Schlag nach bei Goethe

Na, Altjahrsabend gut überstanden? Bei meinem Mann und mir ist da alles ganz ruhig und gelassen abgelaufen. Zwanzigachtzehn ist so ein turbulentes Jahr gewesen, dass wir auf die letzten Meter einfach keinen Bock auf großes Theater hatten. Mein Mann ist sogar um halb zehn in den Buntkarierten gewesen. Fünf Minuten vor Mitternacht habe ich ihn kurz geweckt, um Punkt zwölf hat es einen Kuss, beste Wünsche für zwanzigneunzehn und einen Schluck Sekt gegeben, und dann hat er sich wieder umgedreht. Ich selber habe die meiste Zeit gelesen, und als so gegen eins, halb zwei das Feuerwerk allmährlich weniger geworden ist, habe ich – genau so, wie ich das auch an Heiligabend mache – den Abend auf meine eigene Art zu Ende gebracht: Mit einem Horrorilm mit Vincent Price als Kontrast zu der zuckersüßen Feierei.

Apropos Feuerwerk. Am Silvestermorgen musste ich nochmal kurz einkaufen – irgendwas fehlt ja doch immer. An der Kasse hatte ich einen vor mir, der für fast dreihundert Euro das olle Ballerzeugs gekauft hat. Verrückt, nicht wahr?

Nun stammte einer meiner Großväter aus England. Aus Essex, um genau zu sein. Ich weiß aber nicht viel über seine eigenen Großväter, Urgroßväter und Ururgroßväter, aber es würde mich nicht wundern, wenn da ’n paar Schotten in seinem Stammbaum sitzen. Wenn ich so eine Geldverschwendung wie den Feuerwerkskauf mitbekomme, fängt mein Hirn nämlich sofort an, das in etwas Lohndenderes umzurechnen. Dreihundert Euro für zwanzig Minuten Blitz und Donner. Und hinterher noch die Schweinerei aufkehren.

Für dreihundert Euro mache ich  mir drei feine Tage in Hamburg in meinem Stammhotel – und Room Service habe ich dabei auch.

Wer von uns hat nun recht? Wir beide natürlich, denn „Das Geld, das der Mensch nicht selbst ausgibt, scheint ihm selten wohl angewendet“, hat der olle Goethe gesagt.

Und der hat auch recht.

Frohes neues Jahr!

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