It’s a kind of magic

Schwenkragout.

Im Duden ist dieses Wort nicht zu finden, Google kennt es nicht, Wikipedia hat es auch nicht im Bestand, und selbst das eigene Stadt-Wiki für unser Dorf „janz weit draußen“ hat kein Suchergebnisse ausgespuckt.  Echt selten, dass eine Spezialität der regionalen Küche so speziell ist, dass sie sich scheinbar nur auf den einzigen Schlachter im  Vorort vom Vorort eines Vorortes bezieht.

Bei uns auf’m Dorf gehörte Schwenkragout – neben der besten Fleischwurst „mit“ der Welt – zu den Gerichten, die es nur bei besagtem Schlachter in unserer Straße gab. Wie Erbsensuppe oder Ochsenschwanzsuppe eignete es sich hervorragend, um bei Massenverköstigungen auch in einer Gulaschkanone herangekarrt zu werden.

Soviel haben wir zwar nie gebraucht, aber es waren durchaus schon mal ein bis zwei Einkochkessel voll, die meine Oma zu großen familiären Jubeltagen bestellte. Das Zeug schmeckte großartig, entsprechend wurde zugegriffen.

In Ermangelung von Fotos versuche ich es mal zu beschreiben: Es sah ein wenig wie ein Gulasch mit durch Sahne aufgehellter Sauce auf, in der Ingredienzien schwammen, die ein bisschen wie Teilzutaten einer Pizza aussahen: Paprika- und Tomatenstücke, diverse Kräuter, dazu weiße Fäden wie von geschmolzenem Mozzarrella. Liest sich vielleicht nicht sehr spannend, aber besser kriege ich es nach so langer Zeit einfach nicht mehr hin.

Vor rund 30 Jahren habe ich Schwenkragout nämlich zum letzten Mal gegessen, weil Dorfschlachter sr. sich in den Ruhestand verdrückte und Dorfschlachter jr. es nicht mehr im Sortiment führen wollte. Zu aufwändig, zu teuer – whatever.

Nun bin ich bekanntermaßen seit geraumer Zeit essenstechnisch so ganz anders eingestellt und habe nicht wirklich das Bedürfnis, es Indiana Jones gleichzutun und mich „Auf die Suche nach dem verlorenen Schatz“ zu  machen. Nur ein Zufall sorgte dafür, dass ich neulich wieder an diese einst so begehrte Geschmacksexplosion auf der Zuge denken musste. Da habe ich  nämlich  für meinen zukünftigen Witwer aus Rind- und Schweinefleisch und was ich noch so an frischen Zutaten im Gemüsefach hatte, ein ganz normales Gulasch zusammengepüttschert.

Dachte ich.

Beim Abschmecksten stellte ich allerdings fest, dass ich offenbar etwas geleistet hatte, dass sich wohl nur mit dem Herausziehen des Schwertes Exaclibur aus diesem verflixten Stein (Stichwort: Artussage) vergleichen lässt.

Es sah zwar nicht so aus, aber geschmacklich hatte ich Schwenkragout erschaffen – einfach so!

Natürlich musste ich da ausnahmsweise mal von meinen ehernen Prinzipien abrücken und habe zum  ersten Mal seit über fünf Jahren eine Fleischmahlzeit gehabt (und diesen Leichtsinn in der folgenden Nacht mit furchtbaren Magenschmerzen bezahlt, aber das wars wert!). Danach stand ich vor einem Dilemma:

Habe ich mir aufgeschrieben, was alles und wieviel jeweils davon ich in den Pott geknallt habe?

Oder hatte ich es mir zumindest gemerkt?

Natürlich nicht.

Grmpf.

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