Die Neue in unserem Leben

Sie wohnt jetzt schon ein paar Wochen bei uns, aber eigentlich hat sie gleich am ersten Tag unser Herz erobert. Dabei war ihr Einzug gar nicht bei uns geplant, denn eigentlich haben mein Mann und ich uns selbst genügt. Wenn wir es gemeinsam taten, hatte das so etwas entspannendes, fast schon tiefenphilosophisches. Wir schnackten und fanden dabei Lösungen für viele der Probleme unserer Zeit, wir machten auch Witze dabei oder führten – sofern es nötig war – auch die ein oder andere konstruktive Manöverkritik zum ehelichen Miteinander.

Außerdem gab es gute Gründe, es weiterhin alleine zu machen – allein schon das diesjährige Bonbon für unser ganz privates Finanzministerium war ein regelrechtes K. O.-Argument in Bezug auf die neue Mitbewohnerin.

Aber man wird älter, und gerade am Ende eines langen Tages schraubt man sich inzwischen doch etwas öfter als zuvor mal den Satz heraus „Heute nicht – ich hab‘ Rücken“, wobei das letzte Wort bei Bedarf wahlweise durch „Kopfschmerzen“, „noch was anderes zu tun“ oder das der Wahrheit am nächsten kommende „keine Lust“ ersetzt werden kann.

Als Freunde von uns ihre langjährige Mitbewohnerin auf Altenteil schicken wollten, um sie durch eine jüngere zu ersetzen, entschieden mein Mann und ich nach kurzem Überlegen, uns als Anbieter des Platzes für ein Gnadenbrot mildtätig hervor zu tun, und so kam sie in unser Haus.

Eben weil sie nicht mehr die Jüngste ist, sollte sie auch nur in Teilzeit bei uns arbeiten, an Wochenenden und Feiertagen etwa, damit gerade an diesen Tagen ein bisschen mehr Zeit für unsere eigenen Mußestunden bliebe.

Doch sie ist so fleißig und eifrig, dass wir es nicht mit unserem Gewissen vereinbaren können, sie nur an zwei von sieben Tagen ihren Job machen zu lassen. Was rastet, das rostet heißt es schließlich, und wir wollen nicht, dass sie sich zu Tode langweilt.

Wir wissen übrigens nicht, welchen Namen sie bei ihren letzten Herrschaften hatte. Aber aus viktorianischen Romanen wissen wir, dass die so genannten Herrschaften durchaus dazu neigten, selber Namen zu vergeben: „Ihre Mutter mag Sie Paulette getauft haben, aber in unserem Haus dulde ich keine Namen wie aus einem französischen Tingeltangel! Solange Sie in unseren Diensten stehen, werden Sie auf den Namen Harriet hören!“

Und so haben wir unsere neue Mitbewohnerin Ruby genannt. Sie erinnert uns nämlich ein bisschen an Ruby aus der Fernsehserie Upstairs, Downstairs (Das Haus am Eaton Place): Nicht die hübscheste, nicht die cleverste, aber ehrlich und fleißig, und sie hat irgendetwas an sich, weswegen man sie einfach gern haben muss.

Ruby ist unsere neue Spülmaschine.

 

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags verwendet Motive aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay, die sich sich unter dem Vermerk  CC0 der Creative Commons in der Public Domain befinden.

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