Beuteljahre eines Hausmannes

Wenn ein Produkt mit dem Verkaufsargument der „neuen Rezeptur“ oder der „verbesserten Formel“ feilgeboten wird, bedeutet das oft nichts Gutes. Ganze TV- und Zeitschriftenredaktionen beschäftigen sich mit nichts anderem als der Nachforschung, wo wir von vorn bis hinten so richtig bes…tupst werden. Versteckte Preiserhöhungen, schlechtere Zutaten, Zuckerreduktion im Austausch zur Fettanteilerhöhung. Man kennt das.

Manchmal steckt hinter einer angekündigten Verbesserung aber tatsächlich eine solche. Ich kann mir nur nicht recht vorstellen, ob die wirklich jedesmal so neu ist, wie man uns weismachen will. Nehmen wir z. B. Kochbeutel. Bei kleinteiligen Speisen wie Reis, Mininudeln, Graupen, Kochweizen oder wie neuerdings Bulgur und Quinoa für die überkandidelte Hipsterküche sind die ja doch recht praktisch. Inzwischen zumindest. Als irgendwann die Kochbeutel aufkamen, strebte ich gerade als teenagender Kochenthusiast erste Würden an Pott & Pann an und probierte die Dinger ein- oder zweimal aus. Danach ließ ich ganz lange die Finger davon und kochte Reis & Co. wieder lose. Das Öffnen der Beutel nach dem Kochvorgang war nämlich a.) ziemlich schmerzhaft wegen der noch verdammt hohen Temperatur des frischen Kochguts und des herauslaufenden Restkochwassers und b.) meist auch eine ziemliche Sauerei, denn die nunmehr zum Bersten gefüllten Dinger waren so gut verschweißt, dass man sie nicht von Hand öffnen konnte, und Schere bzw. Messer verursachten jedesmal größere Löcher als beabsichtigt. Folge: So manches Reiskorn landete eher auf dem Fußboden als in der Servierschüssel.

Nach und nach änderte sich das Design der Beutel: Sie bekamen eine Schlaufe, wodurch man sie besser aus dem Wasser holen konnte. Sie bekamen größere Poren, durch die das Restwasser schneller ablief und man sich ein bisschen weniger verbrühte. Und die Schweißnähte wurden breiter, so dass man Schere und/oder Messer besser ansetzen konnte. Wer ganz tollkühn war, versuchte sogar manchmal, den Beutel von Hand aufzureißen. Ging aber oft genug immer noch ziemlich daneben.

Inzwischen ist auch dieses gelöst, denn Kochbeutel haben im Rahmen einer weiteren Verbesserung nun auch passende Stellen erhalten, an denen man sie schmerzfrei halten kann, und die Perforationen sorgen dafür, dass sich die Beutel an der genau richtigen Stelle in der genau richtigen Größe öffnen. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass es dieses Design schon ganz, ganz lange gibt und es nur so lange mit der kleckerweisen Umsetzung dauerte, damit es genügend Gründe für immer neue „Jetzt noch besser!“-Werbungen gab.

Jetzt, wo der Kochbeutel quasi seine Vollendung erreicht hat, mache ich mir aber keine Gedanken darum, dass der Lebensmittelindustrie die Anlässe für weitere Verbesserungen ausgegangen sein könnten. Die haben nämlich noch genügend damit zu tun, die nicht minder zickigen Verpackungen für das lose Kochgut zu verbessern!

 

 

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