Ring Ring – telefonier‘, es ist frei!

Ja, auch ABBA haben sich im deutschen Idiom versucht. Nicht lange, und ich glaube, auch nicht sehr erfolgreich. Jedenfalls haben sie auch ihren ersten Versuch, beim Eurovision Song Contest anzutreten, in unserer Sprache aufgenommen. Neben der o. g. Aufforderung wurde auch eine Telefonnummer genannt, derer man sich dafür bedienen sollte.

Es ist hinlänglich bekannt, was für kuriose Blüten die Medienwelt treiben kann: Günter Pfitzmann musste sich jahrelang den Bitten seiner Fans um echte ärztliche Diagnosen entziehen, nachdem ihm seine Praxis Bülowbogen ein schönes Alterswerk beschert hatte. Dem Vernehmen nach wäre außerdem die Schauspielerin Mary Crosby beinahe selber gelyncht worden, nachdem ihr Charakter Kirsten (Oder war es Kristen? Kirsty? Ich weiß es nicht mehr. Ist ja schon über dreißig Jahre her) einem gewissen J. R. Ewing nach dem letzten gemeinsamen Beischlaf ein recht unbekömmliches „Nachspiel“ aus Blauen Bohnen verpasst hat. Vor diesem Hintergrund würde es mich nicht verwundern, wenn so mancher, der heute ein paar Jahre älter ist, an einem bierseligen Abend zu fortgerückter Stunde kichernd eingestehen würde, die im ABBA-Song genannte Telefonnummer wirklich angerufen zu haben. Wen hat er wohl drangehabt? Eine Kollegin von Rosi aus dem Sperrbezirk, deren Telefonnummer ja auch in höchsten Tönen besungen wurde?

Wie komme ich jetzt eigentlich wieder auf diese abstruse Einleitung? Ach, so – telefonieren. Mit meiner neuesten Anschaffung zur Kommunikation bin ich inzwischen rundum zufrieden. Was ich von dem Mobilfunkanbieter an sich nicht behaupten kann. Dabei ist die miserable Netzqualität noch das geringste Problem. Ich hatte zwei Verträge bei diesem abgeschlossen, einer davon wurde von meiner Mutter genutzt. Nun befindet sich diese inzwischen in einer Wohngemeinschaft mit Petrus, und der gibt bekanntlich keinen Urlaub. Also habe ich diesen Vertrag gekündigt, was den üblichen Anruf mit dem Rückwerbeversuch zur Folge hatte. „Sind Sie nicht zufrieden mit uns? Möchten Sie eine Änderung? Günstigerer Tarif mit weniger Leistung? Oder sollen wir auf Prepaid umstellen? Das ist etwas, das wir ganz leicht umbuchen können, sie brauchen auch keine neue SIM dafür. Das erledigen wir alles von hier aus. Bittebittebittebitte bleiben Sie doch bei uns! Sie kriegen auch einen Lolli dafür!“

Darauf war ich vorbereitet und habe so gefasst, wie es eben ging, meinen Grund für diese Kündigung dargelegt. Der Vertriebsmensch vom Anbieter sah erstaunlich schnell ein, dass Verblichene in der Tat keinen Mobilfunkvertrag mehr benötigen, kondolierte höflich und versprach, das Thema damit zu den Akten zu legen.

Zwei Tage später kam der nächste Anruf. Auch da bewahrte ich noch eine gewisse Contenance, denn in Großkonzernen, die bundesweit über mehrere Standorte verteilt sind, kann die interne Kommunikation schon mal hakeln. Hab‘ selber mal in so einem Betrieb gearbeitet, auch wenn der in Mode machte. Herrliche Zeit, übrigens. Nie wieder habe ich mich so wenig in der Minderheit gefühlt wie hier – der Pro-Kopf-Anteil an Gays ist in der Modebranche wirklich deutlich höher als anderswo. Wahrscheinlich wird er nur noch durch die Friseure/Kosmetiker überflügelt.

Wie dem auch sei, beim dritten Rückwerbeversuch ist mir der Kragen geplatzt und ich habe ziemlich deutlich gemacht, was ich davon halte, wenn Menschen in ihrer Trauer so dermaßen respektlos behandelt und belästigt werden. Mit der Folge: Jetzt ist auch der von mir genutzte Vertrag zum nächsten AGB-gerechten Termin gekündigt, denn ein Unternehmen mit so einem Gebaren kann mit keinem Vertrag mein Mobilfunkanbieter sein. Eigene Schuld, ihr Flachzangen.

Die Vertragslaufzeit endet im Mai, so dass es langsam Zeit wird, mich in das Tarif- und Anbietergewirr zu stürzen. Und auch hier wieder die Erkenntnis: I’M TOO OLD FOR THIS SHIT.

Was war das doch früher herrlich mit dem Wählscheiben-Einheitstelefon der Deutschen Bundespost! Ein Tarif für alles: Tagsüber wurden alle acht Minuten 23 Pfennige fällig, und dank Herrn Bundespostminister Gscheidles Mondscheintarif (quasi der Vorläufer der heutigen Flatrates) ab achtzehn Uhr konnte man für einmalig 23 Pfennige wahre Telefonorgien feiern! Schwierig wurde es doch nur, wenn man das Gerät an sich anschaffen musste: Das altbewährte Gerät in grau, das so altmodisch (heute sagt man „vintage“ oder „retro“) war, dass er lange Zeit noch aus Bakelit hergestellt wurde? Oder lieber der grüne aus modernem Vollplastik? Oder wollte man ganz verwegen sein und gar den orangenen nehmen? Forever 70s? Sex, Drugs & Das Lied der Schlümpfe?

Aber jetzt? Das Kleingedruckte ist ohnehin schon ein Problem, wenn man in das Lesebrillenalter kommt. Hat es dann eine Textmenge, welche die Bibel als leichte Klolektüre daherkommen lässt, vergeht einem erst recht die Geduld, sich damit zu befassen.

Am meisten verwirrt hat mich allerdings etwas ganz anderes. In einem Prospekt fand sich bei mehreren Tarifen eine Gemeinsamkeit, die aus einem einzigen Satz bestand:

„Solange der Vorrat reicht.“

Wie muss ich mir das denn jetzt vorstellen? Ich denke, man kann (um)buchen? Haben die irgendwo einen USB-Stick mit Tarifen, die per Drag & Drop verschoben werden, und wenn das Ding leer ist, explodiert er wie der Teller Spaghetti mit der geheimen Nachricht für James Bond?  Oder gehen die gar ins Lager, nehmen sich einen Tarif aus dem Regal und drücken den von Hand in die SIM???

Fragen über Fragen…

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