Das fängt ja gut an!

Keine Sorge, ich habe euch nicht vergessen, liebe hochdeutsche Leser. Hier ist sie – die Übersetzung des plattdeutschen Artikels vom vorletzten Montag. Viel Spaß!


Moin. Silvester gut überstanden?

Ich weiß nicht, wie es bei euch gewesen ist, aber bei uns hat es sich so angefühlt, als ob zweitausendundsechzehn nach all dem Trubel und Krakeel noch was gutmachen wollte. Es ist ein richtig kommodiger Abend bei mir und meinem Mann gewesen. Zuerst haben wir nett zu Abend gegessen, dann ganz nostalgisch bei einem Glas Wein im Wohnzimmer auf dem Boden vor der Musiktruhe gelagert und alte Schallplatten gehört, und um Punkt 21:45 Uhr haben wir den Fernseher für Tratsch im Treppenhaus aus dem Ohnsorg Theater angemacht. Die neue Inszenierung aus zweitausendundsechzehn mit Heidi Kabels Tochter Heidi Mahler in der Hauptrolle. Das ist wirklich schön gewesen – diese neue Version braucht sich wirklich nicht hinter dem Klassiker von neunzehnhundertsechsundsechzig zu verstecken.

Dann hat es Mitternacht geschlagen, wir haben mit Sekt angestoßen und uns alles Gute für zweitausendundsiebzehn gewünscht. Ganz ruhig und entspannt.

Wir sind auch kurz beim Feuerwerk draußen auf der Straße gewesen, aber das hat bloß ein paar Minuten gedauert. Das ist einfach nicht mehr schön. Früher sind die Leute, die vorher ganz für sich auf ihren Parties gefeiert haben, um Mitternacht auf der Straße zusammengetroffen, haben zusammen Sekt getrunken, zusammen gelacht und so weiter. Jetzt bleibt jede Gruppe für sich und beschäftigt sich ausschließlich mit der Knallerei. Das größte, das beste, das teuerste Feuerwerk. Das ist im Grunde nichts andere als früher der Schwanzgrößenvergleich bei den Jungs unter der Dusche in der Schulturnhalle. Der einzige Unterschied bei der Feuerwerkerei ist, dass die Frauen da auch mitmischen.

Das ist nichts für uns gewesen, als so sind wir rasch wieder rein in unsere Wohnung, haben noch ein, zwei Gläser Sekt getrunken, ein bisschen an die schönen Momente des alten Jahres zurückgedacht und sind dann in die Buntkarierten gegangen. Zufrieden und dankbar dafür, dass es an Altjahrsabend doch noch richtig fein und schön geworden ist.

Ganz beseelt sind wir eingeschlafen, und das bin ich auch noch gewesen, als ich irgendwann wach geworden bin. Naja, ein bisschen doof war es schon, weil ich gerade noch so schön von einem Rendezvous mit meinem Lieblingssänger Rasmus Walter in Kopenhagen geträumt habe, aber was soll man machen? Wenn du Durst hast und nichts kriegst, bringt dir auch der tollste Mann nichts. Da bist du nur auf deine Urinstinkte reduziert.

Also bin ich aufgestanden und mit halb geschlossenen Ankerklüsen (= Augen) in die Küche getapst. Ohne Licht, den Weg zum Kühlschrank finde ich auch im Dunkel. Bloß für die Flasche mit dem Mineralwasser, natürlich! Was denkt ihr denn?!

Jedenfalls habe ich gleich beim ersten Schritt in der Küche gemerkt: Hier läuft was falsch.

Licht an.

Och, nööööööö!

Der Abfluss von unserem Spülbecken, in dem ich vor dem Schlafengehen noch ein paar Sache eingeweicht hatte, ist undicht gewesen. Zuerst ist das Wasser Tropfen für Tropfen in den Schrank darunter gekleckert, und dann hat es sich seinen Weg auf den Küchenfußboden gesucht.

Na, toll. Gerade bin ich noch in Kopenhagen gewesen, und nun stehe ich mit barfuß mit beiden Tretern in der Lagune von Venedig!

Tja, Kinder: Was heißt „Katastrophe“ auf Plattdüütsch?

Wißt ihr nicht?

Ganz einfach: „Nützt ja nichts!“

Also habe ich mitten in der Neujahrsnacht um halb vier in der Küche gestanden, den Abfluss repariert und die erste Flut des neuen Jahres aufgewischt.

Aber soll ich euch was sagen?

Solange man darüber und dabei noch lachen kann, ist das alles gar nicht so schlimm!

Frohes neues Jahr für euch alle da draußen!