Gin!

Saftschubser. Dieser despektierliche Begriff ist bei Flugbegleitern aus verständlichen Gründen nicht wirklich gern gehört, doch ich darf ihn verwenden. Nämlich bei einem guten Freund, der sich a.) selbst so bezeichnet und mich b.) in den exklusiven, handverlesen Kreis jener aufgenommen hat, die ihn so nennen dürfen, ohne eine Kopfnuss dafür zu bekommen.

Als Saftschubser kommt er viel herum und hat dadurch immer wieder mal Mitbringsel dabei, wenn er auf einen Kaffee vorbeischaut. Das kann eine CD aus Kopenhagen für meine Skandinaviensammlung sein (die ich natürlich selber bezahle), aber auch Marabou-Schokolade aus der selben Stadt, Shortbread aus Edinburgh, Tulpen Vanille Vla aus Amsterdam und kostenlose Herrenparfümpröbchen aus dem Duty Free Shop. Gelegentlich gibt es auch diese kleinen Portionsfläschchen mit Spirituosen aus der Flugzeugkabine selbst, mit denen sich man sich einen turbulenten Flug schönsaufen kann. Da kein Mensch soviel Hochprozentiges, wie ich bräuchte, um mir einen Flug schönzusaufen, lebendig überstehen kann und ich mich daher wohl niemals par avion irgendwohin verschicken werde, hat sich da in den Jahren eine kleine Minibar bei uns angesammelt.

Manchmal gibt es jedoch etwas zu feiern, wobei es nicht ganz einfach ist, diesen Anlass zu begießen, wenn a.) keine Flasche Sekt mehr im Haus, b.) Feiertag und c.) man zu geizig für die Preise an der Tanke ist. Doch dann besinnt man sich auf die Geschenke des Saftschubsers und öffnet zum ersten Mal in seinem Leben einen Gin.

Laut Noël Coward besteht die beste Verwendung für Gin darin, diesen in ein großes Glas zu füllen und selbiges vage in Richtung Italien zu schwenken, um so den perfekten Martini zu erschaffen.

Laut mir besteht die beste Verwendung für das Zeug darin, nach dem ersten Probenippen laut „Yuarch!“ zu rufen, den Rest im Klo zu versenken, und mit dem strikten Vorsatz, Gin nur noch in Form von Gin Rommé zu dulden, doch für ’ne überteuerte Buddel Sekt zur Tanke zu gehen.