Throwback Thursday 2017

Nur noch 17 Tage bis Altjahrsabend… Wenn ich jetzt nicht langsam mit dem traditionellen Jahresrückblick auf einige meiner Highlights um die Ecke komme, kann ich es auch bleiben lassen. Will ich aber nicht, also kein weiteres Vorgeplänkel mehr. Los geht’s – und wie immer gilt: Es muss nicht in diesem Jahr erschienen sein, es muss mir nur zum ersten Mal (oder erstmals nach langer Pause wieder) über den Weg gelaufen sein:

Buch des Jahres

Bummel, der Zug von Louise Lawrence Devine

Bummel ist eine Dampflok, die mit ihren drei Waggons eine Nebenstrecke befährt. Es ist ein beschauliches kleines Eisenbahnleben mit viel liebgewonnener Routine. Bummel ist glücklich. Eines Tages wird er jedoch zur Expresslok umgebaut und muss förmlich durch das Leben rasen. Bummel wird krank, er muss viel weinen, und seine Tränen lassen ihn schließlich rosten. Der Eisenbahndirektor hat ein Einsehen und lässt Bummel wieder zur langsamen Lok für Bummelzüge umbauen. Bummel ist glücklich und hat wieder Freude an seinem Leben als Lokomotive.

Die Story um Bummel ist eine Wiederentdeckung. Ich glaube, es gibt kein Buch, das ich länger in meinem Leben habe (was auch das ramponierte Aussehen erklärt). Wann immer mir meine Mutter als Kind vorgelesen hat, musste es aus diesem Buch sein. Bummel war meine Lieblingsgeschichte. Irgendwann schaut man in so ein Buch natürlich nicht mehr rein – dann liest man Agatha Christie, Abhandlungen über Fährschifffahrt oder schreibt sogar selber. Trotzdem: Wer es sich mit mir nicht auf ewig verscherzen will, hat strikte Order, nicht einmal nur daran zu denken, dieses Buch zu entsorgen.

Nun haben wir liebe Freunde mit noch sehr jungem Nachwuchs, und irgendwann werde ich dem Lütten sicher auch mal vorlesen – zumindest ist er jetzt schon ganz begeistert, wenn ich ihm Kinderlieder vorsinge (Warnung an meine Familie: Keine blöden Sprüche in Bezug auf meinen Gesang!). Beim Durchforsten der Buchsammlung nach kindgerechtem (Vor-)Lesematerial fiel mir natürlich auch Bummel, der Zug in die Hand. Der ganze Text dieses Pixibuches würde, wenn man ihn abschriebe, wahrscheinlich nicht mal eine komplette DIN A4-Seite füllen. Trotzdem erzählt es auf diese kurze, prägnante Weise und von herrlichen Illustrationen begleitet eine zauberhafte Geschichte, obendrein mit einer ganz wichtigen Botschaft: Man sollte niemals versuchen, jemand anderen zu etwas zu machen, das er nicht ist. Das bringt nur Kummer. Und mit sich machen lassen sollte man es auch nicht.

Musik des Jahres

Prelude von Eumir Deodato (1972/1973)

Tracks: 1. Also sprach Zarathustra – 2. Spirit of Summer – 3. Carly & Carole – 4. Baubles, Bangles & Beads – 5. Prelude to Afternoon Of A Faun – 6. September

Der Brasilianer Eumir Deodato begann seine Karriere zunächst als Komponist von Werbejingles, ehe er Musikaufnahmen für Stars wie Frank Sinatra oder Aretha Franklin arrangierte und produzierte. Ferner arbeitete er mit Pionieren des Bossa Nova zuammen wie etwa Antonio Carlos Jobim. Ab den frühen 1970er Jahren machte er dann zunehmend selbst als Künstler im Bereich Jazz, Funk und Fusion von sich reden.

Prelude (Produziert im Herbst 1972, veröffentlicht im Januar 1973) wurde zu einem seiner größten Erfolge, die Auskopplung des im Jazz-Funk-Stil arrangierten Also sprach Zarathustra von Richard Strauss wurde sein größter Single-Erfolg.

Vom mehr traditionellen Jazz à la Ella Fitzgerald oder Doris Day beeinflusst, dauerte es lange, bis ich den Weg zu Jazz-Funk-Fusion fand. Erst in diesem Sommer wurde ich auf Prelude aufmerksam gemacht. Neben Originalkompositionen von Deodato selbst enthält es in seinem eigenen Stil arrangierte Interpretationen von klassischen Stücken etwa aus der Feder von Claude Debussy sowie der Musicalmelodie Baubles, Bangles & Beads.

Vorgespielt wurde mir das Album an einem Plauderabend bei Freunden, als das Thema irgendwann auf Musik kam. Als Novize in dieser Musikrichtung kam es mir zunächst vor wie der Film Pulp Fiction – nüchtern eine sehr merkwürdige, fast schon befremdliche Angelegenheit, die aber beständig besser wird und immer mehr Sinn erhält, je mehr man sich einen antüddert. Nur: An diesem Abend habe ich mir gar keinen angetüddert. Trotzdem gefiel es mir von Minute zu Minute immer besser.

Seitdem bin ich fachlich immer noch nicht wirklich versierter, was dieses Musikgenre anbetrifft. Ich weiß nur, dass ich Prelude richtig gerne höre, weil es einfach ein cooles Album ist. Mehr muss ich auch nicht wissen.

Kopfkino des Jahres

Hörspiel Manor nach einer Novelle von Karl Heinrich Ulrichs

Worum geht es? Die Färöer-Inseln vor langer Zeit. In der rauen Lebenswelt der Nordmeere rettet der junge Manor dem gleichaltrigen Har bei einem schweren Sturm das Leben. Zwischen den beiden jungen Männern entspinnt sich ein besonderes Band: Eine Liebe, die selbst der Tod nicht zerreißen kann.

Wie kommt’s an? Gleichgeschlechtliche Verbindungen gibt es in Vampirgeschichten gar nicht mal so selten. Eines der ersten Beispiele war Joseph Sheridan LeFanus Carmilla, die in der Steiermark ihr Unwesen trieb. Doch hier und auch in anderen Stories war der homoerotische Effekt oft nur Mittel zum Zweck, um das Opfer noch tiefer in die Fänge des Vampirs zu locken. Oder er betonte – wie der schwule Vampir Herbert und sein Jäger Alfred in Roman Polanskis The Fearless Vampire Killers – den komödiantischen Gesamtansatz. Doch zwischen Manor und Har besteht eine tiefe Liebe schon lange bevor der Vampirismus erstmals Einzug in die Geschichte hält. Wie das passiert und welche Rolle er spielt, soll hier natürlich nicht verraten werden.

Was mir an der bereits 1885 (!) verfassten Geschichte besonders gut gefällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Liebe von Manor und Har dargestellt wird. Sie wird in keiner Weise als etwas Besonderes dargestellt – sie ist eine Liebe wie jede andere auch, und genau so wird sie auch von den anderen Personen in der Handlung wie Manors Mutter gesehen und behandelt.

Heute erregt eine solche Sicht- und Erzählweise kaum noch Aufregung, doch 1885, im Erscheinungsjahr der Novelle kam sie einer Unverschämtheit gleich. Der Autor Karl Heinrich Ulrichs (1825 – 1895) bekam das auch am eigenen Leib zu spüren, denn er war selber homosexuell und wird heute als einer der ersten offen lebenden Schwulen gesehen. Ferner gilt er als als Vorreiter der Schwulenbewegung und für die erreichten Rechte. Den Erfolg des von ihm Angestoßenen erlebte er nicht  mehr mit – im Gegenteil: In Deutschland wurde die Situation für Homosexuelle immer unangenehmer und geährlicher, so dass er schließlich nach Italien emigrierte. Umso bedeutender erscheint mir da die Tatsache, dass die Hörspieladaption von Manor ausgerechnet im Jahr 2017 erscheint, das endlich die Ehe für alle gebracht hat.

Dramaturgisch reiht sich Manor perfekt in das Gruselkabinett des Labels Titania ein, das seinen Fokus auf die Schauerromantik legt. Billige Horroreffekte Schlag auf Schlag gibt es hier nicht. Erzähler Peter Weis führt bedächtig durch die Geschichte und gibt ihr Zeit, sich zu entfalten. Die beiden Hauptdarsteller Tom Raczko als Har und Louis Friedemann Thiele als Manor sprechen ihre Rollen großartig und glaubwürdig. Auch Monica Bielenstein, die vielen noch als Sprecherin mondäner Damen aus den diversen großen Seifenopern der 1980er oder gewiefte Ermittlerin aus CSI:Las Vegas im Ohr geblieben sein dürfte, überzeugt in ihrer Rolle als besorgte Mutter. Dass Hörspielllegende Dagmar von Kurmin als Weise Frau wieder einmal eine Glanzvorstellung abliefert, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

Insgesamt ist Manor mehr eine große, wunderbar erzählte Liebesgeschichte als eine echte Gruselstory, was dem Hörgenuss aber keinen Schaden zufügt. Absolute Empfehlung.

Persönliches

2017 war ein ziemlich angefülltes Jahr mit Höhen und Tiefen. Es gab schwierige Momente, aber auch ziemlich viele tolle. Selbst die chaotische Sommerreise zähle ich zu den Highlights, wobei das für mich größte natürlich die ganz besondere und turbulente Hochzeit vor gerade mal zwei Wochen war. Es war bunt und spannend, und die ersten Vorboten für 2018 lassen ahnen, dass es auch weiter bunt und spannend zugehen wird.

Auch wenn wir uns vor den Feiertagen sicherlich noch einmal lesen werden – schon jetzt allen Freunden und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!

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