Kaffee is‘ klar!

Die Werbung versprach Entschleunigung, Stressabbau pur, Bequemlichkeit. Klang für einen Moment verlockend. Dann sah ich, dass man mir einen Kaffeevollautomaten aufschnacken wollte, der mit einer „App“ kam, die es mir ermöglichte, die Zubereitung meines Kaffees über das Smartphone auszulösen.

20150126-2Was soll dieser appeldwatsche Tünkram? Zum einen muss ich mir die Tasse immer noch selber aus dem Schrank nehmen, und das Servieren läuft auch nicht vollautomatisch. Da kann ich ebenso gut meinen Arsch mein Fahrgestell in die Küche bewegen und die paar Knöpfe direkt am Gerät drücken. Und selber putzen muss ich im übrigen auch, wenn ich meinen Kaffee von den kuscheligen Buntkarierten aus ordere, aber abends vergessen habe, eine Tasse bereitzustellen…

Die größere Frage ist aber, wo bei so einem Kaffeeroboter die Entschleunigung sein soll. Diese ganzen „Features“ sorgen doch nur dafür, dass alles viel, viel schneller geht. Der Kaffee ist eher fertig, und wir können zum nächsten Tagesordnungspunkt hetzen. Immer schön fix alles, damit wir unsere ohnehin überladenen Tage noch voller stopfen können.

Vielen Dank fürs Angebot, aber – nein, danke. Lieber bleibe ich bei unserem altmodischen Kaffeebereiter für den Herd, der mir nicht nur leckeren Kaffee, sondern auch ein entschleunigendes Erlebnis beschert. Genau so, wie es mehr Spaß macht, Musik mit dem sorgfältigen Auflegen einer Schallplatte zu zelebrieren statt nur schnöde eine Taste auf dem mp3-Player zu drücken.

Schon die Vorbereitung des Kaffees hat was meditatives: Wasser in die Kanne, Kolben obendrauf, Kaffeepulver ein, auf den Herd, Flamme an. Alles ganz langsam natürlich, denn Glas ist empfindlich. Allein dadurch fährt man runter, wird langsamer, steigert dabei aber gleichzeitig die Vorfreude auf etwas, das man selbst und persönlich für sich gemacht hat. Auf den Knopf kann keiner drücken…

Steht das Ding dann erstmal auf dem Feuer, kommt der spannendste Teil, das Schauspiel, das auch nach dem x-ten Mal immer noch jedes Mal aufs Neue faszinierend ist. Pure Physik. Erst tut sich unten in der Kanne gar nichts. Dann kommt langsam Leben in die Sache. Kleine Blasen bilden sich im Wasser, werden größer und vermehren sich. Im oberen Kolben verwandelt sich das trockene Kaffeepulver zudem langsam in einen wohlduftenden Matsch.

Unten geht es dann auf einmal recht schnell: Das restliche Wasser kocht, wird nach oben gesogen, aus dem wohlduftenden Matsch wird noch wohler duftender Schlamm. Flamme aus, abkühlen lassen, und unten in der Kanne kommt dann der fertige Kaffee. Wenn man dann die erste Tasse verkostet… noch entspannender kann’s eigentlich nicht mehr werden.

Was haben die Liebe, ein gutes Bier und Kaffee gemeinsam? Alle drei sind nur dann richtig gut, wenn man sich Zeit und Geduld dafür nimmt.

Ach, ja – ehe ich es vergesse: Moin!