Maschinen stop

Was haben der Indische Ozean und eine Stadt in Norwegen gemeinsam. Beides sind geographische Gegenden, das ist offensichtlich, wenn sie auch deutliche Größenunterschiede aufweisen. Aber noch etwas teilen sie: Sie haben Paten bei der Namensgebung für zwei Schiffe gestanden.

Damit enden die Gemeinsamkeiten noch nicht. Sowohl die Indian Ocean als auch die Sandnes haben falsch geparkt, nämlich im Schlick der Elbe, abseits der amtlich vorgesehenen Fahrrinne. Die Umstände können in der Tagespresse nachgelesen werden.

Beide Havarien haben die Debatte über die weitere Ausbaggerung der Elbe befeuert. Die Pläne wurden bereits 2006 eingereicht, und seitdem ziehen sich die gerichtlichen Verfahren zwischen Befürwortern und Gegnern. Wann ein verwaltungsgerichtliches Urteil erfolgt, ist nicht abzusehen.

Machen wir uns nichts vor: Egal, wie das Urteil aussieht – für die Allgemeinheit ist es eine Lose/Lose-Situation. Gewinnen die Befürworter, kann der Hafen weiter prosperieren, aber die Qualität des Hochwasserschutzes verschlechtert sich, Arten in Flora und Fauna werden verdrängt und vermutlich sogar aussterben. Gewinnen die Gegner, dürfen wir uns zwar über eine bessere Ökobilanz der Elbregion Hamburg – Schleswig-Holstein – Niedersachsen freuen, aber der Hafen wird früher oder später von jenen anderen Häfen abgehängt, welche das Fassungsvermögen für die immer größer werdenden Containerriesen vorweisen können.

Ein Urteil könnte alle Seiten aktiv werden lassen. Im besten Fall setzen sich Befürworter und Gegner zusammen und arbeiten Konzepte aus, die allen etwas Seitenstechen bereiten, mit denen man aber insgesamt leben kann und welche die Grundlagen für die Bewältigung des erneuten Auftauchens dieser Fragestellung in der nächsten Generation oder gar schon eher bereiten.

Dieser Limbo der Ungewissheit schadet jedoch allen Seiten, weil es viele durchaus gute Projekte sowohl für Wirtschaft als auch die Umwelt blockiert, auch solche, die man jetzt schon umsetzen könnte.

Das kann eigentlich keiner wollen. Insofern wäre ein baldiges Urteil Anlass zur Erleichterung – und Anlass für das Kommando Fahrt voraus.

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2 Antworten auf “Maschinen stop”

  1. Ich glaube nicht, dass das grounding der Sandnes was mit einer eventuellen Elbvertiefung bzw. Nichtvertiefung zu tun hat. Die Sandnes kam offensichtlich aus der Sietaswerft und wollte vermutlich eine „Ecke abschneiden“ um ein wenig schneller in das große Fahrwasser zu kommen. Tja, und da saß die Sandnes dann im Schlick fest. Das ist auch eine Frage der Höhe der Tide. Mag ja sein, dass bei normalen Verhältnissen dort genügend Wasser auf der Seekarte eingezeichnet ist. Da wir aber Wind aus östlichen Richtungen haben, läuft das Hochwasser nicht ganz so hoch auf in der Elbe. Da können wenige Zentimeter – oder nautisch gesagt: ein paar Zoll – ausreichen, um das Schiff zu stoppen.

    Der Hype, der um diesen Vorfall gemacht wird, und das Heranziehen des Falles Indian Ocean ist in meinen Augen völlig unangemessen.

    Irgendwer wird nun etwas länger auf seine Steine warten müssen. Die Sandnes war auf dem Weg nach Norwegen, sicherlich um dort Splitt zu holen um den mit dem Entlader selbsständig auf irgendeinen Lagerplatz zu spucken.

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    1. Unabhängig davon, ob es zu Recht oder Unrecht geschieht – die Sandnes ist als weitere der gut ein Dutzend Grundberührungen der letzten 24 Monate bemerkt und wird nun, da es auch noch so kurz nach der Indian Ocean passiert ist, in die Diskussion eingebracht werden. Selbst das „op Schiet lopen“ einer der Fähren der Verbindung Blankenese – Cranz ist schon mal angeführt worden, obwohl es da hauptsächlich um die generellen Probleme auf der Strecke ging.

      Aber auch ohne die beiden Grundberührungen der letzten Wochen wäre es nicht verkehrt, wenn langsam mal eine Entscheidung zur Elbervertiefung käme.

      Gefällt 2 Personen

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