Da biste platt

Man ist ja so misstrauisch geworden. Bei gefühlt zwanzig Sendungen in Funk und Fernsehen pro Tag, die uns darauf aufmerksam machen, wie hundsgemein wir an jeder Ecke abgezockt, betrogen, belogen, vulgo: von vorn bis hinten besch*ssen werden, mag man kaum noch etwas glauben.

Dreht sich das Messer in der Küchenmaschine auch wirklich 1.000 Mal pro Minute und nicht nur 998 Mal?

Kommt das malische Oasenhuhn tatsächlich von dort und ist nicht nur ein ganz gewöhnlicher Bergischer Kräher aus Wuppertal, der lediglich ein Flugzeug gepackt wurde, das die Landebahn in Timbuktu fünf Sekunden berührt hat, ehe der Pilot wieder Schub auf die Triebwerke gab und zurück nach Düsseldorf flog?

Die absolute Sicherheit gibt es bei gar nichts, und man sollte eigentlich viel öfter auf die eigene innere Stimme hören. Ist doch erschreckend, dass es scheinbar notwendig ist, derlei Sendungen in solchem Übermaß auszustrahlen, weil kaum noch jemand in der Lage ist, eigene Entscheidungen in einer guten Kombination aus Lebenserfahrung, Bauchgefühl und eingeschaltetem Verstand zu treffen, oder?

Aber selbst wenn man sich erfolgreich den ganzen Verbrauchersendungen mit ihren penetrant besserwisserischen Moderatoren verweigert, schnappt man dennoch einiges en passant auf und lässt sich wider besseres Wissen manchmal auch davon beeinflussen. Mea culpa.

Ich hab‘ mir gar nichts dabei gedacht, als ich vor ein oder zwei Jahren zum ersten Mal Plattpfirsiche vom Einkaufen mitgebracht habe. Ich fand sie von der Form her einfach witzig. Doch nach und nach kamen die Dinger immer mehr in Mode. In jedem Prospekt war zu lesen, dass sie deutlich schmackhafter seien als die normalen Pfirsiche. Etwas, dass ich durchaus bejaht habe. Im Nachhinein kann es aber auch Einbildung gewesen sein.

Denn in dieser Woche habe ich mich im Supermarkt vergriffen. Oder eine Obstkiste in der entsprechenden Abteilung war falsch gepackt. Wie auch immer. Jedenfalls ging ich zur Kasse in der festen Überzeugung, zwei Schalen Plattpfirsiche gekauft zu haben. Zuhause richtete ich sie dann in einer Obstschale an. Dabei schnackte ich mit meinem Mann und war entsprechend abgelenkt. Zur abendlichen Lesestunde nahm ich mir zwei Stück. Der erste war wie immer. Der Biss in den zweiten hingegen merkwürdig. Der Pfirsich war viel zu glatt, hatte nicht diese angenehm pelzige Haut, die man allgemein mit Pfirsichen verbindet. In der Annahme, einen verdorbenen erwischt zu haben, sah ich mir das gute Stück näher an. Kein Zweifel, das war gar kein Plattpfirsich. Aber er hatte doch ganz genau so geschmeckt – bis auf die Sache mit der Haut.

Eine Untersuchung der Verpackungen ergab, dass ich eine Schale Plattpfirsiche und eine Schale Plattnektarinen erwischt hatte. Nur hatte ich Nektarinen geschmacklich und auch vom Fruchtfleisch her anders in Erinnerung.

Wie gesagt – man ist über die Jahre misstrauisch geworden. Allmählich glaube ich, dass Plattpfirsiche ganz gewöhnliche Pfirsiche sind, die man mit einer Bügelstation bekannt gemacht oder durch die entsprechend eingestellten Walzen einer ausrangierten Wäschemangel gejagt hat. Über einige ist man zusätzlich mit dem Ladyshaver drübergegangen, um sie als Plattnektarinen loszuwerden.

Wenn ja – wie weit soll das noch gehen? Vielleicht bringen wir eines Tages unsere Plattwassermelone im Pizzakarton nach Hause…

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