Gegenwind

In Hamburg hat sich in diesem Jahr einiges getan. Nachdem es lange Zeit wirkte, als könnten die Gentrifizierer in ihrem Unterfangen, die Hansestadt komplett nach ihrer ganz eigenen Agenda zu gestalten verfremden, frei schalten und walten, stellen sich für die teils erheblichen Proteste endlich Erfolge ein.

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Für einige Gebäude(ensembles), darunter echte Hamburgensien wie die Esso-Häuser oder das Weiße Haus von Nienstedten, kommt dieser Erfolg leider zu spät. Doch an anderen Ecken hat sich das Blatt begonnen zu wenden oder war bereits erfolgreich darin. Auf dem Parkplatz der Zeisehallen in Ottensen, Bezirk Altona, etwa. Der ursprüngliche Bebauungsplan sah ein reines Wohnareal mit fünfzigprozentigem Anteil an Sozialwohnungen vor und wurde plötzlich in ein reines repräsentatives Businessgebäude umgewidmet. Da hatten die Investoren und auch Lokalpolitik aber die Rechnung ohne die Ottenser aufgemacht, obwohl sie es besser hätten wissen müssen: Der Neubau des Bahnhofs Altona Anfang der 1970er ist zwar errichtet worden, dafür ist es im selben Jahrzehnt aber gelungen, den Abriss altgewachsener Straßenzüge zugunsten einer modernen City West fast völlig zu verhindern. Auch wenn also nicht alle Protestbegehren der Vergangenheit erfolgreich waren, hat man sich den Protest an sich nie austreiben lassen. Erfolgreichen Aufbegehren gegen Gentrifizierung gab es in Ottensen also schon lange bevor der Begriff überhaupt geprägt war. Auf diese Tradition hat man sich in diesem Jahr wieder besonnen und mit einem Planungsstopp für die Bauarbeiten an den Zeisehallen einen beachtlichen Teilerfolg erzielt,

Am Marktplatz von Ottensen, dem Spritzenplatz, haben dieser Tage schon die ersten aufkeimenden Bürgerproteste ausgereicht um die Bezirksverwaltung Altona die Errichtung eines Neubaus nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind auf Eis zu legen. Zunächst soll ein neuer Bebauungsplan her, in dem die Grundbedingungen künftiger Neubauten komplett neu festgelegt werden sollen. Das Verfahren kann mehrere Jahre dauern und soll unter Bürgerbeteiligung durchgezogen werden.

Scheinbar hat die Lokalpolitik der Hansestadt aus dem Protest um die Esso-Häuser und dem erfolgreichen Volksentscheid gegen die geplante Seilbahn von St. Pauli zu den Musical-Theatern auf Steinwerder endlich gelernt, dass sich die Bürger a.) den Schneid und b.) ihr altes Stadtbild nicht um jeden Preis abkaufen lassen. Mit dem Signal „Fortschritt ja, aber nicht um jeden Preis und ohne Rücksicht auf Verluste“ streut man den Gentrifizierern mächtig Sand ins Getriebe. Kommt zwar für die eingangs genannten Bauten zu spät, lässt aber für die Zukunft hoffen.

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