Tratsch vorm Gartenhaus

Moin! Wie immer nach einem plattdüütschen Blogartikel folgt ein paar Tage später das hochdeutsche Gegenstück für die nicht-platten Freunde des Wortgepüttscher. Hier also die die Übersetzung von Sluderkrom vor’t Gortenhus vom vergangenen Montag. Viel Spaß!

So schnell kann’s gehen: Letzten Freitagmorgen habe ich mich noch ziemlich über den Lagerkoller geärgert, der mich nach meinem Sportunfall ereilt hatte, und noch am selben Abend haben sich Dinge zugetragen, die alles in ein anderes Licht gerückt haben.

Dabei hätte ich das alles verpasst, wenn nicht im richtigen Moment der Akku von meinem mp3-Player leer gewesen wäre. Doch so war da auf einmal nichts mehr mit Musik in meinem „Balkonlager“, das mein Mann mir als Abwechslung zu dem blöden Sofa im Wohnzimmer hergerichtet hatte. Also habe ich die Kopfhörer aus meinen Ohren gezogen und gehört, dass über meinen Mann und mich getratscht worden ist.

Es bestand gar kein Zweifel, dass es um uns ging, denn die Nachbarn, die plaudernd im Garten saßen, nahmen immer wieder unsere Namen in den Mund.

Nun hat der Garten, den sich mehrere Häuser teilen, ohnehin einen akustischen Einzugsbereich von etwa dreißig, vierzig Wohnungen, zudem hallt es mächtig in unserem Karree. Das Echo vom Königssee ist nichts dagegen! Daher ist es generell nicht ungefährlich, so laut und offen zu tratschen. Wenn es dann noch direkt unter dem Balkon der Leute geschieht, über die getratscht wird, dann ist das einfach nur leichtsinnig. Ganz besonders, wenn man von unten wegen der gemauerten Brüstung nicht sehen und wissen kann, ob der „Betratschte“ vielleicht nicht auf seinem Balkon sitzt und alles hören kann.

„Der Horcher an der Wand hört die eig’ne Schand“ sagt der Volksmund. Doch was, wenn es gar keine Schande gibt über die getratscht werden könnte, sondern die Schande durch das Tratschen an sich erst entsteht?

Darum hat es mir auch nichts ausgemacht, dem Tratsch über meinen Mann und mich zuzuhören, und kam so in den Genuss jener typischen Gedankengänge, wie Heterosexuelle, die ungerne über den eigenen Tellerrand blicken, sich das Leben von einem homosexuellen Paar wie meinen Mann und mir so vorstellen. Dabei wurde wirklich jedes Klischee dieser Welt aufgegriffen, und das in dieser blumigen Sprache, die du nur im Ruhrpott findest.

So wurde überlegt, wer von uns wohl die „Frau“ ist und wer den anderen wohl „über den Küchentisch legt und von hinten nimmt“.

Es hat mich förmlich gejuckt, mich sichtbar über die Brüstung beugen und „Wollt ihr den 50:50-Joker?“ zu rufen. Oder sollte ich besser in gespielter Ekstase stöhnen – etwas wie „Uh, Schatz… nicht so stür… hm, machst du’s gut… misch, die Nach… oh, yeah, give it to me… barn könnten uns hören“?

Aber damit hätte ich mir selber dieses kostenlose Entertainment gekillt. Ich habe also meinen Mund gehalten und lieber weiter zugehört.

Nach einem kurzen Exkurs, welche Namen es wohl künftig in der Familie für Kinder und Enkel geben würde – allesamt zielgruppengerecht klassische altdeutsche Namen wie Cheyenne Moonbeam Daiquiri (ist letzteres nicht was aus Amerika zum Saufen?) – wurde noch einmal über uns schwule Kerls getratscht und die Diskussion mit einem hochspannenden Resümee zu Ende gebracht: Sie hatten zwar nichts gegen Schwule, aber hetero sei immer noch besser, denn „da gibt’s nur einen, der was wo reinsteckt, und man muss vorher nicht stundenlang diskutieren!“

Ich hätte beinahe vor Lachen eingenässt.

Aber dafür hatte ich keinen Lagerkoller mehr!

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9 Antworten auf “Tratsch vorm Gartenhaus”

  1. *GACKER*

    Nun, Herr Gerrit, ich realisiere allmählich, welch unterhaltsames Wortwerk ich verpasse, wenn ich des Plattdüttschen nicht mächtig bin… 🙂
    Doch wer sich in Geduld übt, wird ein paar Tage später mit einem sehr unterhaltsamen G’schichtl belohnt! *gg*

    Wir haben früher ja mal in einer Reihenhaussiedlung gewohnt, in der ich aufgewachsen bin und dieses Haus haben mein Hase und ich von den Eltern übernommen. Da waren die Wände sehr dünn und die aneinandergereihten Gartenfleckerln auch sehr ‚einhörbar’…

    Mind you, darling!

    Da wurde ja auch getratscht über ‚die beiden Jungs‘, dass sich der Betonplattenbau gebogen hat… *lol*

    Und auch dieses (leidige) ‚Mann/Frau‘ Gerätsle… *soo* boring…
    Aber die Bassenatratschn (wienerisch für ‚Stiegenhaus-Klatschweiber‘) brauchen halt einen Sinn im Leben. *lol*

    Aber amüsant war’s auch immer, ich konnte Dir beim Lesen nachfühlen… 🙂

    Herr Wolfi

    P.S.: sag… ‚Sluderkrom‘.

    So geil.

    Love that word!

    🙂

    Bedeutet jetzt ‚Sluder‘ so was wie ‚Luder‘ (weil pöhze Weiber das tun…) oder kommt das von ‚Labern‘, also wäre das ganze Wort zu übersetzen mit ‚Laber-Kram‘? :-)))

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  2. … So oft gehört, erstaunen mich Heten doch immer wieder. Ich frag mich ja die ganze Zeit, warum überhaupt wer über die „Rollenverteilung“ nachdenkt, di*er nicht beteiligt ist. Oder warum das irgendwer wichtig findet.

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