Labskaus, Aszendent Schreibmaschine

So wie die heutige Überschrift lautet in etwa für gewöhnlich die Antwort, wenn jemand versucht, mich in ein in ein Gespräch um im siebten Haus, zweiter Stock, dritte Tür links (bei Uranus klingeln) stehende Monde zu verwickeln und zunächst nach meinem eigenen Sternzeichen befragt. Leider kann ich mit Astrologie nicht wirklich was anfangen, und obwohl vun’t Dörp stammend, haben selbst Bauernregeln für mich allenfalls Unterhaltungswert: „Kotzt die Kuh auf deinen Knecht, war das Heu wohl ziemlich schlecht.“

Trotzdem habe ich mich gefreut, als ich vor einer ganzen Reihe von Jahren zu meinem… nein, nicht Vierzigsten, sondern Fünfunddreißigsten ein ausführliches Geburtshoroskop geschenkt bekam. Für eine möglichst korrekte Analyse meines kosmischen Ichs musste ich nicht nur meinen Geburtstag angeben, man wollte sogar die Geburtsstunde wissen und wo genau man meine Mutter von ihrem Übergepäck befreit hatte. Zum Glück reichte die postalische Adresse des Krankenhauses völlig aus, war ich doch damals viel zu sehr dem ersten Schrei an sich beschäftigt gewesen um mir auch noch merken zu können, ob ich selbigen nun hinter Tor im Kreißsaal 1, 2 oder 3 getan hatte.

Zwei oder drei Wochen nach Absenden des Gutscheins mit den von mir zur Verfügung gestellten Daten trudelte ein DIN A4-Umschlag mit mehreren sehr eng beschriebenen Seiten Papier ein. Tja, was soll ich sagen… Da hatte es tatsächlich jemand geschafft, nur anhand meiner astrologischen Daten ein so akkurates Profil meiner Person und der mir bis dahin widerfahrenen großen Lebensereignisse zusammenzustellen, dass dies wirklich einiges mehr hergab, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt (vgl. hierzu Shakespeare, Hamlet, 1. Akt, 5. Szene) und ich es monatelang für mich behielt. Ich war einfach zu beeindruckt.

Es gab noch einen anderen Grund, den Inhalt des Geburtshoroskops tunlichst vor einer größeren Öffentlichkeit zu verbergen. Schon vorher hatte ich mir nämlich immer wieder anhören müssen, wie typisch mein Charakter doch zu meinem Sternzeichen passe: Widder. Ich bin u. a. also angeblich stur, energiegeladen wie tollwütiges Frettchen und will mit dem Kopf durch die Wand (Stimmt überhaupt nicht – und wer was anderes behauptet, kriegt Ärger, jawollja!) gepaart mit weiteren Dingen, die man auch einem anderen Sternzeichen nachsagt, nämlich dem Stier.

Und jetzt wird’s spukig. Laut besagtem Horoskop liegt mein Geburtstag zwar am letzten Tag des Widder, aber zu meiner Geburtsstunde stand der Mond bereits im Stier, so dass ich quasi beides bin. Mehr noch: Ein Exkurs in asiatischer Sternkunde wies mich darauf hin, obendrein im chinesischen Zeichen des Büffels geboren zu sein. Widder, Stier, Büffel: Was für eine Kombi! Darauf wird gleich noch zurückzukommen sein.

In einem einzigen Punkt lag das Horoskop allerdings so richtig daneben: Für mein Liebesleben wollte es mir beharrlich eine Partnerin andrehen, was zeigte, dass eben nicht alles in den Sternen steht. Man könnte auch sagen, ich bin nicht im Zeichen irgendwelcher Sterne geboren, sondern des Regenbogens. Womit wir wieder bei dem schönen Thema Klischees wären, in denen bekanntlich auch immer ein Kern Wahrheit steckt. Darum bekenne ich mich absolut schuldig, wenn man mir nachsagt, u. a. ein Faible für Geschirr zu haben. Mit meiner nordischen Reserviertheit geht es mir zwar völlig ab, beim Anblick eines besonders schönen Dekors entzückt aufzukreischen, aber wenn ich es haben will, dann will ich es auf Teufel komm raus haben!

Im Moment bin ich ganz scharf auf ein altes Kaffeegeschirr der Manufaktur Winterling aus Röslau, das es einst in meinem Elternhaus gegeben hat. Eine Tasse und eine Untertasse gibt es noch, und in Zeiten von Internet, Suchmaschinen und Digitalfotografie sollte es doch ein leichtes sein, den Namen der Serie und des Dekors ebenso herauszufinden wie eine Bezugsquelle.

Pustekuchen. Seit einer Woche jage ich diesem Geschirr vergebens hinterher. Vielleicht kennt sich ja einer der geneigten Leser hier ein wenig aus und kann sachkundige Hinweise zum Namen der Serie und des genauen Dekors geben?

"Unser heutiger Suchbegriff stellt sich vor..."
„Unser heutiger Suchbegriff stellt sich vor…“

Wäre schön, wenn sich da was ergäbe. Wenn nicht, ist das auch nicht tragisch, bedeutet aber, dass ich an der Sache dranbleiben werde. Selbst wenn es sich ergeben sollte, dass dieses Geschirr selbst 2nd Hand partout nicht mehr zu bekommen ist, will ich zumindest wissen, wie es heißt. Ich bin dann wie ein Terrier, der nicht von seiner Beute lassen kann. Dadurch weiß ich jetzt auch, woher die Redensart „Er hatte Augen so groß wie Untertassen“ kommt. Dieses Mienenspiel nimmt man nämlich an, wenn man sich mit der Sturheit und Ausdauer eines büffeligen Widder-Stieres stundenlang durchs Web klickt und auf keinen grünen Zweig kommt!

 

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

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10 Antworten auf “Labskaus, Aszendent Schreibmaschine”

  1. Bei uns war der Mister der Porzellanfreak und ich muss passen. Was ich machen würde, wäre mich an Winterling wenden. Wenns das nicht mehr gibt, können die dir zumindest den Namen sagen.
    Btw. Steinböcke haben auch Hörner und es auch in sich.
    Und: jetzt hab ich Bock auf Labskaus 😮

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        1. Ja, Sechziger Jahre stimmt. Meine Eltern haben im Januar 1970 geheiratet, und das Geschirr gehörte zur Aussteuer. Es wird also spätestens im Dezember 1969 gekauft worden sein.

          Ich bleib‘ da auf jeden Fall dran, weil gerade das gezielte Dekor es so spannend macht. Reinweiß und mit einem hellblauen Girlandenmuster habe ich dieses Geschirr nämlich mehrmals gefunden (wenn auch da wie gehabt nur als „Winterling“ gekennzeichnet und ohne Nennung von Serie und Dekor). Doch dieses blau-graue Kringelmuster wie auf der Untertasse abgebildet ist mir bisher noch nicht begegnet.

          Ist auf jeden Fall spannender als der Sonntagskrimi im Fernsehen! 😉

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          1. Ich kenne das! Ich beiß mich bei sowas auch immer fest. Man nennt mich auch Pittbull 😉
            Auch wenn ich von Porzellan keine Ahnung hab: Hauptsache meine Stilkunde lässt mich nicht im Stich 😀

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    1. Eben…. Ich hatte bei meiner Sucherei zwischendurch auch immer wieder mal ein Geschirr dazwischen, das es in unserer Familie auch gibt. Das ist sogar noch so vollständig, dass ich damit zumindest eine kleine Frühstückspension betreiben könnte. Damals wurde ja geklotzt, nicht gekleckert: Für 18 Personen ist alles da.

      Nur: Dieses Geschirr ist nicht von Winterling, auch nicht von Eschenbach – sondern von Seltmann Weiden. Und selbst das 6 Personen Kaffeegeschirr „für gut“ von meiner Uroma wurde mir angezeigt. Das ist übrigens von noch wieder einem anderen Hersteller.

      Das ist dann *auch* wieder spukig. Woher kennen die Suchmaschinen den Geschirrgepflogenheiten meiner Ahnen?!

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  2. In Sachen Porzellan bin ich leider keine große Hilfe weder Google noch mein Verstand können mir weiterhelfen, da ich meinen Tee stets aus dem selben Star Wars Becher trinke und mein Essen grunsätzlich direkt aus dem Topf oder der berühmten Tupperdose verzehre….

    Könnte man nicht mal bei einem Antiquitätenhändler nachfragen?

    Ps: Die Kombi Widder, Stier, Büffel ist allerdings wirklich ähm stur…
    Da habe ich mit Krebs, Fisch und Tiger noch Glück 😉

    Auch Viel Glück bei der weiteren Suche!

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    1. Das mit dem Antiquitätenhändler steht auf meiner To Do-Liste für diese kleine Detektivarbeit. Muss bloß zuerst recherchieren, welcher dafür am besten geeignet ist. Diejenigen, die mir hier im Quartier spontan einfallen, sind entweder eher klassische Haushaltsauflöser, die mehr in Bausch & Bogen an-/verkaufen oder so edel, dass sie zu sich selber Sie sagen… 😉

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