Schotten dicht!

Während der Recherchen für mein neues Buch Rummelpott habe ich mich natürlich ausgiebig mit der Herkunft und den Ursachen für den Glauben an bestimmte Flüche, mysteriöse Erscheinungen und unerklärliche Ereignisse beschäftigt.

Für eine Geschichte habe ich mich intensiv mit dem Theater befasst, da es dort neben einem großen Fundus für Kostüme und Kulissen auch einen für diverse Aberglauben und Rituale gibt, aus denen sich einiges an Material für eine Schauererzählung ableiten lässt. Letzten Endes hat diese Erzählung keinen Einzug in den Rummelpott gefunden, weil sie einfach nicht zu den restlichen passt, aber sie zu schreiben und vor allem dafür zu recherchieren hat trotzdem Spaß gemacht. Vielleicht kommt sie später mal als eigenständige Story.

Jedenfalls habe ich neben den für weithin bekannten Theateraberglauben wie „Niemals jemandem direkt Viel Glück für eine Vorstellung wünschen“ auch neue entdeckt, von denen ich bisher nichts wusste.

Da ist etwa The Scottish Play. Es ist in einem Theater streng verboten, außerhalb der Proben oder der eigentlichen Vorstellung William Shakespeares Stück Macbeth bzw. die Hauptfigur namentlich zu nennen. Es gibt in der Theatergeschichte zahlreiche Anekdoten, was geschehen sein soll, nachdem jemand dieses Gebot gebrochen hat, z. B. der schwere 5-Meter-Sturz von Diana Wynyard bei einer Macbeth-Aufführung, und sogar von einem komplett abgefackelten Schauspielhaus ist die Rede.

Um derlei zu vermeiden, muss man immer einen Euphemismus verwenden – neben einigen Variationen kommt hauptsächlich The Scottish Play (Das schottische Stück) zur Anwendung.

Nun wissen wir spätestens seit Barry Ryan, dass Zeit nur vor dem Teufel halt macht, was die Frage nahelegt, ob unerklärliche Phänomene auch mit der Zeit gehen. So versuchte ich, mir während einer Theaterführung verschiedene Möglichkeiten auszumalen, wie die gar schauerlichen Ereignisse meiner zu der Zeit noch im Planungsstadium steckenden Schauererzählung ausgelöst werden könnten. Eine Möglichkeit sah ich in der Ära, zu welcher die Story spielen sollte und dem damaligen Stand der Technik. Es sollte beim Feierabend oder beim Gang in die Mittagspause vergessen werden, ein Grammophon abzuschalten. Die gerade gespielte Platte sollte ausgerechnet an der Stelle, an der Macbeth gesagt wurde, einen Sprung haben, und so sollte das verbotene Wort beständig wiederholt werden, bis schließlich die aufgezogene Antriebsfeder des Grammophons das Ende ihrer Leistung erreicht hatte. Die letzten Töne der immer langsamer werdenden Platte sollten ein schauerliches Mmuuuuwäääääkbuuuääääääzzzzz sein – und dann Holland bzw. Theater in Not. Ich wusste bloß nicht, ob das gemäß der Theatergepflogenheiten als verbotene Aussprache von The Scottish Play gelten würde. Es kam ja von einem Gegenstand, nicht von einer Person. Andererseits hatte ja eine Person diesen Namen ins Aufnahmegerät gesprochen. Dilemma!

Die große Finale der Theaterführung bildete natürlich die Ankunft mitten auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Der Cicerone beendete seine Ausführungen mit einem freundlich ermutigenden „Gibt’s Fragen? Wenn ja – schießen Sie los!“

Ich hätte so einige auffahren können, hab‘ meinen Lippen aber lieber den Befehl Schotten dicht gegeben. Man weiß ja nie…

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