächten im Cavern Club ein bisschen zu sehr à la Aus der wird noch mal was ganz Großes in Szene gesetzt, doch das werden wohl nur die beurteilen können, die wirklich dabei gewesen sind. Insgesamt ist Cilla eine sehr stimmig in Szene gesetzte TV-Biographie, die sehr angenehm balanciert die Höhen und Tiefen der Karriere von Cilla Black ausleuchtet und gleichzeitig einen offenen Blick in ihr Privatleben wirft, ohne dabei voyeuristisch und klatschpressehaft daherzukommen.

Die Hauptdarstellerin Sheridan Smith trägt maßgeblich dazu bei. Sie setzt Cilla Blacks starken Liverpooler Dialekt genau richtig ein: Deutlich genug, um die Herkunft Cilla Blacks zu verdeutlichen, aber nicht so deutlich, als dass sie als Parodie der Sängerin daherkommt. Dasselbe gilt für Gesten und Mimik und vor allem den Gesang. Wie schon an anderer Stelle berichtet, ist Cilla Blacks Stimme eine echte Herausforderung – nicht nur für die Hörer, sondern vor allem für jeden, der Cilla Black in Film-Funk-Fernsehen verkörpert und dabei nicht auf Vollplaybacks zurückgreift, sondern die Songs selber vorträgt. Das ist Sheridan Smith ganz hervorragend gelungen: Der charakteristische Cilla Black-Gesang ist da, dennoch schimmert genug Sheridan Smith durch, um eine kommerzielle Veröffentlichung der Songs als eigenständige Sheridan Smith-Aufnahmen zu ermöglichen. Das ist leider nicht geschehen – dabei wäre gerade Anyone Who Had a Heart aus der Kehle von Sheridan Smith eine willkommene Ergänzung für jede Sammlung gewesen, zu der Songs von Burt Bacharach und Hal David gehören.

Wenigstens ist die Serie kurz nach der Ausstrahlung auf DVD erschienen und eine echte Empfehlung für jeden, der sich für die Geschichte des Merseybeat rund um Namen wie Gerry & The Pacemakers, The Beatles (als persönliche Freunde von Cilla Black kommen sie auch in der Serie vor) oder Billy J. Kramer & The Dakotas interessiert.

Hazel

oder: Bitte nicht noch ein Musical!

Die 1960er-Sitcom Hazel mit Shirley Booth in der Hauptrolle werden die wenigsten hier in Deutschland kennen. Ich selber kenne sie auch nur, weil ich das pure Glück hatte, Verwandte in den Niederlanden zu haben, wo alte US-Sitcoms in meiner Kindheit und Jugend Hochkonjunktur hatten.

20141209-1Kürzlich habe ich gehört, dass die Sitcom Hazel um eine patente Haushälterin mit Herz und Schnauze an den Broadway kommen soll. Als was? Als Musical, natürlich. Schade, und ich hatte mich schon so darauf gefreut, dass ein deutsches Theater das Stück in Übersetzung oder zumindest das English Theatre in Hamburg es in hiesige Breitengrade holen würde.

Zur Erinnerung habe ich mir noch mal ein paar Folgen Hazel bei YouTube angeschaut, und ich sehe durchaus das Potential für ein erfolgreiches Bühenstück. Aber doch bitte, bitte, bitte, ganz lieb bitte ohne die Tatsache, dass die Schauspieler alle paar Minuten ohne ersichtlichen Grund in Gesang ausbrechen!

Warum muss eigentlich inzwischen fast jeder Stoff in ein Musical verwandelt werden? Können die nicht mehr solides, witziges Sprechtheater wie in Joseph Kesselrings Arsen und Spitzenhäubchen (Arsenic and Old Lace), Jack Popplewells Keine Leiche ohne Lily/Frau Pieper lebt gefährlich (Busybody) oder Lawrence Romans Endlich allein (Alone Together) auf die Bühne bringen?

Vielleicht sehen die kreativen Köpfe an den (Manuskript-)Schreibtischen, am Regiepult oder auf der Bühne das anders, aber für mich als begeisterten Theatergänger ist es echt ein grober Mangel an Kreativität und Originalität, wenn man sich nur noch darauf beschränkt, altes Zeug zu nehmen und Musik hinzuzufügen. Der Gipfel der kreativen Unzurechnungsfähigkeit war für mich mit Rocky erreicht. Schon in den Werbetrailern diesen Muskelberg, diesen Testosteronbunker, diesen Schrank von Mann mit Händen wie Rhabarberblätter in einer Mischung aus 50er-Jahre-Crooner und I Want To Know What Love Is-Foreigner-80er-Jahre-Schmalzbandleadsänger singen zu hören und obendrein diese Boxring trifft Ballett-Tanzszenen zu sehen hat mich so zum Lachen gebracht, dass ich beinahe eingenässt hätte. Die Amerikaner müssen wohl selber erkannt haben, wie lächerlich das daherkommt, sonst hätten sie das Stück nicht schon nach nur 188 Vorstellungen wieder abgesetzt.

Ich hab‘ beileibe nichts gegen Musicals, wenn sie gut gemacht sind, aber diese Schwemme kreativitätsfreier Zweitverwertungen bereits bekannter Stoffe (wie etwa auch Aladdin) finde ich nervtötend. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein amüsantes Stück einfach mal wieder als pures Sprechtheater auf die Bühne käme.

Was macht man nicht alles aus Amore…

Das Begleitbild zum heutigen Blogeintrag ist unter größten Sicherheitsvorkehrungen entstanden – so richtig mit Mundschutz und so weiter – damit das abgebildete Motiv nicht beschädigt wurde.

Denn was für die einen die Leber mit Zwiebeln und für die anderen der Löffel Lebertran ist, das ist für mich Weiterlesen

Adventszwischenruf

20141207-2Allen Freunden und Lesern des Wortgepüttscher einen schönen zweiten Advent!

Wer für die Kaffeestunde heute Nachmittag noch last minute eine Story zum Vorlesen braucht, es aber nicht mehr in die Buchhandlung geschafft hat, findet vielleicht in meiner Kurzgeschichte -> Advent, Advent etwas, das Freude bereiten könnte…

Schönen Nachmittag!

Gegenwind

In Hamburg hat sich in diesem Jahr einiges getan. Nachdem es lange Zeit wirkte, als könnten die Gentrifizierer in ihrem Unterfangen, die Hansestadt komplett nach ihrer ganz eigenen Agenda zu gestalten verfremden, frei schalten und walten, stellen sich für die teils erheblichen Proteste endlich Erfolge ein.

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Für einige Gebäude(ensembles), darunter echte Hamburgensien wie die Esso-Häuser oder das Weiße Haus von Nienstedten, kommt dieser Erfolg leider zu spät. Doch an anderen Ecken hat sich das Blatt begonnen zu wenden oder war bereits erfolgreich darin. Auf dem Parkplatz der Zeisehallen in Ottensen, Bezirk Altona, etwa. Der ursprüngliche Bebauungsplan sah ein reines Wohnareal mit fünfzigprozentigem Anteil an Sozialwohnungen vor und wurde plötzlich in ein reines repräsentatives Businessgebäude umgewidmet. Da hatten die Investoren und auch Lokalpolitik aber die Rechnung ohne die Ottenser aufgemacht, obwohl sie es besser hätten wissen müssen: Der Neubau des Bahnhofs Altona Anfang der 1970er ist zwar errichtet worden, dafür ist es im selben Jahrzehnt aber gelungen, den Abriss altgewachsener Straßenzüge zugunsten einer modernen City West fast völlig zu verhindern. Auch wenn also nicht alle Protestbegehren der Vergangenheit erfolgreich waren, hat man sich den Protest an sich nie austreiben lassen. Erfolgreichen Aufbegehren gegen Gentrifizierung gab es in Ottensen also schon lange bevor der Begriff überhaupt geprägt war. Auf diese Tradition hat man sich in diesem Jahr wieder besonnen und mit einem Planungsstopp für die Bauarbeiten an den Zeisehallen einen beachtlichen Teilerfolg erzielt,

Am Marktplatz von Ottensen, dem Spritzenplatz, haben dieser Tage schon die ersten aufkeimenden Bürgerproteste ausgereicht um die Bezirksverwaltung Altona die Errichtung eines Neubaus nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind auf Eis zu legen. Zunächst soll ein neuer Bebauungsplan her, in dem die Grundbedingungen künftiger Neubauten komplett neu festgelegt werden sollen. Das Verfahren kann mehrere Jahre dauern und soll unter Bürgerbeteiligung durchgezogen werden.

Scheinbar hat die Lokalpolitik der Hansestadt aus dem Protest um die Esso-Häuser und dem erfolgreichen Volksentscheid gegen die geplante Seilbahn von St. Pauli zu den Musical-Theatern auf Steinwerder endlich gelernt, dass sich die Bürger a.) den Schneid und b.) ihr altes Stadtbild nicht um jeden Preis abkaufen lassen. Mit dem Signal „Fortschritt ja, aber nicht um jeden Preis und ohne Rücksicht auf Verluste“ streut man den Gentrifizierern mächtig Sand ins Getriebe. Kommt zwar für die eingangs genannten Bauten zu spät, lässt aber für die Zukunft hoffen.

Throwback Thursday: Songs des Jahres 2014

NotenNachdem ich am vergangenen „Rückwurf-Donnerstag“ meine Bücher des Jahres 2014 vorgestellt habe, sind heute meine Songs des Jahres 2014 dran. Wie auch bei den Büchern gilt: Sie müssen nicht in diesem Jahr veröffentlicht worden, sondern mir nur zum ersten Mal über den Weg gelaufen sein. Und das sind die erfolgreichen Kandidaten: Weiterlesen