„Ich zitiere wörtlich“

Zitate können eine spannende Ausgangsquelle für Blogartikel, Kurzgeschichten oder ganze Romane sein. Sie untermauern wissenschaftliche Betrachtungen, lockern dröge Konversationen auf, verdeutlichen Standpunkte, sind Inspiration, um aus ihnen ganz neue Geschichten zu ersinnen.

Im Web gibt es zahlreiche Seiten, auf denen unzählige Zitate gesammelt sind. Ich stöbere gerne dort, denn in Zeiten, in denen die Betrachtungen über den Vitamingehalt von Erdbeerkäse auf mehr Interesse stoßen als man je zu (alb)träumen gewagt hätte, tut es gut, gelegentlich die Worte wirklich geistreicher Menschen zu lesen:

„Ein Archäologe ist der beste Ehemann, den eine Frau haben kann. Je älter sie wird, desto interessanter findet er sie“ – Agatha Christie

Wie wird ein gutes Zitat eigentlich zu einem guten Zitat? Es gibt das Bonmot von Winston Churchill und seinem ständigen Clinch mit der britisch-amerikanischen Societydame Lady Astor. Einmal soll Lady Astor gesagt haben: „Wenn Sie mein Ehemann wären, würde ich Ihren Tee vergiften“, worauf Churchill geantwortet haben soll: „Wenn Sie, Madam, meine Gattin wären, würde ich ihn trinken!“ Klar, wenn solche Ausbrüche von Witz und regem Geist von Dritten aufgeschnappt werden, verbreiten sie sich rasend schnell. Andere Worte stechen aufgrund ihrer sehr prägnanten Formulierung einfach aus einem Gesamttext ganz besonders hervor, wie etwa Voltaires Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursachen existieren“.

Große Zitate sind also aus einem Moment heraus geboren und nicht geplant.

Die oben genannten Zitatlieferanten sind längst tot, doch natürlich wollen auch die aktuellen Personen der Weltgeschichte irgendwann neben ihrem beruflichen Schaffen auch für ihre eigene Wortgewandtheit in Erinnerung bleiben.

Und hier sitzt die Krux: In letzter Zeit habe ich verstärkt, das Gefühl, dass Zitate nicht mehr entstehen, sondern gezielt gemacht werden, etwa von den Redakteuren der erwähnten Webseiten.

Das ist für den Leser oft befremdlich, aber auch der Zitatgeber dürfte manchmal überrascht sein. Da steht in so einer Liste dann etwa „Ich liebe belgische Pralinen“ als besonders elementares Zitat von einem als intellektuell geltenden Buchautor. Oder „Rot ist eine furchtbare Farbe“ aus dem Mund einer begnadeten Opernsängerin.

Möchte man für so etwas in Erinnerung bleiben? Soll das wirklich der Stoff sein, von dem man in zwanzig, dreißig, vierzig Jahren vielleicht sagt: Daraus sind die berühmten Worte der Weltgeschichte gewoben?

Tja, dann wird wohl bald auch der Vitamingehalt von Erdbeerkäse zu den großen Zitaten großer Geister gehören…

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