Kein dutzi-dutzi-dutzi mehr

Es ist jetzt etwa ein oder zwei Wochen her. Da habe ich in der Zeitung über einen Prozess gelesen, der dieser Tage jemandem gemacht wird, bei dem die Staatsanwaltschaft glaubt, dass er einen Mann und seinen Lebenpartner brutal überfallen hat.

In dem Artikel ist von den beiden Opfern immer als „das Pärchen“ die Rede gewesen. Ich habe mich darüber ziemlich gewundert. Das ist nämlich immer so: Wenn so ein Zeitungsartikel von einem Mann und einer Frau als die beiden Opfer berichtet, heißt es immer ganz seriös „das Paar“. Ober bei zwei Männern oder auch zwei Frauen wird das immer zu „das Pärchen“ verniedlicht.

Ich will jetzt nicht die ganz große Keule rausholen und sofort wieder von Diskriminierung reden – aber so einen kleinen Beigeschmack von „dutzi-dutzi-dutzi, so eine Konstellation muss man nicht ganz ernst nehmen“ hat das ja doch.

Wobei – wenn ich jetzt so darüber nachdenke… Bei so etwas gibt das kein groß oder klein. Darum ist dieses „dutzi-dutzi-dutzi, so eine Konstellation muss man nicht ganz ernst nehmen“-Verhalten auch eine Diskriminierung. „Eine Diskriminierung ist eine Diskriminierung ist eine Diskriminierung ist eine Diskriminierung“, um es wie Gertrude Stein mit ihrer Rose zu sagen.

Und darum verstehe ich das nicht: Die selbe Zeitung, in der ich diesen Artikel gelesen habe, hat in den letzten Monaten vor der Abstimmung im Bundestag immer Partei pro Ehe für alle ergriffen. Alles andere sei Diskriminierung, hat man geschrieben, und dass es so heute nicht mehr sein darf.

Warum macht man dann so etwas? Ich sage mal „in dubio pro reo“ und glaube, sie merken das gar nicht. Das ist bloß eine Angewohnheit aus alten Zeiten. So wie man vielleicht immer noch sagt „Ich gehe mal schnell zu Onkel Mandus, Bonbons holen“, obwohl Onkel Mandus schon lange tot ist und sein Enkel Maximilian den alten Tante-Emma- oder besser Onkel-Mandus-Laden jetzt nur noch als Filiale eines großen Konzerns führt.

Aber es besteht ein Unterschied zwischen einer lieben Kindheitserinnerung und einer schlechten Angewohnheit.

Und darum liebe Schreibonkel und -tanten von der Presse: Wir sind keine niedlichen Pärchen, über die man sich gönnerhaft erheben und sie so „dutzi-dutzi-dutzi“-mäßig wie in dem alten Paul Anka-Song Puppy Love behandeln kann. Wir sind ganz normale und ernstzunehmende Paare – und jetzt mit der Ehe für alle erst recht. Also kommt beizeiten mal von euren alten Angewohnheiten runter, okay?


Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um die hochdeutsche Übersetzung des plattdeutschen Artikels vom 03.09.2017. Weitere hochdeutsche Übersetzungen plattdeutscher Texte finden sich hier, Links zum plattdeutschen Original finden sich in den jeweiligen Texten.

Werbeanzeigen