Buh!

oder: Szenen (m)einer Ehe…

Manchmal habe ich den Eindruck, dass mein Mann mich um die Ecke bringen will. Den Gedanken zu nähren, ist sein gutes Recht – bisweilen geht man sich eben so auf die Nerven, dass man diesen Stoßseufzer aus einem von Loriots berühmtesten Animationssketche bestens nachvollziehen kann. Ihr wisst schon: „Morgen bringe ich sie (ihn) um…“

Ich frage mich nur, warum er mich dann des nachts nicht einfach mit einem Kissen erstickt. Wäre um so vieles unkomplizierter und vor allem schneller als seine aktuelle Methode.

Ich bin zum Beispiel in der Waschküche und hole was aus der Waschmaschine. Nichtsahnend, weil ich meinen Mann gerade bei seinem Arzttermin wähne. Der Wäschekorb ist voll, ich erhebe mich, drehe mich um – und mein Mann steht vor mir, als hätte Fernsehhexe Samantha ihn mit einem Nasekräuseln aus dem Nichts dorthin gezaubert.

„Wuaaaaaaaaaaah!“

„Hallo, Schatz, ich bin wieder da.“

Ja, und ich bin bald nicht mehr da, wenn er so weitermacht!

So geht das ständig und überall. Im letzten Sommer hat er es sogar einmal geschafft, dass ich beim Reinigen der großen Mülltonne vor lauter Schreck beinahe in dieselbe reingefallen wäre. Also bitte! Ein bisschen würdiger möchte ich dann doch abtransportiert werden!

Vor ein paar Tagen habe ich mich dann endlich gerächt. Aber vollkommen unabsichtlich. Wirklich! Ehrlich! Boah, ischschwör!

Wir schlafen ja schon seit einigen Jahren in getrennten Zimmern. Kein besonderer Grund, nur der Klassiker in Millionen von Ehen: Schnarchen! Aber bevor es abends in die Buntkarierten geht, gibt es natürlich noch ein paar gemeinsame Minuten zusammen – schnacken, den Tag Revue passieren lassen, kuscheln, „Gute Nacht“ sagen. Die Frage „Zu mir oder zu dir?“ regeln wir nach Lust und Laune – und der Zimmertemperatur.

Neulich waren wir mal wieder bei ihm. Das heißt, ich war schon fertig für die Nacht und bin vorgegangen – mein Mann brauchte noch etwas, um seine Medikamente zu nehmen, eine letzte Kippe zu rauchen und was weiß ich nicht alles. In seinem Bett sitzt tagsüber ein riesiger Plüschteddy, den ich ihm vor einigen Jahren zu Weihnachten geschenkt habe. Superweich und vor allem supergroß. Auch superleicht, aber ich hatte trotzdem keine Lust, das Ding wegzuräumen. Also habe ich mich daneben gesetzt und der Dinge geharrt. Der Bär überragte mich dabei sage und schreibe um einen halben Kopf, so dass ich aus gewissen Blickwinkeln tatsächlich nicht zu sehen war.

Irgendwann kam mein Mann rein und legte seine Medis für den nächsten Morgen auf den Nachttisch. Er verschwand wieder, holte seine Brille, verschwand wieder und kam nochmal zurück, diesmal bereit für den Tagesausklang, denn er zog seine Hausschuhe aus und griff nach seinem Glas Mineralwasser.

„Schatz, kommst du?“, rief er, den Kopf in Richtung meines Zimmers gewandt.

„Ich bin doch längst hier.“

„Wuaaaaaaaaaaah!“

Klirr!

Vor lauter Schreck über den vermeintlich sprechenden Bären hatte er die Tabletten für die Nacht und das Glas Wasser fallen lassen. Er hyperventilierte regelrecht und konnte kaum wieder zu sich kommen.

Er tat mir richtig leid.

Aber erst zehn Minuten später, nachdem mein Lachanfall endlich vorbei war.

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2 Antworten auf “Buh!”

  1. Offenba gibt es bisher nicht gekannte verwandschaftliche oder noch geheimere Verbindungen zwischen den Gatten – denn bei uns ists ganz genauso, mehrfach bin ich schon kurz am Herinfarkt vorbeigeschrammt, wenn der Herr F. wiedermal, wie aus dem Nichts materialisiert, das Wort an mich richtete….
    und auch ich konnte erst ein einziges Mal einen erschreckten Gatten erleben. Mit Hilfesmittel: einem dieser gummibandangetriebenen Schmetterlinge, die aus dem Briefumschlag herausflatttern, wenn dieser geöffnet wird- ein voller Erfolg, samt nach-hinten-springen und entgleisten Gesichtszügen! Einfach herrlich!!!! 🙂
    Und natürlich auch völlig unbeabsichtigt, isch schwör‘!

    Gefällt 1 Person

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