Wenn du geschwiegen hättest…

Mütter! Ihr habt gewonnen! Ich strecke die Waffen, und euer zufriedenes Grinsen beim Lesen dieses Artikels tragt ihr ebenso zu Recht wie das „Haben wir doch immer schon gesagt“, das gleichzeitig wie ein Newsticker durch ihre Gedanken zieht.

Denn ja, ihr habt es in der Tat schon immer gesagt – nur haben wir Onkel im Allgemeinen und wahrscheinlich wir schwulen Onkel im Besonderen das immer gerne ignoriert. Denn schließlich haben wir uns eingebildet, uns in diese ganz besondere Situation hineinfinden zu können. Die Schwierigkeit der Auswahl, die wohl überlegt sein will, denn schließlich hat man etwas ganz Besonderes vor, und da muss alles perfekt stimmen. Was ihr Mütter je nach Temperament und Erfahrungsschatz als „schwierig“, „zickig“ oder sogar „unausstehlich“ diagnostiziert, ist für uns Onkel nur das Zeichen einer Entscheidung, die jenseits jeden Zweifels getroffen werden muss. Fehler sind nicht zugelassen, und darum dauert es schon mal länger als, bis man sich entschieden hat. Eigentlich solltet ihr dankbar sein, dass man sich solche Gedanken macht.

Euer mütterliches „Ich werd‘ noch wahnsinnig!“ angesichts dieser Sorgfalt tun wir (schwulen) Onkel spöttisch lächelnd als maßlos übertrieben ab. Wir sind ja sooooo verständnisvoll. Bis zu dem Tag, an dem wir unsere große Fresse unseren unerschütterlichen Optimismus unter Beweis stellen müssen.

Dann stellt sich nämlich heraus dass das Gelaber des Onkels ist kein Zeichen von Verständnis, sondern völliger Ahnungslosigkeit ist. Sic tacuisses philosophus mansisses!*

So geschehen heute. Ich habe mich bekehren lassen müssen. Auf die harte Tour. In hundertachtzig Minuten bin ich um ebenso viele Jahre gealtert. Und darum hisse ich nun die weiße Fahne.

Ach so – vielleicht sollte ich noch rasch sagen, was mich zu dieser Erkenntnis gebracht hat. Ich war heute zum Shopping. Ein Konfirmationskleid. Mit meiner Nichte und für dieselbe. Einem dreizehnjährigen weiblichen Teenager. In der Pubertät.

Noch Fragen?!

 


* lat: Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben

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