Rein in die Kartoffeln…

„Hier wird nie einer satt“ ist einer der meistgesagten Sätze im unserem Zwei-Männer-Haushalt. Und er bedeutet genau das Gegenteil. Bi uns op’n Dörp wurde mir schon rechtzeitig das Kochen in großen Mengen eingetrichtert, denn gerade auf dem Land sind Veranstaltungen mit Gästen ein regelrechtes Schaulaufen, was man sich an Speisen leisten und vor allem wie man sie zubereiten kann. Selbst bei einem beschaulichen Essen mit zwei befreundeten Paaren – „es gibt nur ’ne Kleinigkeit“ – biegt sich die massive Platte des Eichentischs unter der Last der aufgetragenen Speisen. Mein Mann kennt das auch, denn meine Schwiegermutter ist staatlich approbierte Hauswirtschafterin, wodurch er ebenfalls gelernt hat: Klotzen – nicht kleckern (und dabei das Kunststück vollbringen, das Budget nicht zu überlasten)

Das schöne Sprichwort „Fünf waren geladen, zehn sind gekommen – gieß Wasser in die Suppe, heiß alle willkommen“ kommt bei uns nie zur Anwendung, denn es ist per se genug für fünfzehn Leute da. Das ist ja noch ganz in Ordnung, wenn man Gäste bewirtet – alles, was zuviel ist, kann man am Ende immer noch auf Doggie Bags verteilen und den Gästen beim fröhlichen Aufbruch in die Hand drücken. „Dann braucht ihr morgen nicht zu kochen!“

Doch beim alltäglichen Familienessen ist das manchmal echt blöd, wenn man bei gewissen Dingen kein Augenmaß hat. Erbsensuppe lässt sich so schlecht einfrieren, aber das Zeug vier Tage lang hintereinander zu essen, macht auch keinen Spaß…

Es gibt einige Gerichte, bei denen verschätze ich mich einfach permanent mit der zuzubereitenden Menge. Ich hab‘ alles ausprobiert – mich an Rezeptvorgaben aus Kochbüchern gehalten, mir eine bestimmte Tasse zur zum Abmessen von Reis und Suppennudeln bereitgestellt, Kartoffeln eine Zeitlang streng abgewogen – es half alles nichts. Irgendwas lässt mich immer vom vorgegebenen Weg abkommen und ich bringe am Ende doch viel zuviel auf den Tisch.

Ganz besonders schlimm ist das bei Kartoffelbrei (für unsere österreichischen Stammleser: Eardopfipü {Wolfgang, wenn diese Schreibweise falsch ist, dann ist das Deine Schuld, denn ich habe aus einem deiner Kommentare hierher gecopyandpasted! *grins*}), denn egal, wie sehr ich mir vornehme, passend nach Maß zu kochen – es klappt einfach nicht! Ich lasse mir von meinem Mann, der das bessere Augenmaß hat, inzwischen die Kartoffeln abzählen. Aber wenn ich dann den geschälten Berg Kartoffeln vor mir sehe, denke ich: Das fällt ja gleich beim Stampfen im Pott noch zusammen, wird also weniger. Ergo runde ich die Kartoffelmenge großzügig auf. Entsprechend kommt dann natürlich auch mehr Butter, Milch und steif geschlagenes Eiweiß darunter – und prompt habe ich statt nur für zwei Leute wieder mal genug Kartoffelbrei, um sämtliche Jahrgänge der Grundschule bei uns gegenüber zum Mittagessen einzuladen.

Gestern kam mein Mann auch wieder nach Hause, guckte in den Topf und meinte nur: „Das reicht ja wieder mal für fünftausend Leute.“

Diese Zahl ließ mich aufhorchen… Könnte es sein, das die Geschichte um das berühmteste Massencatering für immer umgeschrieben werden muss? Könnte es möglich sein, dass ein gewisser Herr J. aus N. bei seinem Dinner für 5.000 Gäste gar keinen Fisch reichen ließ, sondern einfach nur zuviel Kartoffelbrei hatte?

Fragen über Fragen…

Advertisements