Gärten am Fluss

Nach langer Zeit stelle ich mal wieder ein Buch vor, das mir sehr gut gefallen hat. Passend zur Jahreszeit und zur erblühenden Natur geht es im vorgestellten Buch um den Anblick prachtvoller Blumen und Bäume vor spektakulären Kulissen.

SONY DSCKatrin Schmersahl: „Hamburger Elbblicke – Die Geschichte der Parks, Landhäuser und Familien entlang der Elbchaussee“

Worum geht es? Ein Garten ist nicht bloß eine Ansammlung von Pflanzen und gestalterischen Elementen wie etwa Brunnen oder Pavillons. Seine Anlage ist ein Spiegelbild seines Erbauers, seiner Denkweisen, seiner Kreativität, seiner gesellschaftlichen Stellung und bisweilen sogar seiner politischen Einstellung. Das gilt umso mehr, je größer und prachtvoller ein Garten ist. Dieses Buch widmet sich den großen, einstmals komplett privaten, heute teilweise öffentlichen Gärten und Parks am Nordufer der Elbe zwischen dem Fischmarkt Altona und dem Falkensteiner Ufer noch hinter Blankenese. Die Autorin stellt ihre Schöpfer und deren Lebensweg vor, der es ihnen ermöglichte, diese Gärten überhaupt anzulegen. Dabei verdeutlicht sie den Zusammenhang von Politik, hanseatischem Kaufmannstum und Gartenbau- wie Kulturgeschichte vor dem Hintergrund des Wirkens der Gartenschöpfer und der von ihnen beauftragten Gartenbauer.

Welchen Eindruck hinterlässt das Buch? Detailliert und sachkundig beschreibt Katrin Schmersahl die vorgestellten Gärten, ihre Besitzer und Architekten in ihrem historischen Kontext. Als Leser musste ich kein Gartenbaufachmann sein, um ihren Ausführungen folgen zu können, wenn auch dem Buch ein paar zusätzliche Lagepläne zum besseren geographischen Verständnis gut getan hätten.

Die Autorin vermeidet sogenanntes Fachchinesisch und drögen Sachbuchton. Das Buch war für mich dadurch leicht und zusätzlich zum Informationsgehalt auch recht unterhaltsam zu lesen. Zusätzlich hat es mich inspiriert, beim nächsten Trip nach Hamburg Streifzüge zu den beschriebenen Orten zu unternehmen, durch die verschiedenen Anlagen zu mäandern und mich nicht nur strikt auf den Elbuferweg von Övelgönne nach Blankenese zu beschränken. Das Buchformat ist mit 14,9 x 20,5 cm gut gewählt, denn so lässt es sich bequem mitnehmen und ermöglicht die Verbindung von Lesen und Live-Erlebnis.

Was dem Buch definitiv fehlt, sind zwei Stadtpläne auf den Innenseiten der Buchdeckel – ein historischer, der die ursprünglichen Ausmaße und Lagen visuell greifbarer macht, und ein neuzeitlicher, der die noch vorhandenen Teile (schließlich hat sich das Gesicht Hamburg in über 250 Jahren mehrmals gewandelt) leichter auffindbar macht. Ohne diese Hilfe muss man schon sehr gute Ortskenntnis in Hamburg besitzen, um nicht völlig aufgeschmissen zu sein. Dies ist aber auch das einzige echte Manko.

Lesen ist Genuss – welche kulinarische Begleitung sollte es geben? Einen gutgefüllten Picknickkorb, dazu das Buch greifen und ab damit in den eigenen Garten oder nächsten öffentlichen Garten/Park.