Drei Männer und…nee, Baby, besser nicht

A ist Spanier. B ist Deutscher. C ist Schwede mit norwegisch-dänischen Eltern, der in Boston lebt.

Ganz verschiedene Männer, die trotzdem einige Gemeinsamkeiten haben: Alle drei sind verdammt attraktiv. Alle drei kommen viel in der Welt rum. Alle drei zeigen sich vor den atemberaubendsten Kulissen. Alle drei machen Fotos davon. Alle drei machen diese Fotos und auch Videos bei Instagram, Snapchat, YouTube und so weiter öffentlich zugänglich. Alle drei bekommen Geld dafür.

Will heißen: Alle drei sind sogenannte Influencer, bekanntlich der neueste heiße Scheiß, wenn es darum geht, die Medien dafür zu nutzen, sich als Freiberufler nicht nur die Brötchen zu verdienen, sondern auch noch die Butter dazu und on top in einem Jahr mehr schicke Klamotten und Reisen zu atemberaubenden Destinationen abzustauben als Otto Normalverbraucher in seinem ganzen Leben zustande bekommt.

Auf die Herren A, B, und C bin ich beim Zufallssurfen gestoßen. Es war so ähnlich wie bei Wikipedia: Man will nur einen einzigen Artikel lesen, und wenn man später den Rechner ausschaltet, sind drei Stunden rum und man hat dank der weiterführenden Links zig Artikel gelesen. So wollte ich mir also kürzlich Fotos von einem Kreuzfahrtschiff nach dessen umfangreichen Umbau anschauen und landete irgendwan auf dem Instagram-Account des Influencers A, der die erste offizielle Reise mit diesem Dampfer mitgemacht hat. Er musste mit der Reederei irgend einen Deal geschlossen haben, die ihn vor allen anderen Passagieren an Bord gelassen hat, denn er war der Einzige, der sich in Poolnähe auf dem in mediterraner Sommerhitze liegenden Sonnendeck aalte. So leer sind diese Locations für gewöhnlich nämlich nur, wenn niemand außer der Crew an Bord ist.

Durch die Verlinkungen bei seinen Bildunterschriften landete ich bald bei den Profilen der Herren B und C, die auch verdammt gut im Geschäft zu sein scheinen. B im neusten Trenchcoat der Firma _______ auf den menschenleeren Stufen (wie hat der das bloß hingekriegt) vor Sacre Cœur. C und sein perfekter Body in der aktuellen Badehose von _______ an einem nur für ihn reservierten Strand irgendwo auf Samoa. Ah, und da ist ja auch wieder A, der sich für sein Posing auf dem Kotflügel eines schicken Cabrios eine eine ebenso pittoreske wie ruhige Gasse in bella Napoli ausgesucht hat. Und da ist wieder B vor einem atemberaubenden Buffet in einem Luxushotel in Dubai, A beim teuersten Kaffee im teuersten Café von Rom, C beim Verlassen des Flagship Store eines Schweizer Uhrenherstellers (das neueste Modell ist natürlich deutlich sichtbar am Handgelenk zu sehe), Und so weiter.

Die Bildkomposition war bei allen stets dieselbe: Der jeweilige Herr in atemberaubender Kulisse und tollen Klamotten, das ganze natürlich perfekt fotografiert und noch perfekter nachbearbeitet. Makellos.

Zumindest auf den ersten Blick.

Beim genaueren Hinsehen fiel mir bei A, B, C und später – ich war neugierig geworden – auch bei weiteren männlichen wie weiblichen Influencern folgendes auf:

Auf allen Bildern war keine andere Menschenseele außer dem jeweiligen Influencer zu sehen. Sie waren alleine. Sie waren nicht von Personal umgeben, nicht von zufälligen Passanten und erst recht nicht von engen Freunden. Sie blickten je nach Bildsetting lernend , wichtig, prüfend, suchend und noch fifty weitere Shades of ernst drein. Kein Bild strahlte Lebensfreude aus. Keiner von ihnen lächelte mal. Und eben weil sie nicht lächelten, wirkten sie nicht nur allein, sondern einsam.

Und das soll ein tolles Leben „Jet Set 2.0“ sein?

Nee, danke – da wohne ich lieber weiter in meiner Arbeiterstadt im Pott, wo das Leben vielleicht nicht immer materiell sorgenfrei ist, aber wo die Leute trotzdem immer wieder auch genügend Anlässe für „Spässken haben“ finden.

 


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