Wie in einer Gruselgeschichte

Zwei Tage noch, dann geht der Rummelpott in der eBook-Fassung an den Start, am 15. Oktober folgt dann die Ausgabe als gedrucktes Taschenbuch. Es wäre gelogen, wenn ich leugnete nervös zu sein. Denn da ist diesmal nicht nur diese Grundnervosität wie vor jeder Veröffentlichung. Diesmal gesellt sich noch die Unruhe vor dem Beschreiten neuer Wege hinzu, weil ich diesmal in einem so ganz anderen Genre unterwegs bin als etwa mit Frag doch das Vanilleeis.

Doch ich mag Schauergeschichten um seltsame Ereignisse und mysteriöse Begegnungen schon seit ewigen Zeiten. Vor allem jene aus der viktorianischen Ära. Was mich an ihnen so fasziniert, ist der Verzicht auf orgienhaftes Blutvergießen und überfallartige Metzeleien zugunsten von subtileren Methoden.

Diese Geschichten leben davon, dass sich die Phantasie des Autors und die des Lesers miteinander verknüpfen, woraus sich der Horror unterschwellig ergibt. Er wird über eine Andeutung, einen Nebensatz ausgelöst – eine kleine Störung in einer eigentlich harmlosen Situation. Doch diese reicht, um nach und nach des Lesers eigene Vorstellung die Regie übernehmen zu lassen. Es ist wie ein Malbuch: Der Autor hat nur die Umrisse vorgegeben, das Ausmalen übernimmt der Leser. Jede weitere Andeutung oder selbst ersonnene Vorahnung ist wie Dünger, treibt das innere Auge an, bringt Erinnerungen an eigene Schreckensmomente und Urängste zurück, belebt sie wieder und baut sie aus.

All das produziert ein Puzzleteil nach dem anderen, welches im Kopf eines jeden Lesers anders ist und am Ende in der Klimax mündet, die sämtliche Befürchtungen bestätigt – oder mit einer unerwarteten Wendung alles noch einmal auf den Kopf stellt.

Dieser langsame Aufbau macht für mich den größten Reiz des Grusels aus – und auch dessen größten Schrecken. Denn was war für einen selbst denn früher der schlimmste Horror in schaurigen Situationen? Doch nicht der laute Knall, mit dem Omas Kellertür plötzlich zuschlug. Nein, der hat nur unsere Befürchtung bestätigt, dass wirklich etwas geschehen würde, wenn wir Opas Wunsch erfüllten, ihm eine Buddel Bier zu holen. Letzten Endes waren wir sogar erleichtert, denn nun wussten wir, dass es vorbei war.

Wirklich schlimm war die Ungewissheit vorher – die Gänsehaut, die aufgestellten Nackenhaare, der kalte Schweiß auf der Stirn, mit dem man in das düstere Gelass hinunterstieg. Jedes Knarzen der Holztreppe, jeder leichte Windhauch, jeder unerwartete Schattenwurf sagte uns: Da kommt noch was Schlimmeres. Aber, verdammt nochmal, was…? Wann…? WIE…???? Unsere eigenen, ganz individuellen Geistesfabrikationen, unser Weiterspinnen des Fadens wird immer viel schlimmer sein als das, was in einer Gruselstory nur angedeutet wird.

Die letzten Tage vor einer Buchveröffentlichung  fühlen sich übrigens an wie eine real erlebte Gruselstory – steigende Spannung, zunehmendes Unbehagen, vor dem inneren Tauge türmen sich Horrorszenarien auf, was alles schiefgehen könnte, bis alles in Erleichterung umschlägt, wenn die Veröffentlichungsampel endlich auf Grün springt.

Genau dieses Gefühl habe ich jetzt noch zwei Tage lang vor der Brust. Hoffentlich habe ich am Freitag überhaupt noch Fingernägel…

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4 Antworten auf “Wie in einer Gruselgeschichte”

  1. ….der Verlust der Fingernägel ist meistens noch zu verkraften, aber was ist mit den kleinen aufgestellten Häärchen auf den Armen im Nacken, die einen vor unseren Feinden grösser erscheinen lassen?.

    Ich wünschte Dir für die Veröffentlichung alles Gute. In solchen Situation spürt man Leben und Liebe in seiner Arbeit

    Gefällt 1 Person

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