Signal auf grün

Zwischen Bergedorf und Geesthacht sollen wieder Personenzüge rollen. Zunächst einmal nur während der 800-Jahr-Feier von Geesthacht, aber selbst da regt sich schon Widerstand. Nicht von den Bürgern längs der Strecke, was auch ziemlich unsinnig wäre, sondern auf amtlicher Seite ist man deswegen füünsch.

Seit Jahren kommen die Planungen, wieder einen regelmäßigen Zugverkehr aufzunehmen, nicht in die Gänge auf die Schiene, und jetzt soll noch nicht mal ein einziges Wochenende zustande kommen?

Doch was wäre daran so schlimm, wenn zwischen Geesthacht und Bergedorf wieder Personenzüge führen? Im Grunde nichts, ganz im Gegenteil. Die Metropolregion Hamburg brummt entwicklungsmäßig, und damit steigt die Bedeutung der Wohnstädte im Speckgürtel. Ergo steigt die Zahl der Berufspendler.

Eigentlich ist die Überlegung doch ganz einfach: Wer vom großen Kuchen der Zuzügler in den Wohnstädten profitieren will, aber die Belastung im Straßenverkehr fürchtet, ermöglicht einen guten Schienen-ÖPNV.

Obendrein sind die Voraussetzungen zwischen Bergedorf und Geesthacht nicht die schlechtesten – es gibt eine existierende und betriebstüchtige Strecke, die regelmäßig befahren wird (derzeit eben nur von Güterzügen). Es müssten nur ein paar Haltepunkte gebaut werden und eine Verknüpfung, um in Bergedorf von der Hauptstrecke aus Hamburg auf die Stichstrecke nach Geesthacht zu wechseln. Dann müssten nur noch Fahrzeuge beschafft werden – nimmt man Hybridfahrzeuge, die von HH aus bis Bergedorf auf der Strecke S-Bahn mit Energie über die seitliche Stromschiene versorgt werden während für den den Rest der Strecke mit Diesel gefahren wird, bräuchte man den Abschnitt Bergedorf – Geesthacht nicht einmal zu elektrifizieren.

Billiger als ein kompletter Neubau dürfte das Ganze auf jeden Fall sein.

In Hamburg und dem Umland ist in den letzten Jahrzehnten im Schienenverkehr soviel am Bedarf vorbeigeplant worden – Abschaffung der Straßenbahn, die unmögliche Streckenführung der U4, die ausbleibende Anbindung von Lurup an den schienengebundenen Personenverkehr, die Verzögerungen bei der geplanten S4. Es wäre an der Zeit, mal zum Gegenteil umzuschwenken und etwas richtig zu machen.

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8 Antworten auf “Signal auf grün”

  1. So wie ich verstanden habe, geht es im Moment darum, 5000 Euro aufzutreiben, um einen Zug anlässlich der 800-Jahr-Feier nach Geesthacht zu überführen, Geld, welches die Stadt nicht aufbringen möchte oder kann. Der eigentliche Betrieb des Zuges während des Festes wäre kostenfrei. Aber für die Überführung von Hamburg oder sonstwoher, sind Gebühren fällig, z.B. für das Befahren der Überführungsstrecke.

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    1. Nein, das Projekt ist als Teil der offiziellen Feierlichkeiten komplett abgelehnt worden, schon lange bevor es darum ging, die 5.000 Schleifen für die Überführungsfahrt aufzutreiben. Man will scheinbar schlichtweg keine modernen Personenzüge auf der Strecke sehen, die das Projekt Reaktivierung attraktiv darstellen könnten. Ist auf mehreren Facebook-Seiten drüber berichtet worden. Der Zug würde wohl von Eidelstedt aus überführt werden, da es einer der neuen AKN-Züge ist, und in Eidelstedt ist eine Systemübergabestelle vom AKN- bzw. S-Bahn-Netz zum übrigen DB-Netz.

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  2. Mein Kenntnisstand ist, dass die vorgeschlagenen Projekte von einer Jury begutachtet und ausgesucht werden. Die Jury besteht aus Mitarbeitern der Verwaltung, dem Museumsleiter und der Tourismusmanagerin. Inwieweit eine einzelne Partei bzw. unser „Stadtparlament“ da eine Entscheidungsbefugnis hat, weiss ich nicht.

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    1. Mag sein, dass sich da die Internetquellen widersprechen – ich habe inzwischen auch einige anderslautende Quellen gefunden. Aber wer’s abgelehnt hat, ist letzten Endes auch „völlig Latte“. Es wäre eine verschenkte Gelegenheit gewesen, nicht für eine direkte Bahnverbindung HH Hbf – Geesthacht zu werben. Darum finde ich es gut, dass sich engagierte Menschen gegen diese Jury auflehnen. Besser als mit einer bestehenden Strecke kann man kein neues Schienennahverkehrsangebot erschließen.

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  3. Der Stadt stehen für Zuschüsse der eingereichten Projekte knapp 50.000 Euro zur Verfügung. Das ist nicht viel. 5000 Euro für das Projekt Bahnanschluss wären bereits 10 % des Etats. Natürlich wäre es eine gute Gelegenheit, das Projekt im Rahmen der Festivitäten vorzustellen. Man hat auch versucht, Sponsoren dafür zu bekommen, scheinbar erfolglos.
    Wer sollte das auch unterstützen? Der örtliche Einzelhandel mit Sicherheit nicht.

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