Singet und seid froh

Weihnachten gilt als gar nicht offiziell eröffnet, ehe gewisse liebgewonnene Rituale nicht stattgefunden haben. So geht es wohl jedem von uns. Der eine besteht auf Würstchen und Kartoffelsalat zum Heiligabend, der andere kann ohne einen ganz bestimmten Weihnachtsfilm nicht existieren, bei meinem Mann und mir sind es die Schallplatten die aufgelegt werden.

Um richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen, brauche ich z . B. The Doris Day Christmas Album von 1964. Es ist eine wunderschöne Platte mit rein weltlichen Weihnachtsliedern, für US-Verhältnisse angenehm schlicht arrangiert, und zu Doris Days herrlich sanftem Gesang muss man eigentlich nichts sagen.

Mein Mann ist da von einem anderen Kaliber. Bei ihm darf aus Herzenslust geschmettert werden. Und wer könnte das besser als der Traum aller Mütter, Großmütter und Schwiegermütter der frühen 1970er?

Richtig, ihn meine ich:

Diese Platte ist meinem Mann geradezu heilig. Selbst das obige Foto hat er gemacht – ich traue mich nämlich unter gar keinen Umständen, das Ding anzufassen, denn jedes Malheur damit geschieht im Zeichen schwerster Strafen. Um es anders auszudrücken: Sollte die geschätzte Leserschaft des Wortgepüttscher jemals von heute auf morgen nichts mehr von mir hören, ist mir sehr wohl ein Malheur mit der Platte geschehen und mein Mann hat die weitere Verfolgung dieser unseligen Affaire an den örtlichen Mafioso abgegeben, der nebenberuflich Schwimmunterricht mit Betonflossen erteilt.

Unsere musikalischen Geschmäcker gehen also ziemlich auseinander. Stellt aber kein Problem dar, denn selbst wir mit unserer Sternzeichenkombination (2x Stier = permanente Explosionsgefahr…) halten an Heiligabend mal unsere vorlauten Rappel.

Was nicht heißt, dass wir uns vor dem Fest nicht noch ein paarmal gehörig auf die Schippe nehmen. Mein Mann etwa wird nicht müde, mich zum Genuss einer meiner Meinung nach vollkommen ungenießbaren Speise verlocken zu wollen, die auch bei Holger und Christoph eine große Rolle spielt.

In diesem Jahr wollte mir bisher nicht so richtig etwas einfallen, mit dem ich mich für diese Gemeinheit revanchieren konnte. Doch dann war ich heute für ein paar Besorgungen unterwegs. Zuerst ist mir die Werbung gar nicht aufgefallen. Beim zweiten Mal dachte ich: „Geht der wieder auf Tournee?“ Erst beim dritten Mal habe ich ganz genau hingeguckt – und musste erst einmal schallend lachen, weil ich diese Idee so herrlich appeldwatsch fand, dass sie genau deswegen so genial ist.

Dann habe ich meinen Ackerschnacker gezückt und meinem Mann per WhatsApp-Nachricht ein Foto geschickt: „Schatz, ich hab‘ ’ne neue Weihnachtplatte für uns gefunden.“

Er wollte sie nicht haben:

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