Sei vorsichtig, was du dir wünschst…

… es könnte in Erfüllung gehen.

Kalendersprüche sind – ähnlich wie Gerüchte – wohl deswegen so verpönt, weil in ihnen immer ein Kern Wahrheit steckt. Gerade erst durfte ich wieder mal genau diese Erfahrung machen.

In der letzten Adventszeit hatte ich mich darüber mokiert, dass die Vertreter der Organisationen, die nur unser Bestes wollen um bestes damit anzustellen, immer nur in den sechs Wochen vor Weihnachten und den sechs Wochen danach zu sehen sind. Im Zuge dessen hatte ich vorgeschlagen, dass sie sich doch auch mal im Sommer sehen lassen mögen.

Nun hält mein Größenwahn sich (hoffentlich) in Grenzen und ich bilde mir nicht ein, dass die jeweiligen Entscheidungsträger ausgerechnet meinen Blogeintrag gelesen und entsprechendes Handeln veranlasst haben. Ergo scheint es lediglich ein danebengegangener Wunsch ans Universum gewesen zu sein. Sei vorsichtig, was du dir wünschst, und so weiter, nä?

Denn in diesem Jahr kann man wahrhaft auch im Sommer nicht  mehr durch die Innenstadt gehen, ohne nicht mindestens dreimal von tapferen Rekrutierern angesprochen zu werden, ob man sich nicht der ein oder anderen Wohlfahrtseinrichtung als passives Mitglied anschließen möchte. Ein klarer Fall von a touch too much und nicht die Mitte finden. Denn das hat dann echt schon wieder etwas von Belästigung, so dass ich meine Gänge in die Innenstadt dann tatsächlich auf das absolut notwendige Mindestmaß reduziert habe. Es müssen in einer so kleinen Fußgängerzone wie der Dortmunder einfach nicht drei Organisationen gleichzeitig präsent sein.

Ja, ich weiß, das klingt verdammt nach „kann man dem denn gar nichts recht machen?“ – mea culpa. Schieben wir es einfach zu 2/3 auf die Hitze und meine Urlaubsreife, aber ein 1/3 von mir stört sich wirklich an der Sache.

Wobei das so auch nicht stimmt. Es ist gar nicht mal die Sache, denn die ist ja grundsätzlich erstmal eine gute, sondern das Auftreten der genannten Rekrutierer. Dass sie sich einem einfach ohne Vorwahnung in den Weg stellen und damit unsanfte Zusammenstöße provozieren – geschenkt. Aber ich bin, was „gute Sitten und Gebrauchsanweisungen“ (danke, Henry Vahl) betrifft, ziemlich old school. Deshalt bringe ich gelegentlich auf selbstironische Art rüber, dass ich kein Fan davon bin, wenn mich jemand, dessen Vater ich altersmäßig sein könnte, mich mit „Du! Komm mal her! Ich brauche dich!“ einfach so von der Seite anranzt. Wenn ich mir darauf allerdings noch Sprüche um die Ohren hauen lassen muss, wir hätten ja wohl nicht mehr 1945, sinkt meine Spendenbereitschaft erst recht. Und kann beispielsweise ein Spendenrekrutierer, der mich in der Fußgängerzone antanzt und dabei „Ya-yaya Coco Jambo ________ (folgt 3-Buchstaben-Kürzel der Organisation, für die er arbeitet)!“ grölt, unter solchen Umständen wirklich erwarten, dass ich ihn ernst nehme?

Ich bin gerne bereit, mich für eine gute Sache zu engagieren. Aber wenn schon jemand von mir will, dass ich mein Portemonnaie dauerhaft für seinen Arbeitgeber öffne, sollte dieser Jemand ein Grundmaß an Manieren mitbringen. Hier würde ich mich dann sogar freuen, wenn der Wunsch in Erfüllung ginge.

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