Tick-tack

Eigentlich wollte ich heute von der widerlichen Frechheit schreiben, die in der nonchalanten Gleichgültigkeit liegt, welche die Fußballwelt ihren straffällig gewordenen Prominenten angedeihen lässt. Aber der Stundenschlag der altmodischen Uhr in unserer Küche hat mich daran erinnert, dass es Zeitverschwendung ist, sich dem Thema Fußball überhaupt zu widmen. Es hat mir auch gezeigt, wie sehr man sich an ein Geräusch gewöhnen kann.

Es passiert nämlich nicht oft, dass ich den Gongschlag bewusst wahrnehme. Ganz anders als damals, als mein Mann das Ding, ein Erbstück von seinem Großvater, mit nach Hause gebracht hat. Da hatte ich das Gefühl, uns wäre das Läutwerk von Big Ben in die Küche montiert worden. Nicht so groß, aber so laut. Dabei hat das Ding nur einen ganz normalen Gong, keinen Westminsterschlag!

Ich übertrieb, wie so oft… Schon nach einer Woche gehörte die Uhr genauso zu unseren Haushaltsgeräuschen wie das Zischen der Kaffeemaschine. Es war ja auch nicht so, als hätte ich nicht schon meine Erfahrungen mit Uhren in diesem Haushalt gehabt. Als ich meinen heutigen Mann kennenlernte und das erste Mal auf „Hausbesuch“ war, fiel mir die unheimliche Fülle an Uhren auf. Er sammelte damals nämlich Uhren, alleine im Wohnzimmer hingen mindestens sechs Stück. UND ALLE LIEFEN!

Nix da mit einem gemütlichen tick-tack-tick-tack… Das ging tick-töck-teck-täck-tück-tock-tuck-tick-töck wie bei einem manischen Kolibri mit Herzrhythmusstörungen. Unmöglich, bei einem solchen Radau sich mal ein kleines Sonntagnachmittagsschläfchen zu gönnen.

Doch auch dieses Geräusch hörte ich irgendwann nicht mehr. Es fehlte mir sogar, als im Rahmen einer Renovierung fast alle Uhren wegkamen. Denn man gewöhnt sich – wie gesagt – an alles.

Nur an eins konnte ich mich nie gewöhnen. An seinen Radiowecker. So ein ganz normales Teil mit rotem Display nebst Radio. Und einer elektronischen Weckfunktion. Einer lauten elektronischen Weckfunktion. Einer SEHR lauten elektronischen Weckfunktion. Einer SEHR, SEHR, SEHR LAUTEN ELEKTRONISCHEN WECKFUNKTION, DIE IRGENDEIN UNMUSIKALISCHER SPINNER MIT DER AUF SO EINER BEKLOPPTEN SCH*** BONTEMPI-ORGEL EINGESPIELTEN VARIATION EINES KLASSISCHEN MUSIKSTÜCKS GEFÜTTERT HATTE!!!

Das Stück mag zwar Für Elise gewesen sein, aber es war gegen eine humane Weise morgens geweckt zu werden. Und darum ist er mir eines Tages beim Putzen… ähem… hüstel… „versehentlich“ runtergefallen.

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7 Antworten auf “Tick-tack”

  1. *lool*

    Nun, das ist *so* wie bei dem goldverzierten Porzellanpferdchen von Tante Josefa.
    Das fliegt auch beim Putzen versehentlich runter. 🙂

    Oder hat es etwa – pegasuslike – Flügel bekommen und beim Abflug einen Schwächeanfall erlitten? *ggg*

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  2. Mir wäre sehr herzhaftes Gelächter entgangen, wenn an dieser Stelle etwas über Fußball gestanden hätte. Vielen Dank – mit persönlich ist ja auch schon so manches beim Putzen runtergefallen. Ist ja auch mächtig glatt, wenn man feucht drüber gewischt hat. Oder wenn man einem der Feudel aus der Hand rutscht. *hust*

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  3. Ich habe mal versucht einen solch elektrischen Wecker (rund mit einem Durchmesser von 10cm) in eine Ritze von ca 4cm zu stopfen. Im Schlaf. Der Exmann saß derweil auf der Bettkante und lachte sich schlapp.
    Wie ich es hasse, so geweckt zu werden. Da dreht sogar mein Unterbewusstsein komplett durch, ohne, dass ich selbst etwas dazu beitragen müsste 😉

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    1. Das ist ja der Vorteil von der Weckfunktion beim Handy: Man(n) kann sich von seinem Lieblingslied aus dem mp3-Speicher wecken lassen und so den Tag mit einer gar schönen Melodei angehen.

      Bei mir beginnt jeder Morgen mit seit einiger Zeit mit Ina Müllers „De Wind vun Hamborg“ 🙂

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