Ist diese Ehe noch zu retten?

Moin!

Am vergangenen Sonnabend war wieder Plattdüütschtag hier im Blog, und um die nicht-platten Leser nicht länger warten zu lassen, gibt’s heute die hochdeutsche Übersetzung. Viel Spaß!


Ich hab‘ meinen Mann ja wirklich von Herzen lieb, aber manchmal treibt er mich wirklich beinahe in den Wahnsinn. In der Küche, zum Beispiel. Bei der normalen deutschen Hausmannskost muss ich mir keine Sorgen machen. Auch seine Pizza, die besser schmeckt als die von unserem Lieblingsitaliener, lässt mir nicht das Hemd im Dreieck stehen. Er ist ein wunderbarer Koch. Wirklich. Aber sobald er etwas ganz besonderes für uns zaubern will, wird mir ziemlich plümerant. So etwas wie Blahnüng (das hat nichts mit der Verdauung zu tun, sondern heißt einfach „gedämpfter Fisch“) oder Phadpaglpliawwan (gebratenes Gemüse mit Ananas) aus Thailand, zum Beispiel.

Auch sowas kann er allerbest. Aber seine Freude, dass er sich mal so richtig in unserer Küche austoben kann, nimmt dann so schier überhand, dass er irgendwann ein bisschen zu übermütig wird und – zack! – ist das Malheur groß: Er hat sich verbrannt, sich den schweren gusseisernen Topf von Oma auf den Fuß fallen lassen oder ganz fies mit dem Messer geschnitten. Ich muss ihn dann natürlich verbinden, und ein oder zwei Mal habe ich ihn sogar auch in die Notfallambulanz des nächsten Krankenhauses bringen müssen.

Inzwischen mache ich mir gelegentlich den Spaß und ziehe meine besten Sonntagsklamotten an, wenn er kocht. Dann lege ich mir noch eine weiße Serviette über den linken Arm und stelle mich mit einem Silbertablett neben ihn. Auf diesem Tablett habe ich so etwas wie Desinfektionsspray, Tupfer, Jodsalbe, Pflaster, eine Schere, ein Dreieckstuch oder sogar das Telefon mit der 112 bereits eingetippt liegen, so dass ich im Fall eines Falles nur den Knopf mit dem grünen Hörer drücken muss.

Er findet das gar nicht lustig.

Ich schon.

Aber der Hochmut kommt ja immer vor dem Fall. Neulich habe ich mich mal geschnitten. Und dann auch noch bei so etwas Blöden wie dem Abtrocknen eines Messern. Die Meinungen, wie schlimm meine Verletzung ausgefallen ist, gehen weit auseinander. Mein Mann sagt, dass ist bloß ein kleiner Schnitt gewesen, dass so gerade eben Blut gekommen ist. Ich sage, dass ich haarscharf an einer Amputation meines Daumens vorbeigeschrammt bin. Ich habe dem Tod ins Auge geguckt!

So oder so – mein Mann hat mich verbunden. Danach ist mir durch den Schreck ziemlich kalt gewesen, und weil die wärmsten Jacken nun mal die Cognacen sind, habe ich mir einen davon gegönnt.

Und was macht mein Mann? Statt mich zu bedauern oder zu sagen „Schnuggi, bleib du man hier in der Küche sitzen und erhol dich. Ich bring dir deinen Cognac“, lässt er mich meinen kleinen Schluck für den Kreislauf selbst holen. Und damit nicht genug! Er ruft mir noch hinterher: „Bringst du mir auch ein Glas auf den Schrecken mit?“

Und das ist der Mann, der mir mal die Sterne vom Himmel holen wollte!