Die Sache mit dem Schuster und dem Leisten

Shop Local – ein tolles Konzept. Man unterstützt die alteingesessenen lokalen Einzelhändler, und wenn man mangels solcher doch zum Filialisten muss, hilft man zumindest den Arbeitsplätzen in der Region. Darüber hinaus – ein Ei, das nur 5 Kilometer vom Bauernhof im Vorort zum Markt und dann von mir per pedes nach Hause getragen wird, lässt (zumindest in Form eines beruhigenden Placebo-Effekts für das schlechte Gewissen) den eigenen CO2-Fußabdruck besser dastehen als eines, das hunderte von Kilometern durch die Weltgeschichte kajohlt wird, bevor es auf meinem Frühstückstisch landet.

Doch was macht man, wenn der lokale Einzelhandel so gar nicht unterstützt werden will? Gestern war ich zwecks Besorgung eines Buches unterwegs. Kein ausgefallenes, sondern eins von der aktuellen Bestseller-Liste. Die Leseprobe im Internet hatte mir ausgesprochen gut gefallen, und der Onlinehändler hatte trotz eines angezeigten – wie ich fand – beruhigenden Vorrats von noch 45 Exemplaren geraten, möglichst schnell zu bestellen, und mit einer Lieferung über Nacht, also von gestern auf heute, gelockt. Aber Shop Local und so…  Das hatte bei mir einfach Priorität vor Schnelligkeit, und außerdem: Bestseller. Der dürfte ja wohl bei den lokalen Bücherhökern vorrätig sein.

Von wegen. Nirgends war das verflixte Buch zu bekommen, und die kürzeste Wartezeit für eine Bestellung sollte neun Tage betragen.

In einem Fachgeschäft für Bücher – zumindest behauptete das Schild über der Ladentür tollkühn, es handele sich um eine echtes solches – wurde mir doch tatsächlich allen Ernstes gesagt, der Platz in einem Ladengeschäft sei schließlich begrenzt, und man könne auch bei den Bestsellern nun wirklich nicht alle auf Vorrat halten.

Ein weit schweifender Blick durch das ganze Ladenlokal fiel auf mehrere Tische mit Spielwaren. Die Sachbuchabteilung bot nicht nur Gedrucktes über Schiffe, Flugzeuge oder Autos – nein, sogar das Material, um sie nachzubauen, war vorrätig (Gott sei Dank nicht in Originalgröße). In der Kochbuchabteilung waren mehr Töpfe, Topflappen, Schürzen, Salatschüsseln, Schneebesen etc. zu sehen als schriftlich niedergelegte und in Leinen oder sonstwie gebundene Rezeptquellen für die in den genannten Kochutensilien zuzubereitenden Speisen. Eine bunte Auswahl an Zimmerspringbrunnen implizierte, dass sich um diese herum die Abteilung für Feng Shui und andere esoterische Dinge ausbreitete.

Stimmt. In einem solchen Laden ist wirklich nicht genug Platz, um zumindest die Bestseller vorrätig zu halten. Ist ja auch keine richtige Buchhandlung.

 

 

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

Advertisements

4 Antworten auf “Die Sache mit dem Schuster und dem Leisten”

  1. Klingt für mich nach Drogeriemarkt und nicht nach einer Buchhandlung… Falls ihr so etwas wie ein Univiertel habt, probier es doch mal dort. Funktioniert in HH wunderbar, zwar sind die seltnen angeforderten Bücher dort aber die Lieferzeit beträgt max drei Tage und als Überbrückung findet man immer einen gelungen Schmöker.

    Gefällt 1 Person

Püttscher mit!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s