Männer lesen keine Bedienungsanleitung

Schon gar nicht, wenn es um Geräte geht, die man nur ein einziges Mal technisch einrichten muss und die dann (hoffentlich) auf ewig so laufen. Wenn doch, vergessen sie das Gelesene gleich wieder. Sie brauchen’s ja nicht mehr. Denken sie!

Spülmaschine, Wäschetrockner… im letzten Jahr ist so einiges bei mir und meinem Mann koppheister gegangen, die Stammleser erinnern sich gewiss. Die Spülmaschine konnte noch einmal für ein paar Wochen eine spontane Selbstheilung verzeichnen, aber dann war wirklich finis.

Wir hatten da wirklich eine ganz große Serie gezogen und in Folge dessen aus Kostengründen nur die Must haves ersetzt. Die Nice to haves, also die Spülmaschine und der Wäschetrockner sind bis heute nicht ersetzt worden, und das wird wohl auch so bleiben. Die Wäsche wird auf der Leine auch trocken, und auch wenn ich die Dame von der WDR-Haushalts- und Verbrauchersendung wegen ihrer nervtötenden Annie Get Your Gun-Attitüde („Alles was du kannst, kann ich viel besser“) auf den Tod nicht ausstehen kann, hat sie doch Recht damit gehabt, dass Wäschetrockner Klamottenfresser sind. Man braucht sich doch nur mal das Flusensieb anschauen… Seit ich die Plünnen nur noch auf der Leine trockne, habe ich jedenfalls viel weniger Stress mit durchgescheuerten Sachen, Löchern und anderen Beschädigungen. Die Klamotten halten länger.

Auch die Spülmaschine vermisse ich inzwischen überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil. Ich freue mich regelrecht auf die abendliche Spülstunde nach dem Abendessen. Dabei höre ich meine Lieblingsradiosendung und kann richtig schön entspannen.

Das wichtigste Argument gegen die Wiederinbetriebnahme dieser beiden Nice to haves ist aber vor allem unsere Stromabrechnung – wir haben fast dreihundert Euro zurückbekommen, die wir künftig per se einsparen. Und die Verringerung unseres CO2-Fußabdrucks ist auch nicht zu verachten.

Das Aus dieser Nice to Haves war also ein absoluter Gewinn.

Schlimm wird’s nur, wenn dann doch wieder die Uhr für ein Must Have im wahrsten Sinne des Wortes abläuft. Gestern war Großputz angesagt – unter anderem habe ich den Herd von der Wand gezogen, um dahinter mal wieder richtig klar Schiff zu machen. Richtig mit Gasschlauch (für oben) und Stromkabel (für den Backofen) abziehen, damit ich in der Ecke genug Platz hatte. Danach alles wieder anschließen, einstöpseln, ranschieben.

Zufrieden mit meinem Werk beschloss ich, mir zum Abendessen die Kohlehydratesünde einer Pizza zu gönnen. Also den Backofen zum Vorheizen eingeschaltet. Nix. Stecker gecheckt. Steckte richtig in der Dose. Sicherungskasten geprüft. Alles in Ordnung. Außerdem bekam die Uhr in der Knopfleiste Strom.

In diesem Moment wurde ich zu Scarlett O’Hara und schwor, nicht zu hungern. Die Pizza kam dann vom Laden um die Ecke. Scarlett O’Hara zum zweiten: Morgen ist auch noch ein Tag – also verschob ich die Finanzplanung für Reparatur oder ggf. eine Neuanschaffung.

Oh, die Uhr am Herd blinkte ja noch und die Uhrzeit war auch noch nicht eingestellt. Eigentlich egal, wo das Ding ja sowieso in’n Dutt war. Aber auf Dauer macht einen das Geblinke ja ganz rappelig. Also in die Knie gegangen und die Uhr gestellt. Ersten Knopf gedrückt. Irgendwo im Herd klickte ein Relais. Wie von Geisterhand sprang der Backofen an, dessen Knopf ich nicht wieder auf 0 gedreht hatte, und begann munter zu heizen.

Woher, zum Teufel, sollte ich wissen, dass der Backofen eine korrekt eingestellte Uhr brauchte um zu funktionieren?

Keine Antwort auf rhetorische Fragen, bitte!

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