8 Smartphone-Erkenntnisse…

… eines ohnehin nicht sehr versierten Users, der sich nach fast sechs Jahren an ein neues Betriebssystem gewöhnen muss.

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„Ich werde ja nun langsam älter und mieser. Da hab‘ ich mir gedacht: Kaufste dir ’n Hermelincape, das lenkt die Leute von dir ab!“

Dieses Zitat wird der unvergessenen Grethe Weiser zugeschrieben. Schön, wenn man so einen Humor in Bezug aufs Alter hat. Habe ich normalerweise auch. Aber ich habe auch gerne die Wahl – so wie Frau Weiser, die sich ebenso gut ein neues Auto hätte kaufen können. Gerade heute wird das Tragen von Pelz völlig zu recht nicht mehr gerne gesehen.

Nun hatte ich aber kürzlich keine andere Wahl: In der vergangenen Woche habe ich mir einen neuen Ackerschnacker gekauft. Musste sein, denn der Hersteller des letzten und vorletzten hat nicht nur die Geräteproduktion an sich eingestellt, er hat auch seinen ganzen Geschäftsbereich Ackerschnacker eingestampft, und damit endet in Kürze auch der Support für sein Betriebssystem. Schade, denn ich war mit damit eigentlich sehr zufrieden.

Zugegeben, ich hätte mir auch ein No Name-Gerät für zwanzig Euro kaufen können, das wirklich nur telefonieren und SMSen kann. Bis auf gewisse Funktionen benutze ich ein Smartphone eigentlich recht selten. Naja, so ganz stimmt das auch nicht. In der letzten Zeit ist es schon etwas mehr gewesen. Es war wieder eine dieser Stoßzeiten, wenn man den Erfolg gewisser Herzensprojekte unbedingt verfolgen möchte. Außerdem sind mir ein paar Apps zum Hören von Radiosendungen und Hörspielen empfohlen worden, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Kurz: Ein neuer Ackerschnacker muss her!

Betriebssystemmäßig sollte es diesmal einer der beiden Platzhirsche sein, damit ich in ein paar Jahren nicht wieder vor der Verlegenheit stehe, alles neu machen zu müssen (dabei haben wir nicht mal Mai!).

Die Wahl ist rasch getroffen, beim Gerät an sich greife ich auf die Erfahrung von Freunden zurück.

Tja, was soll ich sagen? Seit letzten Mittwoch bin ich also Besitzer eines neuen Smartphones. Nein, es folgt keine Nennung von Hersteller und dem gewählten Betriebssystem. Es geht hier nicht um Product Placement, sondern um die Stoßseufzer eines leicht überforderten Neu-Users:

  1. Wenn das Phone beim Systemhochfahren seine Begrüßung säuselt, fühle ich mich immer leicht schmutzig und besudelt. Wenn die „Dame“ – ich benutze diesen Begriff hier nur sehr lose und bewusst in Anführungsstrichen – ihr kleines Sprüchlein aufsagt, klingt das verdammt ordinär. Insofern ist sie auch keine Dame. Bei einem Herren wäre es aber auch nich besser. Kann man das nicht abschalten?
  2. Noch filigraner dürfen die Halter für SIM- und SD-Karten nicht werden – sonst brechen die irgendwann schon vom bloßen Angucken durch.
  3. Die Akkuleistung ist sensationell.
  4. Das Display auch. Nimm das, lieber Gemahl! Von wegen „Du brauchst mal wieder eine neue Brille“! Wo wir gerade dabei sind: Wo ist die aktuelle eigentlich abgeblieben?
  5. Früher konnte ich mir einen Kaffee machen, während ein YT-Video geladen hat. Heute war es schon fast durchgelaufen, als ich zurückkam – dabei hat Eumir Deodatos Version von „Also sprach Zarathustra“ über 7 Minuten Spielzeit! Diese Geschwindigkeit ist toll, aber ich muss mich erst dran gewöhnen.
  6. An die Lautstärke auch. Als mein Mann mich zum ersten Mal auf dem neuen Teil angerufen hat, bin ich zusammengefahren wie das 7. Opfer in der 10. Fortsetzung eines 3t-klassigen Horrorstreifens.
  7. Wo bei dem alten Smartphone ein Unterpunkt im Menü reichte, um alle mir wichtigen Funktionen einzustellen, lande ich beim neuen in so vielen Untermenüs, dass ich dem Hersteller dankbar gewesen wäre, wenn in der Verkaufsverpackung ein Ariadnefaden gelegen hätte, damit ich alleine aus diesem Labyrinth wieder rausfinde und das nicht erst googlen muss!
  8. Last but not least: Ein neues Betriebssystem ist erlernbar, und abgesehen von ein paar kleineren, unbedeutenden Störfaktoren bin ich mit meinem Kauf ganz zufrieden. Trotzdem hoffe ich, dass es nicht zu einem Beben am Smartphone-Markt kommt und ich noch einmal zu jenen gehöre, deren Betriebssystem eingestampft wird, um sich danach an was Neues gewöhnen z müssen. Denn langsam läuft sowas bei mir auf einen ganz berühmten Schreckenssatz hinaus:

I’M TOO OLD FOR THIS SHIT!

 

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