Kurort an der Elbe?

Moin!

Da bin ich wieder nach drei Wochen Sommerpause. Schön war’s – ich hab‘ ausgiebig entspannt, ein bisschen an einem neuen Manuskript gefeilt, dem kürzlich vom Pech verfolgten Fuß geht’s auch wieder gut, und aus der Hansestadt Hamburg bringe ich den ersten neuen Text mit:

Kinners, manchmal kann man sich nur wundern. Im Hafen rumort es. Nein, ich meine nicht das Rumpeln der Containerbrücken, das Tuckern der Hafenschlepper oder das unregelmäßige Klong! – Brrrring! – Bssst! – Kedeng, kedeng! der Werftgeräusche von Blohm + Voss sowie der anderen Werften und was da sonst noch zu hören ist. Denn das ist ja immer da. Genau das ist der Knackpunkt:

Einige Anwohner des Hafens sind sauer. Denn der Hafen soll erweitert werden. Eigentlich noch nicht mal so richtig das. Eine Fläche am Bubendeyufer soll für Containerschiffe nutzbar gemacht werden. Das Bubendeyufer liegt schräg gegenüber von Övelgönne/Neumühlen, wo sich alte Lotsen- und Kapitänshäuser, der Museumshafen Övelgönne und ein paar Gastronomiebetriebe befinden.

Nun ist es nicht so, als solle eine Uferzone nutzbar gemacht werden, die seit Zeiten Johan César Godeffroy VI. (* 1813, † 1885) in Flora und Fauna unberührt geblieben ist. Nein, das fragliche Ufer gehört schon lange zum Hafen, zudem findet längst Hafenbetrieb statt, nämlich für das dahinter liegende Becken des Petroleumhafens.

Jetzt sollen Containerterminals an diese Stelle, wogegen sich Widerstand regt. Es hat sich sogar schon eine Initiative gegründet, die sich dem Erhalt von Övelgönne verschrieben hat. Da frage ich mich glatt, ob da nicht was in den falschen Hals geraten ist. In Övelgönne soll sich doch gar nichts ändern, nur am anderen Elbufer.

Doch den Initiativlern geht es gar nicht in der Hauptsache um eine unverbaute Optik hüben wie drüben. Man stört sich an dem zu erwartenden Geräuschpegel. Die Schiffe seien Krawallmacher, heißt es, vor allem nachts.

Äh, hallo? Der Szenelärm am eigenen Ufer von Strandbarbesuchern und Nachtschwärmern am Elbstrand bis tief in die Nacht stört euch nicht, aber ihr regt euch wegen der Geräusche vom Hafen auf? VOM HAFEN??? Jener Installation, die schon seit Jahrhunderten den Rhythmus der Hansestadt vorgibt? Die lange, lange vor euch da war? Mal ehrlich: Wer bei seiner Villa oder Loft im Hafen nur geil auf die rustikale Optik ist, aber von vornherein den zu erwartenden Geräuschpegel ausklammert, der kann nicht mehr alle Matrosen an Deck haben, oder?

Dasselbe denke ich auch immer bei Leuten, die sich ein Häuschen an einer Bahnstrecke bauen, die zwar stillgelegt, aber nicht entwidmet wurde. Solange letzteres nicht geschehen ist, kann der Bahnverkehr jederzeit wieder aufgenommen werden. Und dann ist plötzlich das Geschrei bzw. die Prozessiererei groß. Es soll ja sogar Zeitgenossen geben, die gegen eine benutzte Bahntrasse klagen. Tja, Leute, wie wär’s, wenn ihr vorher einfach vernünftig eure Hausaufgaben macht, bevor ihr euch auf das Abenteuer „ganz eigene vier Wände“ einlasst?

Also, ihr Lieben, wenn euch die Geräusche von Hafenanlagen, in Industriegebieten oder an Bahnstrecken stören – dann zieht doch verflixtnocheins gar nicht erst dahin! Oder glaubt ihr, die sind extra für euch als romantische Dioramen in Lebensgröße erbaut worden? Wer Kurortruhe will, muss aufs Land ziehen. Aber nicht gleich die Kirchenglocken verklagen, okay?

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