Für immer jung

Das war eine der Hymnen meiner Teenagerzeit, dargeboten von einer Gruppe namens Alphaville. Der so sehnsuchtsvoll vorgetragene Wunsch, forever young zu bleiben, entsprach genau dem damaligen Gefühl in uns. Wir wollten nie so werden wie alles, was so an alten Leuten um uns rum lief (also ab zwanzig aufwärts) und haben uns über alles kaputtgelacht, was diese Methusalems (-leme, -lemae, -lemii? Keine Ahnung.) taten, um sich das Leben ein bisschen kommodiger zu machen.

Wir machten unsere eigenes Ding – das fing damit an, dass wir irgendwann den von Oma geschenkten teuren Scout-Tornister zuhause ließen und je nach Mentalität mit des Vaters altem Aktenkoffer oder einer von Mutters Einkaufstaschen zur Schule gingen. Unsere kulinarischen Eigenkreationen waren legendär – nie hätten wir zugegeben, dass das Wiener Schnitzel mit Nutella und Senf drauf scheußlich schmeckte, nein, wir haben es mit Pokerface runtergewürgt, den Kontrast zwischen süß und herzhaft über Gebühr gelobt – und hinterher die halbe Nacht im gekachelten Zimmer verbracht, weil uns kotzübel war. Und unsere modische Raffinesse erst – ganze Bücher könnte man drüber schreiben.

Apropos Mode – habt ihr das auch schon gesehen, wenn ihr dieser Tage so durch die Straßen geht? Interessanter neuer Jugendtrend, oder? Der Oberkörper ist mit Strickmütze, Wollschal und doppelt gesteppter Daunenjacke der Jahreszeit entsprechend ganz auf Schneeflöckchen, Weißröckchen – wann kommst du geschneit? eingerichtet, während knapp 1,70 m weiter unten die nur Sneaker Socks tragenden oder gar ganz nackten Füße in ihren Baumwoll-Sommerschuhen Aloha Ohé singen.

Hm… ich glaube, da freue ich mich doch lieber auf When I’m Sixty-Four, auf der Heizung vorgewärmte Stricksocken und Wärmflasche im Bett. Forever young… Bloß nicht!

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