The Leser sings the Blues

Nach solchen Tagen wie den vergangenen vier ist der Montagsblues doppelt so schlimm wie an einem völlig verregneten langen Wochenende: Tagsüber Sonne satt und die Abende schon so lau, dass man auch ohne dicken Pulli fast bis Mitternacht draußen sitzen konnte. Mal abgesehen von meiner morgendlichen Laufrunde und ein paar kleinen Aktivitäten wie einem Trödelmarktbesuch und auswärts essen gehen anlässlich des Geburtstages meines Mannes gestern Abend habe ich an diesem Wochenende auch nix anderes getan. Einfach auf dem Balkon sitzen, die Ruhe genießen und lesen.

Okay, so ganz stimmt das nicht. Am Sonnabend hatte ich nämlich ein Problem: Eine ganze Bibliothek voll „nichts zu lesen“.

Ich bin kein typischer Serienleser, eigentlich verfolge ich nur zwei. Neben Peter Robinsons DCI Alan Banks ist das vor allem die Serie mit Boris Meyns historischen Hamburgkrimis um die Familie Bischop: Commissarius Hendrik Bischop ermittelt in den ersten drei Bänden, die zwischen 1847 und 1886 spielen, und ebenfalls in Band drei sowie allen folgenden bis derzeit 1918 geht sein Sohn, der Advokat Sören Bischop, üblen Geschehen nach.

Ich mag diese Serie unheimlich gerne, weil sie die fiktiven Kriminalfälle in reale Begebenheiten aus Hamburgs Geschichte einwebt, wie dem Bau der Speicherstadt 1886, der großen Choleraepidemie von 1892 oder den letzten Monaten des Baus der Hochbahn um 1912. Die Figuren sind großartig ausgestaltet, und Boris Meyn zeichnet sowohl die Atmosphäre jener Jahre als auch die damalige Geographie der sich ständig verändernden Metropole Hamburg so genau wie möglich nach. Auch wenn man die Täter und ihre Motive am Ende kennt – diese Bücher sind für mich Krimis, die man gerne öfter lesen kann.

Genau das mache ich jedes Mal, wenn ein neuer Band vorangekündigt wird: Dann lese ich die komplette Serie noch einmal, um bei der neuen Story wieder richtig „drin“ zu sein. So habe ich mich dann in den letzten zwei Wochen über Band 1 bis 6 wieder in die Familie Bischop eingefunden. Ich hatte gedacht, ich würde über das komplette lange Wochenende versorgt sein, doch dann kam das gute Wetter: Band 5 habe ich am Donnerstag, dem Feiertag, gelesen, Band 6 am Freitag, und mit dem neuen Band 7, Elbtöter, war ich am Sonnabendnachmittag durch.

Danach hätte ich gerne sofort ein weiteres Buch gelesen, aber gerade bei besonders guten Stories, in die man so richtig tief eintaucht, ist da nach der letzten Seite so eine Leere, so ein richtiger Und was soll ich nu‘ lesen?-Blues: Man streunt ziellos durch die Bude, bleibt mal vor diesem Bücherregal stehen, mal vor jenem. Denn alles was man jetzt in die Hand nimmt, wird nach den ersten drei Seiten wieder weggelegt, weil es einfach nicht das Richtige ist.

Genau das war nach dem Ende von Elbtöter der Fall. Ein Luxusproblem, ich weiß – aber übers Jahr ist man mit echten Problemen mehr als ausgelastet, da darf man sich ruhig auch mal so etwas Trivialem hingeben. Es hat dann auch fast bis Sonntagmittag gedauert, ehe ich endlich ein Buch gefunden hatte, das würdig genug erschien, um als erstes die Wartezeit bis zum nächsten Bischop-Krimi überbrücken zu helfen…

Bleibt nur die Frage, wer da am Ende das schlechtere Timing hatte – ich oder das Wetter. Ich tippe mal auf das Wetter, denn wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist ja auch die Badehose schuld!

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3 Antworten auf “The Leser sings the Blues”

  1. Ja … manchmal ist da ein ganzer SuB, und auf nix davon hat eine richtig Lust. In der Regel ist das bei mir ein Zeichen, dass ich dringend eigene Inhalte produzieren sollte.

    Gefällt 3 Personen

  2. Bei dem Text über Plege hat sich mein Magen wieder zusammengezogen. Ürgs.
    Wie Recht du hast: Es gibt Schlimmeres als kein passendes Buch.
    Aber mir geht es auch immer wieder so, dass ich nach bestimmten Büchern nicht einfach zum nächsten greifen kann.

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