Natürlich koche ich selber!

Alle Jahre steht ein „Tatort“ ganz oben auf der Liste, wenn die Statistik veröffentlicht wird, wo im Haushalt sich die schlimmsten Unfälle zutragen. Es handelt sich natürlich um die Küche, und ebenso natürlich kommt in Sekundenbruchteilen nach dieser sensationellen Bekanntmachung jener geistreiche (???) Scherzkeks daher, der sich den Hinweis „und die meisten davon kommen in Form von Speisen auf den Tisch“ partout nicht verkneifen kann.

„Manche Leute haben in der Küche einfach nichts verloren“, folgt dann meist noch nach. Stimmt. Aber ich denke da weniger an die Verursacher von zu Schuhsohle gewordener Schnitzel oder an Holzkohle, die ursprünglich mal als Bratwurst geplant war.

So ziemlich jedem ist schon mal was mächtig danebengegangen. Mit Schrecken denke ich an jenes Essen für gute Freunde zurück, zu welchem ich eine hauptsächlich aus Tomaten bestehende Suppe kredenzt habe. Leider ist mir da bei den Zutaten ein kleines Malheur passiert. Statt nur eine Messerspitze habe ich einen ganzen Teelöffel abgemessen. Bei Tomatenmark ist das nicht das Problem, aber wenn es mit Chilipulver passiert… Die Behauptung, als Folge daraus hätten die Opfer Verkoster besagter Suppe für ein rapides Absinken des Rohrleitungsdruck in der ganzen Stadt gesorgt, weil sie Unmengen von Wasser gebraucht haben, um ihre malträtierten Münder zu kühlen entzückten Geschmacksnerven für das Dessert zu neutralisieren, muss ich entschieden in das Reich der Fabeln und Sagen verbannen, aber es war in der Tat schon sehr, sehr scharf.

Denkwürdig war auch der von meinem Mann zu früh geöffnete Schnellkochtopf. Es machte einmal ganz laut „Plopp“, und der eigentlich fürs Mittagessen geplante Möhreneintopf machte Karriere als Biobombe. Neben einer Anekdote, die sich wunderbar in einem Manuskript verwursten ließ, brachte uns das auch eine neuen Küchenanstrich ein, denn die heiteren carotinfarbenen Punkte an Decke und Wänden entsprachen einfach nicht unseren Vorstellungen von gelungener Küchendeko.

Andererseits gibt es tausende Gerichte, bei denen man so gut wie nichts falsch machen kann. Idiotensicher, wie der Volksmund auch gerne sagt. Wer die vergeigt, hat wirklich nichts in der Küche verloren. Den sogar zu hohen Ehren in Form eines Wikipediaeintrags gekommenen Mettigel dürfte so ziemlich jeder hinkommen. Und viele Männer sind quasi erst dann von Muddi in die erste eigene Junggesellenbude entlassen worden, nachdem sie es geschafft hatten, ihre Fähigkeit zum kulinarischen Überleben zu beweisen, indem sie fehlerfrei einen Strammen Max oder Bratkartoffeln auf den Tisch gebracht haben.

Aber wie ließ schon Schiller seinen Don Carlos sagen? „Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind.“ Keine Zeitung, kein Gesellschaftsmagazin im Fernsehen, kein Klönschnack fortgeschrittener Jahrgänge an der Straßenbahnhaltestelle kommt inzwischen ohne die Feststellung aus, dass so altes Wissen wie „richtiges“ Kochen so gut wie gar nicht mehr vermittelt wird und die jungen Leute (Memo an mich: Die Erkenntnis, inzwischen so alt zu sein, diese gefürchtete Phrase selbst zu verwenden, hebt nicht gerade die Stimmung) gar nicht mehr in der Lage sind, es selbst umzusetzen. Convenience ist das Zauberwort, zu deutsch Bequemlichkeit. Und es scheint zu stimmen: An der Supermarktkasse steht ein eine Deern so um die fünfundzwanzig vor mir, die ihrem virtuellen Gegenüber am anderen Ende der Smartphoneleitung stolz berichtet, ihm und den anderen Gästen heute Abend eine Gazpacho machen zu wollen. Die Zutaten liegen auf dem Kassenband: Zwei Dosen Fertig-Gazpacho, pürierte Tomaten, eine 1-Portion-Miniflasche Olivenöl (mit Knoblauch aromatisiert) und für die Garnitur fertige Croutons und Paprika, letzere bereits entkernt und in praktische Streifen geschnitten. Alles aufgemacht, in die Servierschüssel gegeben, umgerührt, fertig. So hat man dann tatsächlich eine Gazpacho „gemacht“.

In dubio pro reo – sie hatte auch einen nicht komplett vorbereiteten Flattermann der Gattung Gallus gallus domesticus, gemeinhin Haushuhn genannt, frischen ungeschälten Spargel, Champignons und weitere frische Zutaten sowie losen Reis (kein Kochbeutel!) bei ihren Einkäufen. Dieses sollte in Form von Hühnerfrikassee im Reisrand auf den Tisch kommen.. Da sie, wie sie berichtete, ihren Freund nicht zu Vasallendiensten heranziehen könne, weil dieser derzeit dank eines Skateboardunfalls im Krankenhaus weilt, würde sie mit der Kocherei ganz alleine dastehen. Ganz ehrlich: In dieser Situation würde ich auch Prioritäten setzen und es mir mit zumindest einem Gericht sehr leicht machen.

Hinter mir wurde auch telefoniert. Der junge Mann wusste zu berichten, dass er mit seinem Einkauf noch schnell nach Hause müsse, um sich etwas zu essen zu machen, bevor er dann zum Heimspiel ins Stadion käme. „Klar kochisch selber, Alder“, wie er glaubhaft in sein eigenes Smartphone hinein vesicherte. „Hab grade alles dafür gekauft.“

Besagtes Alles wurde dann aufs Kassenband gelegt: Ein Sechserkarton Eier und dazu eine Dose mit dem Aufdruck

Rühreigewürz.

Oha…

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

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