One Note [Shopping] Samba

Der alltägliche Einkauf ist bekanntermaßen eine Aufgabe, vor der ich mich am liebsten drücken würde. Aber wat mutt dat mut, also füge ich mich dem Unvermeidlichen.

Gestern war ich in einem Stadtteil unterwegs, in den es mich nur selten zieht, weil einfach keine Veranlassung dazu besteht – niemand aus meinem Freundeskreis wohnt dort, keiner meiner Ärzte hat dort seine Räumlichkeiten und so weiter. Es war also purer Zufall, dass ich dort unterwegs war und auf einen Laden stieß, in dem ich einige benötigte Dinge kaufen konnte, ohne auf dem Heimweg den sonst nötig gewesenen Umweg zu nehmen.

Das Ladenlokal war hell und freundlich eingerichtet, die Gänge geräumig, das Warenangebot gut, keine Fahrstuhlmusik belästigte einen mit belanglosem Geträller aus den aktuellen Schlagerparaden. Ein Laden in dem selbst Einkaufsmuffel wie ich mich wohlfühlen könnten.

An der Kasse wurde es dann spukig. Man hätte den Kassierer für einen Roboter halten können, aber da wir hier glücklicherweise noch nicht so weit sind wie in Asien, wo es tatsächlich wie echte Menschen aussehende und agierende Roboter an Hotelrezeptionen oder Infoschaltern gibt, musste es sich tatsächlich um einen ausgewachsenen Homo sapiens, männlich, handeln.

Trotzdem führte er alle Bewegungen vollkommen mechanisch aus, er hielt die Augen stur auf seinen Kassenmonitor gerichtet, seine Mimik blieb unverändert und drückte keinerlei menschliche Regung aus. Selbst seine Lippen schienen sich kaum zu bewegen, wenn er sprach.

Und wie er sprach!

Im wahrsten Sinne des Wortes ohne Punkt und Komma nämlich, und sogar ohne Leerzeichen: „Guten-tag-haben-sie-eine-paybackkarte-nein-neunzehnfünfundneunzig-bitte-auf-zwanzig-und-fünf-cent-zurück-und-der-kassenbon-bitte-auf-wiedersehen-und-schönen-tag-noch.“ (Die Textformatierung hier lässt keine andere Darstellung zu, die Bindestriche daher im Geiste streichen.)

Alles auf der selben einen „Note“ (nennt man das beim Sprechen auch so?) vorgebracht, völlig mechanisch wie von einem Tonband, komplett emotionslos und ohne auch nur irgendeine Art von Kontakt oder Bindung zum Kunden aufzubauen. Wie die komplett computergenerierten Ansagen bei einigen Bussen und Bahnen.

Inhaltlich war da sicherlich alles drin, was man als Supermarktmitarbeiter im unternehmenseigenen Benimmkurs so mit auf den Weg bekommt, aber ansonsten…

Ganz unter uns: Da ist mir so ein knorriger, ursprünglicher Ruhrpott-Gnatzbüddel, der auch schon mal „Guten Tag“ und „Tschüß“ vergisst, dann doch um einiges lieber. Der ist in seiner schlechten Laune wenigstens ehrlich.