Voll auf die Zwölf

„Boah, was hast du denn gemacht?“

Langsam kann ich diese Frage nicht mehr hören. Es ist nämlich immer dasselbe: Wünscht man sich bei einer kleinen Malaise Aufmerksamkeit, bekommt man sie nicht. Möchte man in Ruhe gelassen werden, kann man sich vor schadenfrohen Nachfragen kaum retten.

Als ich vor mittlerweile drei Jahren einen Sportunfall in meine Biogaphie schreiben konnte, hat das ab dem zweiten Tag kaum noch jemanden interessiert. Mein kleiner Ausflug in die Notfallambulanz wurde noch bedauert, dass ich danach wochenlang zur Untätigkeit verdammt war und allmählich einen Lagerkoller entwickelte, stieß auf taube Ohren. Heldenepen eines tapferen Kerls sind eben nicht mehr gefragt.

Dusselige Pleiten, Pech und Pannen haben hingegen bei der begeisterten Hörerschaft immer Hochkonjunktur, eben weil sie den (zumindest für andere) größeren Unterhaltungsfaktor haben.

Seit drei Tagen laufe ich nun mit einem Veilchen herum. Dem ersten im meinem Leben, übrigens. Trotzdem habe ich die ständigen Nachfragen, ob mein Mann mir im Rahmen einer heftigen ehelichen Szene eine Bratpfanne übergezogen hat, ziemlich satt. Leeeeeeute, lasst euch doch mal was Neues einfallen. Dass ihr mir übertrieben zuzwinkert, damit ich diesen  Scherz auch ja als solchen verstehe, macht’s auch nicht besser. Der ist einfach saublöd und – wie man im Pott so schön sagt – so alt, den spielen sie in Japan schon auf der Blockflöte.

Darum jetzt und hier, damit vielleicht endlich Ruhe ist: Das Veilchen habe ich meiner eigenen Dämlichkeit zu verdanken.  Ich habe beim Herrichten des Balkons für die neue Saison nicht aufgepasst, und mir ist ein Hänge-Blumenpott aus Ton an die Schläfe gedonnert.

War’s das jetzt?

 

 


Hinweis: Die Graphik am Textende dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

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