Aber bloß nicht mit Sahne!

Heute gibt’s die hochdeutsche Übersetzung des plattdüütschen Artikels von vorgestern.

Es ist nun an der Zeit, ein Versprechen einzulösen.

Neulich habe ich ja vom Kaffeetrinken bei meinem Onkel auf seinem ehemaligen Bauernhof erzählt und dass es da noch ein bisschen mehr gab als nur die Sache mit dem Zwieback. Bevor der auf den Tisch gekommen ist, hat das für uns Kinder nämlich immer noch ein ganz wichtiges Ritual gegeben.

Bei uns auf’m Dorf sind die Leute ziemlich gewieft – mein Onkel und meine Tante haben wie auch andere Bauern im Dorf keinen Kühlschrank und keine Kühltruhe gehabt. Brauchten sie auch nicht. Im Keller hat das etwas gegeben, was viele Leute heute gar nicht mehr kennen: Einen Gang, gut drei Meter Lang, der vom eigentlichen Keller abgegangen ist, und am Ende von diesem Gang ist das noch einmal vier oder fünf Treppenstufen weiter runter ins Erdreich gegangen. Und dort hat es eine Kammer gegeben, wo es das ganze Jahr über kalt genug gewesen ist, um Lebensmittel ohne technische Hilfsmittel einzulagern. Da hat es rappelvolle Regale mit knackigen Erbsen und Möhren gegeben, süße Bickbeeren und was weiß ich nicht alles.

Und Wurst. Frische, leckere selbstgemachte Wurst. Mein Onkel hat zwar kein eigenes Vieh mehr gezüchtet, aber er hat immer frisches Fleisch von einem Bauer aus der Nachbarschaft bekommen, und dann hat er „gewurstet“, wie der Vorgang heißt. Jedesmal wenn wir bei unserem Onkel und unserer Tante zu Besuch gewesen sind, ist unser Onkel zuerst mit uns in diesen Keller gegangen, um Wurst für das Abendbrot zu holen. Und wir Kinder haben sie schneiden dürfen – mit der großen Schneidemaschine mit dem sauscharfen Drehmesser. Was haben wir uns da groß und wichtig gefühlt!

Natürlich haben wir auch probieren dürfen – jeder von jeder Sorte eine Scheibe. Leberwurst, Zwiebelwurst, Mettwurst, Schinkenwurst, luftgetrockneter Schinken… Hach, nee, war das lecker!

Bloß die Salami habe ich ums Verrecken nicht angepackt. Ich habe sie nicht mal probieren wollen. Da ist nämlich Sahne drum rum gewesen. Und bei Sahne habe ich immer die leckere Erdbeertorte unserer Tante denken müssen – und dass sie unter die Sahne dafür immer noch einen großen Löffel von ihrem selbstgemachten Vanillezucker gerührt hat. Das ist so herrlich süß gewesen, und das hat nicht zu meinem Verständnis von Salami gepasst.

Ich habe auch nie verstanden, dass die Erwachsenen sich immer so auf die Salami gestürzt haben. Und warum sie immer so gelacht haben, wenn ich gesagt habe: „Ich will aber nichts von der Salami mit der Sahne!“

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich Dreikäsehoch begriffen habe, dass das weiße Zeug um die Salami gar keine Sahne gewesen ist, sondern Edelschimmel. Hätten die mir das nicht vorher sagen können?