Moin, Peking!

Hamburg ist nicht nur ein prosperierender Hafen heutiger Tage (auch wenn die unlängst veröffentlichten Wirtschaftszahlen für 2015 etwas schwächeln), die Stadt hält auch mit zahlreichen schwimmenden Zeitzeugen die Vergangenheit lebendig:

Von den Ewern im Museumshafen Övelgönne über die Rickmer Rickmers und die Cap San Diego nahe der Überseebrücke bis zum Stückgutfrachter Bleichen vor dem 50er Schuppen des Deutschen Hafenmuseums im Hansahafen werden die verschiedenen Phasen Hamburgs als internationaler Warenumschlagplatz dokumentiert.

Barkassen, Schlepper wie die Fairplay VIII, Schwimmbagger, Eisbrecher erzählen von den Arbeitstieren im Hafen, alte Kutter von der Elbfischerei. Die Bergedorf und die Kirchdorf halten die Geschichte der Hafenfähren lebendig, und mit der Seute Deern im Sandtorhafen wird an den Hamburger Hafen als Ausgangspunkt für die Seebäderschifflinien nach Helgoland und an die Nordseeküste erinnert.

Lediglich der Bereich der Überseepassagierschifffahrt ist arg unterbesetzt. Es ist nicht so, dass es an Engagement gemangelt hätte – in der Vergangenheit hat man sich bemüht, schwimmende Legenden wie die Norway und die Maxim Gorkiy nach ihrer Außerdienststellung als schwimmende Denkmäler nach Hamburg zu holen und sie (ähnlich wie der 1959 erbaute Holland-Amerika-Lijn-Dampfer Rotterdam heute in seinem gleichnamigen Heimathafen) multifunktional als schwimmendes Museum, Konferenzzentrum und Hotel zu nutzen. Die Maxim Gorkiy hätte dafür wieder ihren ersten Taufnamen Hamburg zurückerhalten.

Doch diese Projekte scheiterten immer wieder auf den letzten Metern oder besser an der letzten notwendigen Geldzuwendung – sowohl die Norway als auch die Maxim Gorkiy sind letztlich längst am Strand von Alang zerlegt worden. Dabei hätten sie wunderbar die historische Brücke von Hamburg als Auswandererhafen zu Hamburg als modernem Kreuzfahrtstandort schlagen können.

Dafür kehrt nun ein anderes Schiff an die Elbe zurück: Jüngst hat der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages eine umfangreiche Finanzspritze für kulturelle Projekte in der Hansestadt beschlossen, welche u. a. den Ausbau des Hafenmuseums im Hansahafen vorsieht. Dazu gehört auch, mit der Peking einen der letzten vier noch existierenden Flying P-Liner, jenen legendären Frachtseglers der Reederei F. Laeisz, in seinen Heimathafen zu holen. Ferner existieren noch die Padua, die unter dem Namen Kruzenshtern als russisches Schulschiff weiterhin die Meere kreuzt, sowie die Passat und die Pommern, die als Museumsschiffe in Lübeck-Travemünde bzw. im finnischen Mariehamn das Stadtbild bereichern.

Doch während es den beiden letztgenannten relativ gut geht, hat die Peking als Museumsschiff im Hafen von New York arg gelitten. Es scheint, als hätte man dort das Schiff einfach nur vertäut und dann widerstandslos den Elementen überlassen. Überall nagt der Verfall so arg, dass man bei den letzten schweren Stürmen an der Ostküste befürchtet hat, die Peking könne an ihrem Liegeplatz in den Fluten des East River versinken. Eine Wiederherstellung ist teuer, also hat man sich in New York entschieden, der Stadt Hamburg die Peking zu schenken.

Doch auch diese Schenkung wäre beinahe gescheitert und auch die Peking verschrottet worden – weil sie in ihrem desolaten Zustand nicht auf eigenem Rumpf und unter eigenen Segeln über den Atlantik schippern kann, ist der Transport auf einem Spezialschiff nötig, der ohne die Zuwendung des Bundes nicht möglich gewesen wäre. Doch nun ist – so vernimmt man es zumindest derzeit aus der Hansestadt – alles in trockenen Tüchern und die Peking kommt im Frühjahr 2016 endlich nach Hause. Diverse Werften haben angeboten, das Schiff zum Selbstkostenpreis zu sanieren, und man darf auf das Ergebnis gespannt sein, wenn die Peking eines Tages in neuem Glanz in den Hansahafen verholt und als schwimmendes Museum zugänglich sein wird.

Damit lässt ein großes Überseepassagierschiff für die Museumsflotte zwar weiterhin auf sich warten, aber die Story der Peking lässt darauf hoffen, dass es nicht das letzte Happy End für ein historisches Schiff im Hamburger Hafen sein wird.

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2 Antworten auf “Moin, Peking!”

  1. Ich wusste gar nicht, dass es Bemühungen gegeben hatte, die Maxim Gorkiy ex Hamburg an die Elbe zu holen. Sehr schade. Es war ein besonderes Schiff mit einem einmaligen Äußeren und nicht so eine Massenware, die heute über die Weltmeere cruist. Da gab es doch eine kleine Begebenheit beim Stapellauf: Nachdem das Schiff die Helling hinuntergerutscht war, tauchte der Bug kurz ein wenig ins Wasser was als Verbeugung gedeutet wurde.
    Jetzt zur Peking: Ich war hocherfreut als ich davon erfuhr, dass das Schiff kommt und Hamburg jetzt auch einen Flying P-Liner bekommt. Die Rickmer Rickmers wird dagegen wie ein besseres Beiboot aussehen.

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    1. Es gab so einige Pläne mit Museumsschiffen, die nichts geworden sind. OK, es kann nicht jedes Projekt auch wirklich umgesetzt werden, sonst ist vor lauter Traditionsschiffen irgendwann kein Platz mehr für die aktuelle Schifffahrt ( 😉 ), aber um einige gescheiterte war es wirklich besonders schade….

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