Sie sind hier (hochdeutsch)

Kennt ihr alle diesen Film Poltergeist? Da gibt es doch diese Szene, in der das kleine Mädchen mit den blonden Haaren vor dem Fernseher sitzt und bloß auf den „Schnee“ auf der Mattscheibe starrt. Als ihre Eltern dazukommen, sagt sie mit so einer ganz entrückten Stimme: „Sie sind hier.“ Und dann fängt der Stress für diese Familie erst richtig an. Habt ihr das schon mal gesehen?

Schon Shakespeare hat gewusst: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Das fällt mir besonders jedes Jahr im Sommer auf. So ein gemütlicher Sonntagmorgen ist ja eine feine Sache. Du schläfst ein bisschen länger, du nimmst dir richtig viel Zeit für das Frühstück. Und so weiter. Du lässt es dir richtig gut gehen.

Ist bei meinem Mann und mir nicht anders. Ich sitze nach dem Frühstück meistens in der Küche und lese meine Tageszeitung, mein Mann macht es sich auf dem Sofa bequem und macht sich die Glotze an. Was er sich da anschaut, kann ich in der Küche zumindest noch hören. Im Winter ist das kein Problem – das Gerede bei der Sendung mit der Maus oder Wissen macht Ah oder auch mal bei einer Wiederholung eines alten Theaterstücks tut nicht weh.

Im Sommer – so wie jetzt – ist das anders. Da freue ich mich richtig, dass ich auf den Balkon oder sogar in den Garten türmen kann. Dann schaut mein Mann nämlich etwas anders. Er verändert sich…

Sonst ist er nämlich einer, der das aktuelle Zeug hört, das im Radio auf WDR 2 oder manchmal auch EinsLive gespielt wird – Tote Hosen, George Ezra, Ed Sheeran, Adele, Portugal The Man und wie sie alle heißen.

Aber nicht, wenn er im Sommer am Sonntagvormittag vor dem Fernseher sitzt. Dann schallt auf einmal so etwas wie Santiano, Tony Marshall oder Marianne & Michael zu mir in die Küche. Das allein ist schon beängstigend. Gehe ich dann auch noch rüber in unsere gute Stube, liegt mein Mann nicht auf seinem Sofa, nein, er sitzt ganz ordentlich da und schaut Immer wieder sonntags und danach den Rest vom ZDF Fernsehgarten. Oder wie ich sage: „Schattige-Pinie-TV“.*) Dabei sieht er fast so andächtig aus wie meine Oma vor zwanzig Jahren in ihrem alten Ohrensessel.

Sind diese beiden Sendungen vorbei, ist mein Mann wieder genau wie sonst: WDR 2, aktuelle Charts.

Wisst ihr, was ich glaube?

Ich meine, zumindest am Sonntag im Sommer zwischen zehn und vierzehn Uhr?

„Sie sind hier.“

 

*) Die Schattige Pinie ist in einer Kultserie aus den 1980ern ein Altenheim gewesen, aus dem eine der Hauptfiguren getürmt ist.

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