Unfreiwillige Archäologie

Mein Weg zum täglichen Einkauf führt unter anderem durch den Westpark. Errichtet wurde die Anlage im 19. Jahrhundert als Westentotenhof und war – wie dieser Name verrät – ein Friedhof. In den 1910er Jahren wurde sie entwidmet und in einen Park umgewandelt. Die Gräber sind fast alle verschwunden, nur ein paar historisch wertvolle Grabstätten sind als Denkmäler erhalten, zwei oder drei Kriegsdenkmäler sind nach den Weltkriegen hinzugekommen. Ansonsten gibt es hier nur noch Wiesen, ein paar Bänke und alten Baumbestand.

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Ein Park ohne Schnickschnack, also. Das hat schon vor längerer Zeit dafür gesorgt, dass der Westpark sich zu einem alternativen Nachbarschaftstreff entwickelt hat. In der alten Aussegnungshalle ist jetzt ein beliebtes Café, in dem man auch den lokalen Wahlkreisabgeordneten aus Land- bzw. Bundestag und gelegentlich sogar den ein oder anderen Spieler vom lokalen Bolzverein antreffen kann. Das alte Toilettenhäuschen beherbergt einen kleinen Frisiersalon, es gibt eine große eingezäunte Wiese, auf der Hunde sich ohne Leine austoben können. Auf den anderen Wiesen lässt man sich im Sommer zu Sonnenbad nieder, man trifft sich zum Slacklining, Freestyle-Badminton oder zum Picknick mit Familie und Clique.

Wie alles, was mal alternativ und frei begonnen hat, ist der Westpark in den letzten Jahren ein bisschen „domestiziert“ worden. Die Boulebahnen erhielten feste Umrandungen, ein großer Tanzboden wurde errichtet, vor allem wurde die Anzahl der Abfalleimer und deren Leerungen drastisch erhöht. Letzteres war besonders begrüßenswert, denn zuvor hatte der Westpark ein massives Müllproblem. Insofern hatte das durchaus sein Gutes.

Trotzdem ist der Ort ein ziemlich alternativer Treffpunkt für Studenten, Künstler, junge Familien und Freigeister geblieben, es geht immer noch sehr casual zu. Grillen ist erlaubt, die Stadt hat drei oder vier feste Grills aufgestellt. Gerade im Hochsommer reichen die aber nie aus, viele bringen sich dann die kleinen tragbaren Grills für wenige Euro von der Tanke mit. Kein Problem, solange hinterher wieder ordentlich aufgeräumt wird.

Manche machen es sich noch einfacher – sie bringen das Grillrost aus ihrem Backofen mit und graben in die Wiese einfach ein Loch, in das sie ihre Holzkohle kippen. Anheizen, Backofenrost drüber, Fleisch drauf – fertig ist der Impro-Grill. Das wird vermutlich weniger gern gesehen, aber es kommt vor und fällt selten auf.

Mit dieser besonderen Speisezubereitung in freier Natur hätte ich ja, ehrlich gesagt, ein ziemliches Problem. Vergessen wir bitte nicht, dass Dortmund eine Bergbautradition hat. Dadurch kommt es mitunter zu Bodenbewegungen, die gelegentlich Dinge aus tieferen Schichten nach oben geraten lassen. Vergessen wir auch nicht, dass der Westpark ein ehemaliger Friedhof ist, und nicht alles löst sich wirklich in Staub auf, sonst hätte man ja auch nicht 2012 unter einem Parkplatz in England die Gebeine von Richard III. gefunden, und der Knabe hat vor über 500 Jahren den Arsch zugekni…, pardon, das Zeitliche gesegnet. Wer sagt mir also, das die Knochen da in meiner Friedhofs-Grillgrube am Ende wirklich nur die von meinem Kotelett sind…