Was macht man nicht alles aus Amore…

Das Begleitbild zum heutigen Blogeintrag ist unter größten Sicherheitsvorkehrungen entstanden – so richtig mit Mundschutz und so weiter – damit das abgebildete Motiv nicht beschädigt wurde.

Denn was für die einen die Leber mit Zwiebeln und für die anderen der Löffel Lebertran ist, das ist für mich der Grünkohl: Mein kulinarisches Kindheitstrauma, das sich auch mit einem Therapeuten, der auf aussichtslose Fälle spezialisiert ist, nicht überwinden lässt. Allein schon der Geruch nach vollgekackter Kinderwindel etwas sehr, sehr Unangenehmem haut mir so die Galle ans Zäpfchen, dass ich Würfelhusten nicht unterdrücken kann.

20141208-1Deswegen mache ich auch grundsätzlich einen Riesenbogen um Weihnachtsmärkte, wo Stände, welche diese Spezialität der deftigen Küche anbieten, bekanntlich nicht wegzudenken sind. Es ist einfach zu peinlich, wie mein Magen erst martialische Kampflieder gurgelt und dann die offene Revolte ausruft. So geschehen beim ersten gemeinamen Weihnachtsmarktbesuch mit meinem Mann vor nuschel-nuschelzig Jahren, als ich direkt vor den Grühkohlstand gereihert habe.

Aber mein Mann isst nun mal so gerne Grünkohl, und wenn er miesch aus seinää grossäää braunää Külleraugööön angückt (hier bitte schlechten französischen Akzent denken) – wer könnte ihm da den Wunsch abschlagen, sich selber welchen kochen zu dürfen?

Ergo war es am vergangenen Freitag soweit. Zu Anfang war ich selbst auch guter Dinge, hatte ich im vergangenen Winter doch tatsächlich Grünkohl selbst gegessen. Nur hatte ich vergessen, damals so heftig erkältet gewesen zu sein, dass sowohl mein Geruchs- als auch Geschmackssinn in einen Ausstand getreten waren, von dem nur sie allein wussten, wie lang er befristet war. Ob Grünkohl, Vanilleeis oder Bauschaum – es schmeckte und roch eh alles gleich für mich. Nun war ich aber bei bester Gesundheit.

Je weiter sich der Kochduft nun also in der Wohnung ausbreitete, desto mehr brach das o. g. Kindheitstrauma über mich herein, und ich verbrachte den Rest des Tages liegend – Zwieback und Kamillentee auf dem Nachtschrank, einen Eimer (der auch prompt mehrmals geleert werden musste) neben dem Bett und die Schlafzimmertür fest gegen Gerüche von außen verschlossen.

Mein Mann fand’s natürlich schade, dass er, der großartige Koch, der er wirklich ist, mir diese Création partout nicht schmackhaft machen konnte, und darum denke ich, dass er sich den Spaß redlich verdient hat, wenn ich mich hier im Wortgepüttscher mal so richtig als kleines Weichei selbst lächerlich mache.

Schönen Montag noch!